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Friedberg

06.03.2013

Beim Märchenlernen wird sie zur Zauberin

Die Friedbergerin Brigitte Bollinger kann viele Märchen nicht nur der Brüder Grimm erzählen.
Bild: Andreas Schmidt

Die Erzählerin Brigitte Bollinger kann sogar der Pechmarie etwas Positives abgewinnen

Von Andreas Schmidt

Friedberg Frau Holle begleitet Brigitte Bollinger seit Kindertagen. Eine Tante hat dem Mädchen das Märchen zum Einschlafen vorgelesen. Längst trägt die inzwischen 50-Jährige selber die Geschichte von Goldmarie und Pechmarie frei vor – ebenso wie etwa 50 andere Märchen sowohl der Brüder Grimm, als auch aus Irland, Arabien, Indien und Erzählungen mit jüdischem Witz. Das hat sich im Laufe von über zehn Jahren herumgesprochen. Durchschnittlich jede Woche einmal ist Märchenstunde mit der Friedbergerin für Kinder ebenso wie für Erwachsene. So auch am  Donnerstag, 7. März, ab 19.30 Uhr in der Friedberger Buchhandlung "lesenswert!", Ludwigstraße 39, zusammen mit dem Gitarristen Ali Sanli Hizal.

Es war die eigene mittlerweile 18-jährige Tochter, die Brigitte Bollinger wieder mit Märchen in Verbindung gebracht hat. Für die damalige Schülerin lernte die Mutter "Hans mein Igel" auswendig. Ihr Interesse war wieder geweckt. So nahm die gelernte Bankkauffrau an zwei Wochenenden an einem Erzählkurs der Europäischen Märchengesellschaft teil. Die Seminarleiterin ermunterte Brigitte Bollinger. Sie habe die richtige beruhigend wirkende Stimme für eine Märchenerzählerin. Ihrer Ansicht nach zunächst zu beruhigend: Bei privaten Vorträgen zu Hause schlief ihr Mann regelmäßig ein. Brigitte Bollinger wollte lebhafter erzählen. Auch mithilfe einer Erzählakademie glaubt sie, die richtige Mischung gefunden zu haben.

Beim Märchenlernen wird sie zur Zauberin

Ihr erster öffentlicher Auftritt bei einem Familien-Wochenende einer Augsburger Pfarrei kam gut an. Der Name der Märchenerzählerin machte die Runde. Mittlerweile ist sie in vielen Restaurants, Cafés, Seniorenheimen, Schulen, Kindergärten in der Region und darüber hinaus aufgetreten. Die Friedbergerin hat auch schon ein Fest rund um Frau Holle gestaltet.

Damit es für Brigitte Bollinger selber reizvoll bleibt, lernt sie immer wieder zusätzliche Märchen dazu, die sie in Büchern oder im Internet findet. Sie braucht einige Wochen, bis ein Text wirklich sitzt. Dazu schlüpft die Friedbergerin auch in Rollen von Märchenfiguren. Dann denkt sie sich beispielsweise auch gerne hinein in die Zauberin bei Rapunzel oder in Hexen. Brigitte Bollinger gefällt an Märchen, dass sie nicht belehren, sondern es jedem selber überlassen bleibt, was er für sich rauszieht. Wichtig ist ihr, dass es positiv oder tröstlich endet. Das gilt aus ihrer Sicht selbst für die Pechmarie: "Wer sich seinen Aufgaben nicht stellt, wird nicht belohnt."

Und wie viele Märchenfiguren wünscht sich die Friedbergerin etwas: Nämlich, dass Eltern ihren Kindern wieder mehr Märchen erzählen. Brigitte Bollinger ist überzeugt davon, dass die Fantasie verkümmert, wenn die Kleinen beispielsweise Frau Holle nur aus dem Fernsehen oder Bilderbuch kennen.

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