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Uni und FH
24.10.2019

Bafög beantragen und Co: Was Studenten jetzt erledigen sollten

Das erstmalige Ausfüllen des Bafög-Antrages kostet viel Zeit. Drei bis vier Stunden müssen investiert werden, sagt der Experte.
Foto: AdobeStock

Wer Bafög beantragen will, muss sich beeilen. Denn jeder Monat bedeutet bares Geld. Ein Experte erklärt, was für Studenten jetzt zu Semesterbeginn wichtig ist.

Zum Studienbeginn ist viel Papierkram zu erledigen: Womit fange ich an? Und was kann warten?

Marius Ziegenbein: Wer jetzt sein Studium beginnt und für Oktober noch Bafög erhalten will, muss bis 31. Oktober seinen Antrag eingereicht haben. Andernfalls wird für Oktober keine Förderung gezahlt. Das Bafög-Amt braucht bis zu vier Monate, bis der Antrag bearbeitet ist. Es gibt natürlich Ausnahmen und Härtefälle, bei denen die Bearbeitung noch länger dauern kann. Bafög gibt es frühestens ab dem Monat, in dem der Antrag gestellt wurde. Zügig abschließen sollte man auch einen Mietvertrag. Ich war selbst lange Pendler. Das hat mich in meinen ersten beiden Semestern jeden Tag drei Stunden Zeit gekostet, die mir für das Lernen gefehlt haben. Was in der Regel warten kann, ist eine eigene Kranken- und Pflegeversicherung, da man als Student meistens erst mal bei den Eltern mitversichert bleibt. Auch die Steuererklärung ist erst zum Jahresende fällig. Notfalls kann ich sie nachreichen.

Lohnt sich der Stress mit dem Bafög-Antrag, wenn vielleicht nur ein kleiner Betrag rauskommt?

Ziegenbein: Auf jeden Fall. Selbst wenn man nur 20 Euro im Monat bekommen würde, hat man – wenn man alleine wohnt – auch die GEZ-Gebührenbefreiung mit dabei. Das macht dann noch mal 20 Euro im Monat aus. Hochgerechnet auf sechs Semester kommt schon ein Betrag zusammen. Wichtig ist beim Bafög-Antrag, genaue und richtige Angaben zu machen. Gibt man zu wenig Einkommen an, kann es passieren, dass man Rückzahlungen leisten muss, die einen hart treffen.

Wie aufwendig ist ein Bafög-Antrag?

Ziegenbein: Für den Erstantrag muss man drei bis vier Stunden opfern. Aber wenn der fertig ist und die Vorlage abgespeichert, ist das in den Folgejahren nur noch eine Sache von 45 Minuten. Dann müssen nur wenige Angaben wie Bewilligungszeiträume, Einkommen und Vermögen angepasst werden. Zusammen mit der Immatrikulationsbescheinigung kann der Antrag dann direkt wieder abgegeben werden.

Gibt das Bafög-Amt Hinweise, wie gut die Chancen stehen, bevor ich den Antrag stelle?

Ziegenbein: Meine Erfahrung ist: Wenn man persönlich zum Bafög-Amt geht, die persönliche Situation kurz erklärt und freundlich nachfragt, bekommt man oft eine grobe Einschätzung. Wenn aber jemand ruppig ankommt und fragt: „Wie viel kriege ich?“, dann kann sein, dass die Antwort auch unbefriedigend ausfällt. Also: nett sein, freundlich sein und persönlich vorstellen.

Inwiefern erleichtern Bafög-Serviceanbieter wie „DeineStudienfinanzierung“ den Start?

