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Essen in Mering

24.07.2018

Anita Würmseer machte vegan kochen zu ihrem Beruf

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Anita Würmseer.
Bild: Heike Scherer

Anita Würmseer aus Mering stand mit Mitte 20 vor der Frührente. Durch Ernährung ohne tierische Produkte wurde sie gesund – und gründete ihren Catering-Service.

Nudeln mit Bolognese sind ein beliebtes Gericht. Aber muss denn immer Fleisch in der Soße sein? Dass vegane Bolognese genauso lecker schmecken kann, zeigt die 26-jährige Anita Würmseer mit ihrem selbst kreierten Rezept. Statt Hackfleisch verwendet sie Linsen, den Parmesan stellt sie aus Cashewnüssen her. „Vegan ist ein Lebensgefühl und eine Möglichkeit, Genuss neu zu entdecken und etwas Gutes für sich und die Umwelt zu tun“, verrät die Köchin, die einen veganen Catering-Dienst gegründet hat. Ihre Firma ist nach einem Jahr so gefragt, dass sie davon ihren Lebensunterhalt bestreiten kann.

Das Interesse am Kochen war ihr in die Wiege gelegt, weil ihr Vater, der als Küchenchef arbeitete, zu Hause immer wieder neue Gerichte ausprobierte. Trotzdem fand sie erst auf Umwegen zu ihrer Berufung: 2012 erfuhr Würmseer, die eine Ausbildung als IT-Systemkauffrau absolvierte, dass sie einen gutartigen Hirntumor hatte. Nach ihrem Abschluss ging sie 2015 drei Monate nach Südafrika zu einer Cousine und kochte dort täglich für die große Familie. „Aus dem Garten und auf den Farmer-Märkten erhielt ich viel Gemüse und meine Kreativität war gefragt“, erzählt sie.

 Sie bereitete Gemüsepfannen mit Kohl, Kartoffeln und Spinat und Chutneys aus Mango, Rosinen, Chili, Äpfeln und Zwiebeln, aber auch Linsenbratlinge zu. Dazu gab es Salate, denen sie Früchte wie Äpfel, Grapefruit, Pfirsiche oder Trauben hinzufügte. In dieser Zeit gab es nur wenig Fleisch, sodass sie oft vegan kochte.

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„Ich wollte unbedingt wieder gesund werden“

Eine Freundin hatte ihr dazu geraten, Milch- und Fleischprodukte, die ihr Krankheitsbild verstärken könnten, zu meiden. „Ich war sehr jung und wollte unbedingt wieder gesund werden. Außerdem beschäftigte mich schon länger das Leid der Tiere in der Massentierhaltung“, berichtet sie. Schon bald merkte sie eine Veränderung: Sie war viel wacher und konnte acht Stunden am Stück durchhalten.

Nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland begann sie bei einem Caterer für Prominente zu kochen. Da sie wieder tierische Produkte zu sich nahm, merkte sie bald gesundheitliche Verschlechterung: Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden und Hormonschwankungen traten auf, ihre Blutwerte waren schlecht. Sie konnte nicht mehr arbeiten, wurde arbeitslos und sollte verrentet werden.

Da setzte sie die Medikamente ab und begann vegan zu leben. Sie überlegte, wie es weitergehen könnte. „Du kochst mit so viel Liebe, mach das doch zu deinem Beruf“, schlug ihr Freund Simon Keller vor. Er unterstützt sie mittlerweile bei Planung und Buchführung. 2017 erhielt Würmseer mit ihrem Catering-Service Veganani ihren ersten Auftrag von Paarkult und der Stadeluni Unterbergen. Es war eine zweitägige Veranstaltung. „Ich bereitete Hanf-Tabouleh mit Curry zu, das sehr gut wegging. Am zweiten Tag gab es Paprikageschnetzeltes mit Reis“, erzählt sie.

Veganes Gulasch und Geschnetzeltes

Inzwischen bereitet Würmseer Büffets vor für Firmenfeiern, Hochzeiten, Geburtstage, bietet aber auch Showkochkurse an. Die Leute seien oft erstaunt, dass veganes Essen so gut schmecken kann. Die Kunden schätzen vegane Kässpätzle, Karottenlachs, Nussbraten, Gulasch oder Geschnetzeltes aus Soja oder Lupinen. Als Dessert bestellen sie weiße oder dunkle Mousse au Chocolat, Kuchen, Pfannkuchen oder Kaiserschmarren.

Seit April 2018 schreibt Würmseer außerdem Rezepte für die Food-Plattform „Seven Cooks“ in Gersthofen. Diese Arbeit regte ihre Kreativität wieder an. Oft wache sie mit neuen Ideen auf, erzählt sie. Anstatt Milch verwendet sie Reis-, Mandel- oder Hafermilch. Ein Ei lasse sich gut durch zerdrückte Banane, Apfelmus, Soja- oder Kichererbsenmehl ersetzen. Statt Fleisch nimmt sie Sojageschnetzeltes, Linsen, Sonnenblumenhack oder Jackfruit.

Auch wenn der Tagesablauf nicht planbar ist und sie oft noch abends Aufträge ausführt, liebt sie ihre neue Aufgabe. Bei Reisen nach Italien oder Bosnien, der Heimat ihrer Mutter, sammelte sie viele Erfahrungen. „Vegan ist die gesündeste Ernährungsform. Sogar Fußballer des FCA ernähren sich auf diese Weise“, weiß sie.

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