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Verkehr

26.07.2015

So gefährlich ist der Blick aufs Handy beim Autofahren

Meterlang im „Blindflug“ unterwegs: Der Auto Club Europa warnt in einer Broschüre vor der Handynutzung am Steuer.
Bild: Symbolbild, Arno Burgi (dpa)

Handys am Steuer sind eine große Gefahr für den Verkehr. Wer bei Tempo 100 nur einen Zwei-Sekunden-Blick riskiert, lässt in dieser Zeit eine weite Strecke hinter sich.

Auf der Länge eines Tennisplatzes einfach mal nichts mitbekommen: Das passiert, wenn man am Steuer sitzt, 50 Stundenkilometer schnell fährt und etwa zwei Sekunden auf sein Handy schaut. Rund ein halbes Fußballfeld zieht an einem vorbei, ohne dass man es merkt: 80 Stundenkilometer schnell gefahren, den Zwei-Sekunden-Blick aufs Handy riskiert. Circa 60 Meter hinter sich gelassen, ohne sie tatsächlich registriert zu haben: Tempo 100, ebenfalls zwei Sekunden. Der Auto Club Europa, kurz ACE, hat diese Zahlen ausgerechnet.

Florian Baar ist der ACE-Regionalbeauftragte für Bayern. Er und seine Mitstreiter haben in den vergangenen Wochen an verschiedenen Stellen in Nördlingen Autofahrer dahingehend beobachtet, ob sie mit dem Handy am Ohr am Steuer saßen oder Nachrichten auf dem Smartphone getippt haben. Nur wenige konnten die Ehrenamtlichen des ACE auf einem großen Parkplatz vor einem Supermarkt entdecken. Baar sagt: „Das ist klar, schließlich sucht man da ja gerade einen Stellplatz.“ Ganz anders sah das Ganze dagegen vor einer Bahnschranke aus.

Mobiltelefon erst bei ausgeschaltetem Motor

Die kurze Zeit, bis der Zug durch war und die Schranke wieder aufging, nutzten viele, um schnell noch etwas via Smartphone loszuwerden. Doch auch das sei verboten, sagt Baar im Gespräch mit unserer Zeitung: „Man muss den Motor ausschalten.“ Erst dann dürfe man sich mit seinem Mobiltelefon beschäftigen.

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In einer Broschüre weist der ACE daraufhin, wie gefährlich das Handy am Steuer ist. Darin wird Psychologie-Professor Dr. Mark Vollrath wie folgt zitiert: „Wir haben die Smartphone-Nutzung für eine Studie mit der Wirkung von Alkohol verglichen. Da sind wir bei vergleichsweisen Alkoholeinwirkungen von 1,1 bis 1,2 Promille.“ Die Zahl der ungeklärten Unfälle sei gestiegen, sagt Baar – er vermutet, dass viele deshalb geschehen sind, weil jemand von seinem Telefon abgelenkt war. Doch wer das sage, verliere im Zweifel seinen Versicherungsschutz – und schweige deshalb lieber.

„Die Dunkelziffer dürfte da sehr hoch sein“, vermutet auch Magnus Kastenhofer, Sprecher der Polizei in Donauwörth. Viele Auffahrunfälle zum Beispiel ließen sich eigentlich nicht anders erklären, als dass der Fahrer abgelenkt gewesen sei – und da nehme das Handy erfahrungsgemäß viel Raum ein: „Das kann ja jeder selbst testen, wie oft er andere am Steuer sieht, die mit ihrem Handy beschäftigt sind.“

Auch Nutzung von Freisprechanlage kann gefährlich sein

Selbst die berechtigte Nutzung eines Mobiltelefons – zum Beispiel über eine Freisprechanlage im Auto – kann in den Augen des Polizeibeamten ein Problem sein: „Das ist dann zwar kein Verstoß, aber die Aufmerksamkeit ist trotzdem weg vom Verkehr, und das ist gefährlich.“

Das Handy am Ohr, in der Hand mit Lautsprecher, Nachrichten tippen oder lesen – all das sei dagegen klar verboten und werde mit einem Bußgeldsatz von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet. Und auch, wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, darf nicht zum Mobiltelefon greifen – 25 Euro werden sonst fällig.

546 sogenannte Handyverstöße gab es Kastenhofer zufolge im vergangenen Jahr im Bereich der Polizeiinspektion Donauwörth, im Bereich der Rainer Polizei waren es 72 und landkreisweit 1057. Im ersten Halbjahr 2015 lag die Zahl im Bereich Donauwörth bei 274, im Raum Rain bei 47 und im gesamten Landkreis Donau-Ries bei 507.

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