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Neuburg

26.02.2018

Beim Zahnarzt an die vergangene Schulzeit denken

Die Schule lebt nicht nur aus Erinnerungen im Gebäude weiter. Auch alte Zeugnisse zieren die Wände.
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Die Schule lebt nicht nur aus Erinnerungen im Gebäude weiter. Auch alte Zeugnisse zieren die Wände.
Bild: Dieter Jehle

In der alten Schule in Neuburg ist jetzt ein Zahnarzt. Das Gebäude bleibt damit ein Ort der Begegnung.

„Ein altes Haus hat eine Seele, einen ganz besonderen Charme“. Es sind Worte von Zahnarzt Georg Purger aus Neuburg. Sie erklären in einem Satz, warum der 40-Jährige das ehemalige alte Schulgebäude erworben hat und dort seit Januar 2016 eine Zahnarztpraxis betreibt. Purger gab dem Gebäude eine „Chance“. „Es ist wie früher ein Ort der Begegnung geblieben“, freut er sich.

Im Jahr 1904 wurde das alte Schulhaus errichtet. Viele Geschichten verbergen sich hinter der Fassade. Über 100 Jahre wurden in dessen ehrwürdigen Mauern Kinder und Jugendliche auf das Leben vorbereitet, das Kellergeschoss diente einige Jahre als Feuerwehrgerätehaus. Dann das Ende: alt, verbraucht, sanierungsbedürftig. Es stand im Weg. Im Keller fand vorübergehend die Jugend eine Bleibe, die ehemaligen Schulräume wurden zum Gemeindearchiv. Eine adäquate Nutzung rückte in weite Ferne.

Ein neues Kapitel

Dann die Rettung. Mit Zahnarzt Georg Purger erhielt die Chronik des Gebäudes ein neues Kapitel. Er verlieh dem Haus eine Zukunft, ohne dass es seine Geschichte verlor. 2012 kam der Zahnarzt nach Neuburg. Dort fand er eine Tätigkeit bei Dr. Lothar Ebner und wurde später dessen gleichgestellter Gesellschafter. Privates und Berufliches trennt der 40-Jährige strikt. Im „Rampenlicht“ stehen, ist nicht seine Sache. Er studierte an der Julius-Maximilian-Universität in Würzburg und war mehrere Jahre in Großbritannien und in Bayern tätig. Bereits sein Urgroßvater war Zahnarzt. Was reizte ihn an Neuburg? „Ich bin davon überzeugt, dass es in ländlichen Regionen eine gute Balance zwischen Arbeit und Leben gibt“, sagt er. Er spricht von einem „gesunden Umfeld“ auf dem Land. Die Neuburger habe er von Beginn seiner Tätigkeit an gemocht. Und er stellte Parallelen zu seiner Heimat fest: Hier sei es ähnlich bergig und nebelig wie in den heimatlichen fränkischen Bergen. „Nur die Weinreben fehlen“, schmunzelt er.

Die frühere Praxis in Neuburg habe nicht mehr dem aktuellen Anspruch an Arbeitsergonomie und Patientenfluss entsprochen. So schaute er sich nach neuen Räumlichkeiten um. Er wurde fündig. „Ich fand die alte Schule schon immer ansprechend“, sagt Purger und gerät ins Schwärmen. „Das Besondere an einer Schule ist, dass so unglaublich viele Menschen dem Haus eine Seele verleihen“.

Patienten fühlen sich an Kindheit erinnert

Der Schule hat er nicht seinen Geist genommen. Die Patienten fühlen sich an ihre Kindheit und an frühere Zeiten erinnert. Alte Zeugnisse, Schulbilder und Ansichtskarten von anno dazumal aus Neuburg und den umliegenden Dörfern schmücken die Wände. Das alte schrottreife Schulklavier aus den 1920er-Jahren ließ er restaurieren. „Patienten haben uns schon mit wunderbaren Klängen erfreut“, strahlt Purger. War einst die klassische Schulbank das Herz des Klassenzimmers, ist es jetzt der moderne Zahnarztstuhl. Diese Art von Symbiose schafft Vertrauen zwischen Zahnarzt und Patient. „Die Patienten fangen an zu erzählen“, erzählt Purger. Meist seien es Geschichten, die sie in diesem Schulhaus erlebt haben. Gegensätze zwischen früher und heute werden dabei spürbar. Ursprünglich waren es Hosenspanner, Tatzen oder Kopfnüsse als Form einer schmerzhaften Körperstrafe im Schulunterricht. Nun sind es moderne Behandlungsmethoden, die schmerzfrei und elegant ablaufen.

Vieles hat der Zahnarzt beim Umbau belassen. Das Knarren der Holztreppe, die alten Türen oder die über 100 Jahre alten Fliesen im Flur. Gepaart mit einer modernen Praxiseinrichtung haben hier Nostalgie und Moderne dem Gebäude eine neue Identität gegeben. In der „Zahnarztpraxis in der alten Schule“ sind drei Zahnärzte und zwölf Mitarbeiter beschäftigt. „Die Patienten schenken uns ihr Vertrauen und wir geben dies als persönliches, positives und verbindliches Erlebnis zurück“, sagt Purger. Der nächste „Kunde“ wartet schon. Vielleicht erzählt auch er eine Episode.

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