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Konzert

02.10.2019

Musikalische Stunde macht Lust auf altes Liedgut

Frisch, fröhlich und frech präsentierte das Dreierquartett zusammen mit Märchenerzähler Dietmar Schneider (rechts) klassische Volkslieder einmal anders, auch mit Kunstwerken untermalt.
Bild: Heike John

Das Dreierquartett präsentiert im Merchinger Pfarrsaal Volkslieder und Märchen einmal anders

Volkslieder sind kein alter Hut, dies führten Gisela Listl, Karin Johannes und Christoph Seidel bei ihrem Konzert als Dreierquartett unterhaltsam vor Augen. Tatsächlich war die musikalische Stunde im Merchinger Pfarrsaal nicht nur ein Hörgenuss, sondern auch erfrischend wohltuend anzusehen. Denn die Lust am Singen nimmt man dem Trio, das mit der Gitarre von Christoph Seidel zum Quartett wird, sofort ab. „Schade, dass wir uns mit den klassischen Volksliedern inzwischen so schwertun im Gegensatz zu unseren Nachbarn“, finden sie.

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Allen drei Sängern, die sich im Meringer Liederkranz kennenlernten, ist das traditionelle Liedgut eine Herzensangelegenheit. Bekannte Lieder wie „Alle Vögel sind schon da“, „Es klappert die Mühle“ oder „Am Brunnen vor dem Tore“ wurden dreistimmig vorgetragen, mal mit Gitarre, mal a cappella, und in ihren Variationen dem Stimmungsbild angepasst. Bei der Vogelhochzeit erhält der Auerhahn als Herr Kaplan eine sehr tiefe Stimme, die Eule mit Geheule lässt die Sängerinnen auch das Taschentuch zücken.

Überhaupt ging es vor den Augen des Publikums äußerst lebendig zu. Da wurde getanzt und sich gedreht und schon allein die passend zum Lied wechselnden Mienen des Trios ließen keinen Zweifel daran, wie leidenschaftlich die Sänger ihre Botschaft vom wertvollen Kulturgut Volkslied rüberbringen wollen. Dass ihnen dies vollends gelang, daran hatte auch Dietmar Schneider Anteil. Denn er war nicht nur Moderator des Liederabends, sondern brachte zwischen den einzelnen Liedblöcken das Publikum auf seine Art zum Schmunzeln. Er widmete sich dem Märchen, das wie das Volkslied zum traditionellen bewahrenswerten Schatz einer Nation gehört. Rotkäppchen stand auf dem Programm, und um den Liederabend aufzulockern, erzählte der Kissinger drei Varianten der traditionellen Vorlage. Genauer gesagt performte er sie. Rotkäppchen beispielsweise finde er beim Besuch der Großmutter im Wald aus ihrer Sicht gar nicht so besonders prickelnd. Knochentrocken wirkt sie, wenn im Protokollbericht in Amtsdeutsch eine aktenkundige Minderjährige auf einen polizeilich nicht gemeldeten Wolf ohne festen Wohnsitz trifft. Dazu trug Schneider eine Polizistenmütze. Im Slang der Jugend klingt Rotkäppchen dann so: „Ne krass’ Tuss mit pervers roter Wollmütze, Alder ich schwör.“ Mit Kapuzenpulli und Glimmstängel in der Hand hatte der „Märchenerzähler“ die Lacher auf seiner Seite.

So wurde aus einem Volksliedvortrag, den vermutlich jeder Jugendliche mit hochgezogenen Augenbrauen quittieren würde, ein äußerst unterhaltsamer Abend. Aber nun ja, „die Geda-, die Geda-, die Gedanken“ sind schließlich frei. Dieses als Rapp vorgetragene Lied war titelgebend für den Abend. Zum Lied „Als wir jüngst in Regensburg waren, sind wir über den Strudel gefahren“ gab es eine multimediale Einlage. Passend zu den einzelnen Versen hatte Karin Johannes mit ihrem Mann Kunstwerke ausgesucht, die um die vielen Holden und die schwäbischen und bayerischen Dirndln, die mitfahren wollten, ergänzt wurden. Über das gesangliche Niveau zeigte sich Marina Osipova, die einstige Gesangslehrerin von Gisela Listl und Karin Johannes, begeistert. Zum Abschluss gab es die Vogelhochzeit mit einem fröhlichen Fidirallala. Das begeisterte Publikum forderte Zugaben.

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