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Finanzen
01.07.2019

Gesetzlich oder privat versichern - was ist besser?

Private Krankenversicherungen locken mit vermeintlich besseren Leistungen. Aber Interessenten sollten sich vorab gut informieren.
Foto: stock.adobe.com (Symbolbild)

Gerade am Anfang locken private Krankenversicherungen mit niedrigen Beitragssätzen. Doch später kann das ins Geld gehen. Für wen sich welche Versicherung lohnt.

Jung. Ungebunden. Erfolgreich im Job. Wer im Monat mindestens 5062,50 Euro brutto – oder im Jahr 60.750 Euro – verdient, kann sich als Angestellter privat krankenversichern. Günstige Einsteigerprämien und Chefarztbehandlung locken, und der Status als Kassenpatient erscheint alles andere als sexy. Aber: Wer in die private Schiene wechselt, geht in der Regel eine Bindung fürs Leben ein.

Aussteigen, wenn es mit Familie oder im Alter empfindlich teuer wird, ist schwer machbar. „Die Tragweite der Entscheidung ist den meisten jungen Menschen nicht bewusst“, sagt Daniela Hubloher, Expertin der Verbraucherzentrale Hessen. Ein Ja zur Ehe sei leichter zurückzunehmen als die Unterschrift unter den Vertrag für die private Krankenversicherung (PKV).

Für die gesetzliche Versicherung gelten niedrigere Mindestbeiträge

Soll ich? Leicht zu entscheiden ist die Frage nur für Beamte. Sie kommt die private Krankenversicherung meist deutlich günstiger als die gesetzliche (GKV). Das liegt an der Beihilfe, mit der sich der Dienstherr zu 50 bis 70 Prozent an den Krankheitskosten beteiligt, auch für die Familie, und die sich im Pensionsalter auf 70 Prozent erhöht. Schwieriger ist die Entscheidung für Selbstständige. Auch ihnen steht die private Schiene offen, unabhängig vom Einkommen. Doch sie müssen sowohl im aktiven Berufsleben als auch im Rentenalter alles selbst zahlen.

Deshalb kann es sich für sie lohnen, trotz der anfänglich höheren Beiträge in der gesetzlichen Kasse zu sein. Seit diesem Jahr gelten für die GKV niedrigere Mindestbeiträge. Angestellte, die die Versicherungspflichtgrenze überspringen, müssen ebenfalls in die Zukunft schauen. Für sie zahlt der Arbeitgeber die Hälfte des Beitrags, egal ob sie privat oder gesetzlich versichert sind. Im Rentenalter erhalten sie auf Antrag einen Zuschuss vom Rentenversicherungsträger. Der deckt jedoch nicht mehr die Hälfte des dann zu zahlenden Beitrags ab, sondern nur die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes der GKV, derzeit 7,3 Prozent der Rente.

Daslockt Junge Gutverdiener sparen Monat für Monat bestenfalls einige hundert Euro, wenn sie sich für die private Krankenversicherung entscheiden. Niedrige Anfangsbeiträge machen den Abschied von der gesetzlichen Kasse durchaus attraktiv, wie Bastian Landorff, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Bayern, erklärt. Weil Ärzten mehr Honorar für die Behandlung von Privatpatienten zusteht, bekommen diese in der Regel schneller einen Untersuchungstermin. Auch bei den Leistungen sind viele Private stark, wie Hubloher erklärt.

So gebe es neben der Chefarztbehandlung eine größere Bandbreite bei Behandlungen im ambulanten Bereich, bei alternativen Heilverfahren, Heilpraktikern und Behandlungsmethoden. Pluspunkte sind auch die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer auf Privatstationen sowie hochwertiger Zahnersatz. Aber: Einen pauschalen Anspruch auf Luxusbehandlung gibt es nicht. Wer es als Privatpatient besser haben will als in der Kasse, darf bei der Tarifwahl nicht bei den Leistungen sparen. Im Krankheitsfall die Lücken nachträglich zu schließen, ist nicht möglich.

