Newsticker

Spanien verhängt erneut Notstand und Ausgangssperre
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Freie Fahrt ins Unbehagen

Verkehr

11.02.2015

Freie Fahrt ins Unbehagen

Der Stadtrat diskutiert morgen über die Erfahrungen mit der temporären Fußgängerzone.

Zufrieden waren die Friedberger mit der neu gestalteten Ludwigstraße nie. Doch wie soll die Politik darauf reagieren?

Den Durchgangsverkehr vermeiden und dennoch die Erreichbarkeit der Innenstadt erhalten – diese beiden Ziele lassen sich nur schwer miteinander vereinbaren. Zu diesem Ergebnis kommt die Stadtverwaltung bei der Analyse der temporären Fußgängerzone vom vergangenen Sommer. Wie also soll es weitergehen? Darüber diskutiert der Friedberger Stadtrat in seiner Sitzung am morgigen Donnerstag (19 Uhr, Rathaussaal). Mehrere Vorschläge liegen dazu inzwischen auf dem Tisch (siehe Infokasten).

Seit die neu gestaltete Ludwigstraße im Herbst 2008 eingeweiht wurde, gibt es einige Klagen: Viele Pkw-Fahrer missachten die Halteverbote und parken teilweise auf den Gehwegen, die nicht mehr durch Bordsteine von der Straße getrennt sind. Über 6000 Fahrzeuge sind täglich hier unterwegs – oft nur um die kürzeste Achse durch die Innenstadt zu nutzen. Zwar lehnten zwei Drittel der Friedberger 2009 bei einem von den Grünen initiierten Bürgerentscheid die Fußgängerzone ab, doch das Unbehagen blieb. Eine repräsentative Umfrage unserer Zeitung fiel im Jahr 2012 eindeutig aus: Von 1294 befragten Personen beurteilt mehr als die Hälfte die Situation in der Ludwigstraße als schlecht.

Auch der Stadtrat war sich darum im vergangenen Jahr einig, dass das Konzept eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs, in dem vom Fußgänger bis zum Lieferwagen alle gleichberechtigt sind, gescheitert ist. Einmütig sprachen sich die Kommunalpolitiker darum im Juni für den Probebetrieb einer Fußgängerzone zwischen Bahnhofstraße und Haagstraße aus. Jeweils am Freitag und Samstag war dieser Abschnitt für den Autoverkehr gesperrt – mit teilweise gravierenden Folgen. In den schmalen Seitenstraßen verdoppelte sich die Zahl der Fahrzeuge nahezu, deren Lenker sich ihren Weg von einem Ende der Innenstadt zum anderen bahnten. Verschiedene Einzelhändler beklagten einen dramatischen Umsatzeinbruch. Hinweisschilder und Sperrbaken an der Zufahrt zur Innenstadt hatten offenbar viele Kunden abgeschreckt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Allerdings ergab eine Umfrage der SPD, dass die Sperrung auch viele Befürworter hat. 48 von 109 Personen, die den ausgefüllten Fragebogen zurückgaben, finden die Sperrung erfolgreich, weitere 32 halten Anpassungen für nötig, etwa eine Ausweitung des zeitlichen und räumlichen Geltungsbereichs und eine Durchfahrtsmöglichkeit für den Linienbus. 19 Personen glauben, dass der Versuch keinen Erkenntnisgewinn gebracht hat, und 18 finden, dass der alte Zustand passt. Wie kontrovers die Debatte ist, spiegelt auch das Stimmungsbild in den Zuschriften an unsere Zeitung wider. Die Reaktionen reichen von begeisterter Zustimmung bis zu blanker Ablehnung für die Haltung von Bürgermeister Roland Eichmann, neue Versuche zur Verkehrsberuhigung vorzunehmen.

Der Friedberger Einzelhandel verfolgt die Debatte mit großem Interesse. „Wir werden da sein“, kündigt Petra Gerber, die Geschäftsführerin der Werbegemeinschaft Aktiv-Ring, für die Stadtratsitzung am Donnerstag an. Zwar wollen sich die Mitglieder erst bei ihrem nächsten Treffen Ende Februar wieder mit dem Thema Ludwigstraße beschäftigen. Doch für Gerber steht fest: Bevor wieder alles dicht gemacht wird, versucht man es lieber mit einer Einbahnregelung.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren