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Haustiere
21.09.2020

Erziehung von Katzen: Was tun, wenn sie nur aus der Hand frisst?

Manche Katzen gewöhnen sich daran, von Hand gefüttert zu werden.
Foto: Foto: Africa Studio, stock.adobe.com

Wollen Katzen Aufmerksamkeit, treten sie mitunter sogar in einen Hungerstreik. Doch der Mensch muss diese Erpressung nicht hinnehmen.

Dass Katzen und ihre Futtervorlieben eine Wissenschaft für sich sind, davon können viele Katzenfreunde ein Lied singen. Viele Katzen sind extrem wählerisch. Doch zu diesen mäkeligen Miezen gibt es noch eine Steigerung: Es sind die Aufmerksamkeitsfresser.

Ein typischer Aufmerksamkeitsfresser ist Kater Momo. Sobald seine Besitzerin ihm den frisch gefüllten Futternapf serviert, setzt er sich vor sein aromatisches Süppchen hin und beobachtet nur noch die junge Frau. Verlässt sie den Raum, legt er sich gleich auf seinen Lieblingsplatz vor dem Fenster. Setzt sie sich auf das Sofa, schnuppert er provokant an seinem Futter und geht dann zu seinem Lieblingsplatz. Erst, wenn sich Momos Besitzerin selbst neben den Fressnapf hockt, bleibt auch er dort sitzen.

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Mit dem Fressen fängt er aber noch längst nicht an. Er schaut das Fleisch an, blickt dann zu seiner Menschenmama und wieder zum Futter. So geht es hin und her. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem es Momos Besitzerin zu bunt wird. Sie greift in den Napf, nimmt ein Fleischstück heraus und reicht es Momo mit der Hand. Jetzt ist es dem Herrn Kater genehm, endlich frisst er etwas. Mittlerweile ist die Sache so weit fortgeschritten, dass Momo absolut nichts mehr frisst, wenn es ihm nicht per Hand serviert wird. Seine Besitzerin ist latent genervt, weiß sich aber keinen Rat mehr. Katzen, die sich wie Momo oder ähnlich aufführen, sind gar nicht so selten. Nicht alle speisen direkt aus der Hand, aber viele bestehen darauf, dass der Besitzer zumindest danebensteht und sie während des Fressens bestaunt.

Was tun, wenn die Katze nur aus der Hand frisst?

Bei allen diesen Verhaltensweisen handelt es sich nicht um eine Verhaltensstörung, sondern um ein aufmerksamkeitsforderndes Verhalten. Mit ihrer unerbittlichen und ausdauernden Art schafft es die Katze, ihren Wunsch nach Aufmerksamkeit durchzusetzen.

Bei Momo war der Anfang sehr speziell: Weil er nach einer Rauferei einige Verletzungen hatte, musste er mehrere Tage beim Tierarzt zubringen. Dort wollte er nichts fressen. Das machte seiner Betreuerin Sorgen, denn Katzen vertragen das Fasten schlecht. Also entschied sie sich, Momo mit der Hand zu füttern – ein hervorragender Trick, wenn kranke oder appetitlose Katzen nichts zu sich nehmen wollen. In diesem Fall gefiel das dem Kater so gut, dass er nach seiner Entlassung nicht mehr darauf verzichten wollte. Inzwischen hat es den Anschein, er würde lieber vor dem vollen Napf verhungern als sich selbst einen Bissen zu nehmen.

Daran ist zu erkennen: In den allermeisten Fällen wird ein aufmerksamkeitsforderndes Verhalten von uns Menschen ausgelöst. Und in den allermeisten Fällen geben wir Menschen den Wünschen der Katze auch nach. Streicheln, Futter, ins Freie hinaus – die Katze macht sich mit ihrem Wunsch bemerkbar, der Besitzer reagiert. Wenn man aber wie in Momos Fall nicht endlos viel Zeit mit der Fütterungsprozedur verbringen kann, braucht es eine Lösung. Und diese Lösung braucht höchste Disziplin des Menschen, denn das Fatale an der Situation: Bleibt man einmal konsequent und beim nächsten Mal nicht, wird das Verhalten zusätzlich immer weiter verstärkt und die Therapie damit immer schwieriger.

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Den Protest der Katze ignorieren 

„Ignorieren“ ist das Stichwort. Und das ist hart, denn kaum ein Tierbesitzer kann es ertragen, wenn sein Liebling nichts frisst. In Momos Fall könnte anfangs sogar alles noch schlimmer werden. Weil sein Wunsch, aus der Hand gefüttert zu werden, nicht mehr erfüllt wird, könnte er sich weitere Tricks ausdenken und beispielsweise anfangen zu miauen, vielleicht regelrecht zu schreien. Da muss man als Mensch durch. Gleichzeitig sollte das angebotene Futter besonders interessant gemacht werden, zum Beispiel mit Suppe oder Fisch. Wenn Momo dann erstmals etwas von allein aus dem Napf nimmt, darf er kräftig gestreichelt und gelobt werden.

Zur Autorin: Tanja Warter ist Tierärztin. Seit zehn Jahren verknüpft sie die Leidenschaft für die Tiermedizin mit dem Spaß am Schreiben.

Mehr hilfreiche Informationen finden Sie hier in unserem Ratgeber zum Thema Haustiere.

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