Ziegenbein: Solche Serviceanbieter können praktisch sein, weil dem Kunden direkt gesagt wird, welche Unterlagen noch fehlen. Diese Serviceanbieter übersetzen den klassischen Bafög-Antrag auch in eine einfachere Sprache. Das kann hilfreich sein, wenn man frisch von der Schule kommt und sich zum ersten Mal mit der Behördensprache eines Bafög-Antrags auseinandersetzen muss. Aber wer mal drei Stunden investiert und die Fragen sorgfältig durchliest, der kann sich den Service sparen. Ein Bafög-Antrag ist verständlich genug, dass man ihn selbst stellen kann.

Und was mache ich, wenn mich der ganze Papierkram überfordert?

Ziegenbein: Im Prinzip hilft immer: fragen, fragen, fragen – und um Hilfe bitten. Viele Unis habe psycho-soziale Beratungsstellen, die genau diesen Stress der Studenten kennen und gut beraten können. Mit Fragen zum Bafög kann ich direkt zum Bafög-Amt gehen.

Was passiert im schlimmsten Fall, wenn ich das alles schleifen lasse?

Ziegenbein: Wer sehr wenig Zeit hat oder komplett überfordert ist, kann bis spätestens 31. Oktober wenigstens einen formlosen Antrag abgeben. Das ist nur eine Seite, die ausgefüllt werden muss. Damit muss das Amt dann nachträglich für Oktober Geld auszahlen, auch wenn der komplette Antrag erst später abgegeben wird. Außerdem gibt es Alternativen wie den Bildungs- und Studienkredit und das BAföG-Volldarlehen, eine Teilzeitbeschäftigung, das Wohngeld und für manche sicherlich auch das Stipendium. Einen Studienabbruch wegen Geldnot sollten sich die wenigsten in den Kopf setzen.

Wie gut sind Bafög-Rechner im Netz?

Ziegenbein: Die sind teilweise schon realistisch. Nur sehe ich den Sinn darin nicht, weil ein Student dafür ein bis zwei Stunden im Internet verbringen muss. In dieser Zeit habe ich ja schon die Hälfte eines echten Antrags ausgefüllt und bekomme dann auch eine echte Antwort.

Was muss ein Student beachten, wenn er nebenbei jobben möchte?

Ziegenbein: Wer Bafög erhält, muss darauf achten, weniger als 450 Euro im Monat (5400 Euro im Jahr) zu verdienen, da ansonsten Teile des Bafögs wieder gestrichen werden. Außerdem dürfen 20 Arbeitsstunden pro Woche nicht überschritten werden, weil man ansonsten sozialversicherungspflichtig wird und nicht mehr als Vollzeitstudent gilt. Beim Stipendium ist das genauso, weil sich Stipendiaten ja ganz dem Studium widmen sollten, wenn sie diese Leistungen erhalten. Was toleriert wird, ist zusätzliche ehrenamtliche Arbeit. Das Studium gilt auch dann noch als vorrangig, wenn man nur in den Semesterferien voll arbeitet.

Gilt der Mindestlohn auch für Studenten, Praktikanten und Werkstudenten?

Ziegenbein: Der derzeitige Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde gilt für 450-Euro-Jobs und Werkstudententätigkeiten gleichermaßen, nicht aber für Praktika. Wenn jemand also ein Pflichtpraktikum im Rahmen des Studiums macht oder ein Orientierungspraktikum von einer Dauer bis zu drei Monaten, gibt es keinen Anspruch auf Mindestlohn.

Wie minimiere ich GEZ-Gebühren?

Ziegenbein: Wer Bafög bekommt, erhält ein Formular, das zur GEZ geschickt werden muss. Damit sind Bafög-Empfänger von der GEZ komplett befreit. Das Problem ist: Wenn ich als Bafög-Empfänger in einer WG wohne, meine anderen Mitbewohner aber kein Bafög erhalten, muss die WG als Ganzes trotzdem GEZ-Gebühren zahlen. Es lohnt sich also nur dann, wenn alle WG-Bewohner Bafög erhalten oder man alleine wohnt. Minimieren ist eher in Ausnahmefällen möglich, zum Beispiel bei einer Behinderung oder Schwangerschaft.

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