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07.11.2017

Ein Turnzirkus zum Jubiläum

Spaß und Sport verbinden Tanja Keim (vorne) und ihre Gruppe.
Bild: Peter Stöbich

Die KSC-Abteilung feiert erst mit Verspätung. Im Alltag würden sich die Aktiven mehr Freiwillige wünschen

„Solange ich mich fit fühle, mache ich weiter“, sagt Inge Wurscher, die vor einem halben Jahrhundert die Abteilung „Turnen und Gymnastik“ im Kissinger Sportclub (KSC) mit 15 weiteren Damen ins Leben gerufen hat. Als Übungsleiterin brachte sie ganze Generationen in Bewegung und ist auch heute mit 77 Jahren noch aktiv: „Viermal in der Woche mache ich Sport“, erzählt sie, „Pilates, Bodystyling, Energiegymnastik und Laufen.“

Eine von unzähligen Schülerinnen, die unter Wurschers und Annelies Gaiers Anleitung geturnt haben, ist die stellvertretende Abteilungs- und langjährige Übungsleiterin Sylvia Schraml; mit ihrer 18-jährigen Tochter Martina ist schon die nächste Generation am Start. Gern hätten die knapp Tausend Mitglieder das 50-jährige Bestehen im Jubiläumsjahr gefeiert. Das Fest muss aber wegen der geplanten Paartalhallen-Sanierung auf kommendes Frühjahr verschoben werden.

„Mit mehr als 300 Mitgliedern waren wir 1971 bereits die größte Abteilung im KSC“, erinnert sich Schraml. Fünf Jahre später gab es erste überregionale Wettkämpfe und öffentliche Auftritte. Die Aufbauarbeit, Anschaffungen, das Plakatekleben und Schneiden von Musikkassetten zahlte sich aus: Anfang der 1990er-Jahre gab es 15 Übungsleiter für 900 Mitglieder sowie die erste Ausrichtung des Gau-Kinderturnens in Kissing. Heute wird nicht mehr rhythmisch aufs Tamburin geklopft, sondern es gibt CD-Musik jeder Stilrichtung. Zum Beispiel macht Peter Kent das Motto der Abteilung hörbar, wenn er feststellt: „It’s a real good feeling!“ Von Aerobic, Qigong und Yoga reicht das Angebot bis zur Reha-Gymnastik, das inzwischen auch Männer gern annehmen. Für Kinder gibt es eigene Akrobatik-, Tanz-, Turn- und Wettkampfgruppen. Einblick in ihre sportliche Arbeit geben die Mitglieder jedes Jahr beim Brunnenfest vor dem Rathaus oder einer eigenen Turnschau.

„Bis die anfangs oft belächelte Hausfrauengymnastik ernst genommen wurde, hat es einige Jahre gedauert“, sagt Sylvia Schraml, die auch Kritik übt: „Bei der Planung der Paartalhalle wurden keine turnerischen Bedürfnisse berücksichtigt wie Seile, Sprossenwände oder ausreichende Geräteräume. Sogar der Gymnastikraum im Anbau, der das in die Jahre gekommene KSC-Heim am alten Fußballplatz ersetzen sollte, ist nicht wirklich zweckmäßig konzipiert. Wir versuchen aber das Beste daraus zu machen.“

Mit Margit Staffler und Sieglinde Heim gehört Schraml zu den dienstältesten aktiven Übungsleiterinnen seit 1988. Seit damals habe sich die Einstellung vor allem bei jungen Leuten geändert, stellt sie fest: „Das Interesse an einem Verein ist heute nur noch eines unter vielen; die WhatsApp-Generation muss sich nicht einmal mehr persönlich verabschieden und kündigen.“

Grundsätzlich sei ehrenamtliche Arbeit immer weniger gefragt, sei es auf einem Vorstandsposten oder als Helfer zum Geräteauf- und -abbau beim Kinderturnen. Notgedrungen musste Schraml auch die Aufgabe als Schriftführerin übernehmen und sucht dringend Verstärkung bei Tanztrainern und Übungsleitern. „Denn es wird immer schwieriger, mit unzähligen anderen Freizeitangeboten zu konkurrieren und Personal für vorgegebene Zeitfenster zu finden!“ Dazu kommt im Jubiläumsjahr ein weiteres Problem: „Alle Raumkapazitäten in Kissing sind ausgeschöpft, was uns im Hinblick auf die Wünsche unserer Mitglieder total unflexibel macht“, berichtet Schraml. „Wir bieten jede Woche 27 Stunden für Erwachsene und 25 für Kinder an, haben aber zu wenig Platz, weil geeignete Räume häufig durch andere Anbieter wie die Volkshochschule belegt sind, die zudem dieselben Angebote machen wie wir.“

Alle Vorstöße bei Bürgermeister Manfred Wolf, um die Situation vor allem für die älteren Mitglieder zu verbessern, seien bisher fruchtlos geblieben: „Wir werden immer nur von einem Vhs-Programm zum nächsten vertröstet und passieren tut nichts“, meint Tanja Keim, die 1994 die Funktionsgymnastik übernahm. Trotzdem will die Abteilungsleitung nicht resignieren und im nächsten halben Jahr mit Unterstützung ihrer Mitglieder ein tolles Jubiläumsprogramm vorbereiten; es wird Ende April 2018 unter dem Motto „Turnzirkus“ in der Paartalhalle zu sehen sein.

Gerade mit der Paartalhalle habe der KSC zusätzlichen Platz bekommen, sagte Bürgermeister Manfred Wolf auf Anfrage unserer Zeitung. Er könne die Klagen der Turner nicht nachvollziehen: „Der Verein kann Räume der Gemeinde sehr kostengünstig nutzen und sich im Vergleich zu anderen Orten glücklich schätzen!“

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