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Veranstaltung

09.08.2017

95 Jahre kleiderlos in Kissing

Grüne Idylle: Seit 95 Jahren verbringen die Mitglieder des Sportbunds Helios ihre Sommerstunden mit Sport, Spaß und Gesellschaft auf dem Vereinsgelände. Ob mit oder ohne Kleidung, entscheidet jeder selbst.
Bild: Elisa Glöckner

Der Sportbund Helios begeht am Wochenende ein großes Jubiläum. Bei den Feierlichkeiten bleiben die Hosen ausnahmsweise an. Was geboten ist

Natürlich nackt – so lautet das Motto der Naturisten vom Sportbund Helios. Und zwar schon seit 95 Jahren. Am kommenden Samstag wird das Jubiläum auf dem Vereinsgelände gefeiert. Ordentlich und ausgiebig, wie der Vereinsvorsitzende Peter Widmann verspricht. Allerdings nicht nackt. Adams- und Evakostüm werden während der Feierlichkeiten ausnahmsweise pausieren.

Der Ursprung des kleiderfreien Sportbunds reicht viele Jahre zurück. Dennoch: „Manch Einheimischer weiß immer noch nicht, was sich hinter dem Zaun verbirgt“, sagt Peter Widmann und lacht. Dabei hat alles schon 1922 begonnen. „Mit einem Sumpf“, wie der Vorsitzende betont. Damals hätten die Menschen herausgefunden, dass es schön ist, sich (textil-) frei bewegen zu können. Über die Zeit hinweg habe sich aus diesem überschaubaren Grüppchen ein ansehnlicher Verein entwickelt. „Besonders in den 70er Jahren ist die FKK-Bewegung explodiert“, erzählt Peter Widmann. Mit bis zu 800 Mitgliedern hatte auch der Sportbund Helios eine neue Dimension erreicht. Heute gibt es nur noch wenige Vereine dieser Größenordnung. „Und wenn, sind diese eher kommerziell“, sagt der Vorsitzende.

Ende der 90er drohte Helios ins Schwanken zu geraten. Die Mitgliederzahlen sanken. 2012 zählte der Verein nur noch 195 Mitglieder. Ein Bild, dass sich in der gesamten Freikörper-Bewegung bis heute abzeichnet. „Generell herrscht Mitgliederschwund“, bemerkt Widmann. Nicht aber beim Sportbund nahe des Weitmannsees: „Bei uns zeigt sich ein Aufwärtstrend“, betont der Vorsitzende. Inzwischen bewegen sich wieder 240 Mitglieder auf dem 70000 Quadratmeter großen Areal am Rande der Kissinger Heide. Peter Widmann freut sich über diesen neuen Naturistennachwuchs: „Wir konnten vor allem Familien mit Kindern und Menschen mittleren Alters für unseren Sportbund gewinnen.“

Eines dieser Mitglieder ist Nicole. Sie ist seit Juli 2013 Teil des Vereins – und liebt es. Man könne so sein, wie man ist, findet die 48-Jährige. „Man muss sich nicht verkrampfen oder verstellen.“ Was ihr hier besonders gefällt? Puh, sie winkt ab. „Das Gelände, die Ruhe, die Gesellschaft, ja sogar die Arbeit.“ Die Arbeit? Die Arbeit. „Malerarbeiten auf dem Gelände entspannen mich“, sagt die Berlinerin und schmunzelt.

Gründe für den raschen Zuwachs sieht Widmann in der Aufstellung des Vereins: „Wir haben ein tolles Verhältnis zur Gemeinde, eine zentrale Lage und eine gute Infrastruktur in Kissing.“ Auf dem Vereinsgelände selbst habe außerdem jeder sein eigenes Reich. Dazu kommen die vielen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung: Neben Indiaca und Beachvolley-Ball gibt es Boule, Badminton oder Fußball. Von größerer Bedeutung für die Mitglieder und dem Vorsitzenden ist allerdings die soziale Komponente des Vereinslebens: „Viele unsere Mitglieder befinden sich jenseits der 70“, erklärt Widmann. Die Einbindung dieser Menschen und das Zusammenbringen von Alt und Jung sei für Helios besonders wichtig. „Vom Kleinkind bis zum Senior – das sehen wir in unserem Aufgabengebiet.“

Die Nacktheit soll nicht provozieren

Seit fast hundert Jahren zelebriert der Sportbund Helios nun schon einen textilfreien Lebensstil. „Das ist eine stolze Zahl“, bekräftigt Peter Widmann – und eine Bestärkung für die Philosophie des Vereins. So versuche man bei Helios den Sport, das Familienleben, die Generationen und die Natur miteinander zu verbinden. „Ohne Zwang“, so Widmann. „Hier können Kinder die Natur kennen- und schätzenlernen.“ Hier bekomme man die Chance, einem Rehbock, den Eisvogel und verschiedene Spechtarten zu sehen. „Ab und an begegnet dir auch der Bieber am Teich“, so der Vereinsvorsitzende weiter. Hier herrscht Natur pur. Seit 95 Jahren.

Am kommenden Samstag, 12. August, wird das gefeiert: „Wir wollen unseren Gästen ein Fest bieten“, bekräftigt Widmann. 250 Besucher werden erwartet. „Deshalb wird Textilzwang herrschen“, sagt der Vorsitzende. Der Grund? „Um niemanden mit Nacktheit zu provozieren.“ Zugehen wird es dennoch bunt. Und sportlich. Denn parallel zu den Feierlichkeiten findet das vierte Schwabenturnier im Pétanque – dem Leitsport des Naturistenverbunds – statt. Indes sorgt die Blaskapelle Die Kissinger für Stimmung im Festzelt.

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