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Mering

12.02.2020

Rettung für Kassettenrekorder und Co. beim Repair-Café in Mering

Simon und Samuel Ripsam beobachteten zusammen mit ihrer Mutter Sandra genau, welche Handgriffe Bernhard Siegel an ihrem defekten DVD-Recorder machte.
Bild: Heike John

Beim ersten Repair-Café der UWG in Mering kommen viele Bürger, um ihre Lieblingsstücke reparieren zu lassen. Das Engagement hat auch einen sozialen Aspekt.

Was tun, wenn das Bügeleisen plötzlich nicht mehr funktioniert oder die Bohrmaschine den Geist aufgibt? Wenn man nicht selbst ein wenig handwerkliches Geschick an den Tag legt, bleibt meist nur noch die Nachfrage im Fachhandel, und dort heißt es nicht selten: „Das lohnt sich nicht mehr zu reparieren, kaufen Sie sich lieber ein neues Gerät.“ Am Sonntagnachmittag hatten die Meringer Gelegenheit, ihre defekten Geräte und sonstigen Dinge mit Macken zum Repair- Café mitzubringen. Im Filmsaal des Papst-Johannes-Hauses bot die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) für drei Stunden die Gelegenheit, gemeinsam zu schrauben, leimen, basteln und nähen.

„Als Neulinge haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, mehr zu handeln statt zu reden. Und so haben wir uns gemeinsam überlegt, was denn noch im örtlichen Angebot fehlt und sind auf das Repair-Café gekommen“, erklärte Mathias Stößlein. „Einfach mal machen“ wollte der Bürgermeisterkandidat der Unabhängigen zusammen mit seinen Mitstreitern, größtenteils Listenkandidaten, und der Erfolg gab ihnen recht. Schon vor der Öffnung des Repair-Cafés standen Kunden Schlange, den defekten Staubsauger oder die nicht mehr funktionierende Stehlampe unter den Arm geklemmt.

Zehn Reparaturstationen waren in Mering aufgebaut

Bei Michael Metz und Thomas Rundt war die Anmeldung, und jeder Kunde füllte dort auch eine Haftungsfreistellung aus. „Wir reparieren natürlich alles nach bestem Wissen und Gewissen, aber sind schließlich keine Spezialisten“, erklärte Metz die bürokratische Maßnahme.

Rettung für Kassettenrekorder und Co. beim Repair-Café in Mering

Rund zehn Reparaturstationen waren aufgebaut, und im Nu füllte sich der Filmsaal mit Kundschaft. Michael Krämer reparierte unter anderem ein Fahrrad, bei dem das Schaltauge abgerissen war, und eine Stichsäge mit festgefressenem Sägeblatt. Dann machte sich der Maschinenbauingenieur an den Lampenständer von Nicole Ickert. Nebenan hatte Michael Lerchl Lötkolben, Messklemmen und Dichtungen auf einem Tisch ausgebreitet. „Ich habe schon einen Walkman wieder zum Laufen bekommen, und der Schmiechener Beck kam sogar mit seinen Miniatur-Fendt-Traktoren zum Richten“, erzählte der Handwerksmeister der Elektrotechnik. Thomas Albert war gemeinsam mit seinem „Kunden“ Georg Hoppe über einen Wasserstaubsauger gebeugt. „Irgendwas funktioniert nicht, und wir haben das Ding jetzt mal komplett auseinandergenommen“, erklärte das Reparaturduo. Bei Restauratorin Angela Bonhag kamen eher die Aufträge zum Verleimen an, und sowohl ein altes Spinnrad als auch ein Holzschaukelpferd mit defekten Rollen fand den Weg ins Repair-Café.

Mit vereinter Kraft zogen Angela Bonhag und Christine Maier die eingeklemmte Öse an der Kinderjeans gerade.
Bild: Heike John

„Wir haben nebenan im Musikzimmer auch eine Nähmaschine repariert und einer anderen Kundin gezeigt, wie sie bei ihrer alten Pfaff die Spule einfädelt“, freute sich Bonhag. Gemeinsam mit Christine Maier tüftelte sie dann am Reißverschluss einer Kinderjeans. Unter den Augen der beiden neun- und elfjährigen Brüder Simon und Samuel Ripsam hatte sich Bernhard Siegel den DVD-Spieler der Jungs vorgenommen. „Der Staub ist dran schuld, dass da nichts mehr geht“, erklärte der Wirtschaftsingenieur ihrer Mutter Sandra Ripsam.

Repair-Café: 40 Reparaturen für die Meringer Bürger

Geduldig warteten Elisabeth und Rudolf Singer mit ihrem Radiorekorder, bis sie an der Reihe waren. Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen überbrückten sie die Wartezeit. „Unser Rekorder ist gut 35 Jahre alt, und noch bis letzte Woche habe ich immer beim Kochen Musik gehört“, erklärte Elisabeth Singer. „Jetzt geht er plötzlich nicht mehr.“ Allen Kunden konnte bei ihren Anliegen geholfen werden, und wenn es nur mit einem Tipp war, wie man beispielsweise ein abgerissenes Teil an einem Staubsaugerschlauch verkleben kann. „Wir hatten rund hundert Gästeund etwa 40 Reparaturen vorgenommen“, so verkündete Beatrice Lidl.

Ein weiterer positiver sozialer Aspekt neben der Geselligkeit war auch die Spendeneinnahme von 215 Euro. Diese sind für den Meringer Bienenkorb bestimmt, der in Kürze in die Zettlerstraße umzieht. Weil man im Vorfeld auch die Tafel als Spendenempfänger im Blick hatte, spendet die UWG noch einmal den gleichen Betrag auch dorthin. Auch Vertreter des Meringer Bürgernetzes und vom Bündnis für Nachhaltigkeit waren neugierig, wie das Repair-Café angenommen wird. „Wir hatten in Mering schon lange den Wunsch, so etwas zu realisieren, aber sind letztendlich nie zum Zug gekommen. Die haben es jetzt einfach mal angepackt, und es war ein Erfolg“, konstatierte der Bürgernetz-Vorsitzende Josef Gerner anerkennend. Über die Modalitäten eines künftig regelmäßig stattfindenden Repair-Cafés will sich die UWG noch abstimmen.

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