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Unser Buchtipp

20.10.2020

"Wenn ich nicht gehe, gehe ich kaputt": Reinhold Messner in Briefen

Gehe ich nicht, gehe ich kaputt: Dies schreibt Reinhold Messner in einem Brief an einen Freund.

Aus Reinhold Messners Briefesammlung ist ein Buch entstanden. Es gewährt spannende Einblicke, hat aber auch eine große Schwäche.

„Nicht das Bergsteigen an sich ist ein Gesundbrunnen für mich, oft reicht eine unverbrauchte Landschaft, in die ich mich hineinbewegen kann und ich bin glücklich. Gehe ich nicht, gehe ich kaputt“, das schrieb Reinhold Messner 2000 an einen Freund. Das Zitat steht über einer Sammlung von Briefen aus dem Himalaja, die Messner aus eigenen Briefen (aus 50 Jahren) und denen von einigen anderen Bergsteigern zusammengestellt hat.

„Die wohl authentischte Form der Berichterstattung aus dem Schneeland“ liefert einen Einblick in 200 Jahre Bergsteiger-Geschichte, erzählt von Erfolgen und Tragödien, von Begeisterung und schmerzhaften Erlebnissen. Und sie spiegelt das Lebensgefühl der jeweiligen Zeit, die Arroganz der Pioniere gegenüber den Sherpas, die Selbstverständlichkeit einer luxuriösen Ausrüstung. So schrieb Albert Frederick Mummery 1895: „Wenn man übrigens ein Pferd für 6 Penns pro Tag und einen Mann für 20 Schilling pro Monat mieten kann, so wüßte ich nicht, warum es einem schlecht gehen sollte.“ Doch den Gipfel des Nanga Parbat konnte er seiner Frau nicht zu Füßen legen, wie er es versprochen hatte. Mummery überlebte das Abenteuer nicht. Die Erstbesteigung gelang erst rund ein halbes Jahrhundert später durch Hermann Buhl. Zuvor hatte der Berg 31 Menschenleben gefordert.

Auch für Reinhold Messner wurde der Nanga Parbat zum Schicksal: Sein jüngerer Bruder Günther wurde Opfer eine Lawine wie so viele vor ihm. Das Unglück brachte Messner viele Anfeindungen, mit denen er fast ein Leben lang zu kämpfen hatte. In seinen Briefen streift er diesen Kampf – auch mit dem deutschen Alpenverein – nur kurz.

Sie berichten vor allem über die Veränderungen, die der Bergtourismus in die ehemals abgeschiedenen Himalaja-Regionen brachte, vom neuen Selbstbewusstsein der Sherpas und vom Ausverkauf der Natur. „Keine Sache der Welt ist derart missbrauchbar wie der Mount Everest...“ Und in einem Brief aus dem Jahr 2017 schreibt Messner: „Es gibt hier kein Größer oder Kleiner – es gilt nur, die Umsetzung so zu realisieren, das der Berg nicht als Trampolin des Heldentums missbraucht wird.“

Dass er mit seinen Erfolgen in den höchsten Bergen der Welt auch dazu beigetragen hat, Bergsteiger-Ambitionen zu wecken, erwähnt er ganz nebenbei. Nur schade, dass die Briefe bis auf wenige Ausnahmen ohne Adressaten im Buch stehen. Man wüsste doch zu gern, wen sie erreichen sollten.

  • Das Buch: Reinhold Messner: „Gehe ich nicht, gehe ich kaputt“, Piper, 272 S., 24 Euro
  • "Ich kann nicht schwimmen": Noch mehr zu Reinhold Messner
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