Für Privatpatienten gibt es Erste-Klasse-Medizin

Dasspricht gegen die Privaten Zur PKV wechseln, um zu sparen, wird langfristig nicht funktionieren. Was günstig anfängt, wird im Lauf der Jahre deutlich teurer. „Experten gehen von einer Verdoppelung der Beiträge alle 10 bis 12 Jahre aus“, gibt Hubloher zu bedenken. Die Zahlungen bleiben hoch, auch wenn das Einkommen im Alter sinkt. Vor allem Rentner haben oft Probleme, ihre Prämien von 600, 800 Euro und mehr im Monat zu stemmen. Wer als pflichtversicherter Ruheständler in der Gesetzlichen ist, zahlt dagegen einkommensabhängig – also weniger.

Dazu kommt: Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse ist ab einem Alter von 55 Jahren nahezu unmöglich. Aber schon nach Hochzeit und Familiengründung dämmert vielen Privatpatienten, dass die Absicherung schwer ins Geld geht. Denn: In der PKV gibt es keine kostenlose Mitversicherung von Kindern und Ehe- oder Lebenspartnern. Jeder braucht einen Vertrag und zahlt extra. Laut Stiftung Warentest ist pro Erwachsenem mit mindestens 500 und pro Kind mit etwa 150 Euro monatlich zu rechnen. „Man muss bei der Entscheidung für eine private Absicherung immer den ganzen Lebensweg im Blick haben“, rät Hubloher.

Hierkann die gesetzliche Kasse punkten Die Absicherung als Privatpatient gilt häufig als Erste-Klasse-Medizin. Doch nicht alle Leistungen der Privaten sind automatisch besser, gibt Landorff zu bedenken. Beispiel Psychotherapie oder häusliche Krankenpflege: Viele ältere PKV-Tarife sind in diesen Bereichen schlechter aufgestellt als Gesetzliche. Die GKV biete ihren Versicherten zudem mehr Kur- oder Rehaleistungen an, betont Hubloher.

Für Kassenpatienten seien Mutter- sowie Vater-Kind-Kuren, Ernährungsberatung oder Anti-Stress-Kurse von großem Vorteil. Auch für Rentner oder pflegende Angehörige sind Reha-Maßnahmen jederzeit möglich. Extra-Plus: Schwangeren zahlen die Kassen Mutterschaftsgeld sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung. Eltern bekommen Kinderkrankengeld, wenn ihr Kind erkrankt und sie nicht arbeiten können. Privatversicherte gehen leer aus. Wer sich für die gesetzliche Kasse entscheidet, kann sich ein Mehr an Leistungen – etwa beim Zahnersatz oder im Krankenhaus – jederzeit mit privaten Zusatzversicherungen sichern.

Neukunden ab Mitte 40 sollten nicht mehr zu privaten Kassen wechseln

Dasist zu beachten Generell von einem Wechsel in das private System abzuraten ist Neukunden ab Mitte 40, so Hubloher. Wer so spät einsteigt, muss mit enormen Beitragssprüngen im Rentenalter rechnen, weil er zu wenig Altersrückstellungen bilden konnte. Gegen einen Wechsel sprechen auch Vorerkrankungen. Bei Diagnosen wie Diabetes, Krebs oder psychischen Erkrankungen ist es sehr wahrscheinlich, dass der Versicherer Interessenten ablehnt. Bei Rückenproblemen können Risikozuschläge die Prämie stark verteuern.

Das Ja zur Privaten muss immer sehr gut abgewogen werden. „Wer nicht sicher ist, stets die Beiträge zahlen zu können, sollte nicht in die Private gehen“, sagt Hubloher. Die Verbraucherzentralen beraten Wechselwillige gegen Gebühr. Sie helfen auch bei der Wahl eines optimalen Versicherungstarifs oder einer leistungsstarken Krankenkasse.

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