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Klassik

14.11.2019

So schön klingt Oper!

Die jungen Interpreten des Opernstudios brachten einmal mehr eine musikalische Sternstunde in die Mertinger Schulaula.
Foto: Ulrike Hampp-Weigand

Ein hinreißender Abend mit dem Opernstudio der Bayerischen Staatsoper. Große Stimmen, bezaubernde Melodien, charismatische Akteure

Wenn ungemein viele Leute am Ende strahlend zum Ausgang streben, wenn aller Augen leuchten, dann war wieder das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper in der Mertinger Schulaula zu Gast. Einmal mehr hatte es eine Sternstunde musikalischer Unterhaltung geboten: großartige Stimmen, bezaubernde Melodien, vergnügliches Opern-Erfahren, ein ausverkauftes Haus. Das Publikum war wunderbar aufgelegt, sparte weder mit Zuneigung noch mit endlos langem, stehendem Beifall. Wo sonst trifft man auf zwölf junge Menschen mit so großen Stimmen, verführerisch anzuschauen in Abendkleid und Frack?!

Tobias Truniger, der Leiter des Münchner Opernstudios, ist der weitere Garant für einen unterhaltsamen Abend. So wie er kann keiner Oper erklären. Was heißt erklären: Seine süffisanten Bemerkungen zu Protagonisten und oft sparsamer Handlung dürfen einfach nicht fehlen, bringen sie doch oft genug „hehren“ Anspruch auf einen einprägsamen und sehr kurzweilig-amüsanten Nenner. Das dritte war an diesem unvergleichlichen Abend das „süffige“ Programm. Und die beiden begeisternd aufspielenden Pianisten Ewa Danilewska und Michael Pandya.

Zu Beginn Mozarts Meisterwerk „Don Giovanni“ – die Geschichte des ewigen Verführers, vor dem keine Frau sicher ist. Der dafür in die Hölle fährt: Mitreißend sangen und erzählten davon die Rache dürstenden Donna Elvira (Sarah Gilford) und Donna Anna (Mirjam Mesak), ein stimmstarker Leporello mit der Registerarie (Markus Suihkonen), der schöne lyrische Tenor Don Ottavio (Caspar Singh), der unbelehrbare Don Giovanni (Ogulcan Yilmaz) und eine nicht sehr zagende Daria Proszek als Zerlina, und mit kellertiefer Basswucht Komtur Christian Valle.

Vom ersten Ton an verführte der Zauber der fantastischen Stimmen, die schauspielerische Freude. Gaetano Donizetti setzte mit „La fille du régiment“ die weiteren, leichtfüßigeren Akzente, trotz Beschwörung von Kanonendonner und Pulvergestank! Marketenderin Marie, Findelkind, von Soldaten aufgezogen und der Bauernbub Tonio kriegen sich ganz sicher am Ende der hanebüchenen Story: Aber wie verführerisch schön das klingt, wenn sich die bezaubernde Koloratursopranistin Juliana Zara und Ziehvater Bassbariton Markus Suihkonen kabbeln, wenn Tonio (George Vîrban) mit metallenem Tenor seine Liebe schwört. „Tous les trois réunis“. Happy End der Geschichte!

Die deutsche Spieloper „Martha“ wiederum betört mit Arien wie „Ach so fromm, ach so traut“, als der (was da noch keiner weiß) Grafensohn Lionel seiner Magd Martha – einer gelangweilten Edeldame der Königin – nachtrauert (und das hingerissene Publikum den großartigen Tenor Andres Agudelo so feiert, dass seine Arie unbeendet bleibt) , oder dem Lied der Martha „Letzte Rose“ (leider nicht im Programm): aber Noa Beinarts Zofe Nancy und Christian Valles Pächter Plumkett stehen den beiden nicht nach: ein musikalischer Spaß, riesiger Jubel schon da!

Noch ein Höhepunkt des daran wahrlich nicht armen Abends: Gioachino Rossinis „Il Viaggio a Reims“, eine eigentlich einaktige Oper aus 26 Szenen mit zehn Hauptrollen – von der aus Mangel an Fortbewegungsmitteln nicht durchführbaren Reise der illustren, aus ganz Europa kommenden Gesellschaft zu den Krönungsfeierlichkeiten Karls X. berichtend. „Sì, di matti una gran gabbia“ –Baron Trombonok (Christian Valle), der das Reisegeld einsammeln soll, hält die ganze Welt für einen Käfig voller Narren: Juliana Zara, Daria Proszek, Caspar Singh, Ogulcan Yilmaz und Markus Suihkonen präsentieren das grandiose Sextett.

Szene Nummer 26, als der Deutsche Trombonok ein Lied der jeweiligen Heimat erbittet, mit „Gott erhalte Franz den Kaiser“ selbst einsetzt, rufen die „Polacca“ Daria Proszeks, die „Canzone Spagnola“ des „Granden“ Ogulcan Yilmaz und die „Tirolese“ der hinreißend jodelnden Juliana Zara mit Markus Suihkonen Begeisterungsstürme hervor. Die Lösung naht – die Krönung ist verschoben, man kann fahren.

Nicht mehr enden wollender, stehender Applaus wird gebührend bedankt: Mit einer überwältigenden Chorszene aus Offenbachs „La Perichole“, wiederum jubelnd gewürdigt, endet ein hinreißender Opernabend.

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