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Gedenken

21.03.2015

Leben im Zeichen des Bombardements

Werner Rauch
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Werner Rauch

Bäumenheim erinnert an die Ereignisse des Josefstags von 1945

Man hätte gehört, wenn eine Stecknadel zu Boden gefallen wäre. So still war es bei der Feierstunde zum Gedenken an den Bombenabwurf vor 70 Jahren auf Bäumenheim (wir berichteten). „Die Erinnerungen um den Josefstag werden mich mein Leben lang begleiten“, brachte es Werner Rauch auf den Punkt, der den Angriff mit seinen verheerenden Folgen als Siebenjähriger erlebt hat.

„Wir wollen nicht nur an den schwärzesten Tag in der Geschichte Asbach-Bäumenheims erinnern, sondern die Feier auch als eine Mahnung verstanden wissen“, erklärte Bürgermeister Martin Paninka. Es sei ein großes Geschenk, in Friede und Freiheit zu leben. Wie schlimm müsse es gewesen sein, nach der Attacke der Alliierten so viele Tote beklagen zu müssen. Die Hälfte der Gebäude seien zudem in Schutt und Asche gelegen.

Für die Heimatfreunde Bäumenheim, die maßgeblich bei der Organisation der Gedenkfeier beteiligt waren, erinnerte deren Vorsitzender Professor Willi Bernert an die Ereignisse jenes Josefstags – ein Tag ähnlich warm wie die jüngsten Tage im März 2015. „Wenn man die persönlichen Empfindungen der Menschen hört, ist man erschüttert“, erklärte Bernert im überfüllten Sitzungssaal des Rathauses. Fünf Zeitzeugen blickten zurück und waren sich einig: „Die Einsicht aus diesen Erinnerungen kann nur bedeuten: Nie wieder Krieg“, wie es Werner Rauch formulierte.

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Nichts sei danach mehr gewesen wie vorher, sprach Rauch seinen Zeitgenossen aus der Seele. Er habe mit Nachbarskindern im Garten gespielt. „Wir hatten an unserem Zwetschgenbaum eine Schaukel angebracht mit zwei Stricken, zwei Ringen und einem Brettchen.“ Er selbst sei mit den Füßen in die Ringe geschlüpft, also gar nicht in der Lage, sich selbst zu befreien. Plötzlich habe er die Markierungsbojen der Flieger gesehen. „Lametta vom Himmel“ hätten sie die Kinder zunächst scherzhaft bezeichnet.

Der Ernst sei ihnen dann aber reflexartig bewusst geworden: Seine Schwester und Lina Utz hätten ihn befreit, um schnell ins Bienenhaus zu fliehen. In einer kurzen Bombenpause, also vor der zweiten Welle, seien sie dann mit der Mutter zum Luftschutzbunker direkt neben der Schmutterbrücke gerannt. Mit Mühe hätten sie sich noch hineingequetscht – als sich die Eichentür wieder öffnete, sei man schockiert gewesen: „Der ganze Weiler war platt gemacht worden.“ Die Zeitzeugen von 1945 trugen sich in das Ehrenbuch der Gemeinde ein. Ein Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche, von Pfarrer Ivan Novosel zelebriert, beendete den Tag, der bei den Zeitzeugen schreckliche Momente wieder ins Gedächtnis zurückholte. „Aber das muss sein“, sagte einer von ihnen, „unsere Nachwelt soll das nicht vergessen.“ (bih)

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