1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Die stressigsten Tage des Jahres

Karwoche

20.04.2011

Die stressigsten Tage des Jahres

Copy of badermia+jett_034pr(1).tif
3 Bilder
Mit Tüchern verhüllt Mesnerin Eleonore Bader die Monstranz. Nichts soll von der Trauer ablenken.

Mesnerin Eleonore Bader bereitet die Heilig-Kreuz-Kirche in Mindelaltheim für das Osterfest vor

Dürrlauingen-Mindelaltheim Die heilige Woche (Karwoche) mit dem Gedenken an das Leiden, den Tod und die Auferstehung stellt neben der Feier der Geburt Jesu den Höhepunkt im Kirchenjahr dar. Da die Heilig-Kreuz-Kirche in Mindelaltheim mit ihren Fresken, Gemälden und figürlichen Darstellungen auf das Leiden und den Tod Christi ausgerichtet ist, wird die Karfreitagsliturgie nicht in der großen Dorfkirche, sondern in der kleineren Wallfahrtskirche am südlichen Rand von Mindelaltheim gefeiert. Mesnerin Eleonore Bader bereitet auch heuer wieder mit Herz, Fleiß und Verstand im Kirchlein alles so her, dass der Gottesdienst für die Gläubigen zu einem religiösen Erlebnis wird.

Seit 1990 verrichtet Lore Bader den Dienst der Mesnerin. Der damalige Pfarrer Siegfried Kottmeier bürdete ihr dieses Amt nach seiner erfolglosen Suche einfach mit der Begründung auf: weil sie ja neben der Kapelle wohne und bei ihrem Mann, dem damaligen Kirchenpfleger und heutigen Kreisheimatpfleger Karl Bader, die notwendige Unterstützung erfahre. Fast zehn Jahre war sie für die Kapelle und die Pfarrkirche St. Mauritius verantwortlich. Dann, 1999, freute sie sich, dass ihr ihre Schwägerin Berta Bader die Verantwortung über die Pfarrkirche abnahm. Denn gerade in den Ferien, wenn sie mit ihrem Mann, von Beruf Lehrer, gerne in den Urlaub gefahren wäre, musste sie zu Hause bleiben, um den meist ausländischen Urlaubsvertretern des Pfarrers hilfreich zur Seite stehen zu können.

Lore Bader freut sich auf die Heiligen Tage, besonders auf den Karfreitag. „Für mich ist die Ruhe in der Karfreitagsliturgie das Schönste“, bekennt sie. Bis dahin hat sie natürlich viel vorzubereiten. Ihr Mann hilft mit, sei aber auch ihr größter Kritiker, verrät sie. Die Kirche muss in der Karwoche schlicht gehalten werden. Die Schmucklosigkeit soll an die Angst des leidenden Herrn erinnern. Nach dem Gloria beim Gründonnerstagsgottesdienst schweigen die Glocken, also müssen auch die kleinen Ministrantenglocken weggeräumt werden. Altardecken und -kerzen werden entfernt und sogar das „Ewige Licht“ nimmt man heraus. Das Allerheiligste wird aus dem Tabernakel am Hochaltar auf einen Nebenaltar verbracht und Kreuze und Bilder mit violetten Tüchern verhüllt. Nichts darf die Trauer um den Gekreuzigten stören. Und den schweren Weihwasserkessel trägt das Ehepaar Bader ins Freie, denn an Ostern wird gleichsam als Zeichen des Neubeginns das Osterwasser geweiht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Vor den Altarraum breitet die Mesnerin einen Teppich aus. Auf diesem wird sich der Pfarrer in der Karfreitagsfeier nach dem Einzug in die Kirche als Zeichen der Trauer niederwerfen. Zum Gelingen einer würdigen Feier tragen ebenso die Ministranten bei. Auch für sie ist der Karfreitag ein besonderer Tag, erklärt Lore Bader. Sie treffen sich bereits um 6 Uhr zu einer „Kreuzwanderung“ zu allen Feld- und Dorfkreuzen des Ortes. Letzte Station ist die Heilig-Kreuz-Kapelle. Nach einem gemeinsamen Frühstück probt die Ministrantenschar für den Gottesdienst, wobei ihr Mann Regie führt.

Gerne denkt Karl Bader an seine Kindheit zurück. Nach der Abendmahlmesse am Gründonnerstag wurde das fünfeinhalb Meter hohe Heilige Grab aufgestellt und die Kirche mit Vorhängen verdunkelt. Nach dem Abbau am Karsamstag halfen alle Frauen des Dorfes beim Kirchenputz mit. Am Karfreitag mussten die Ministranten schwarze Socken tragen. Und wenn da bei einem durch ein Loch die weiße Haut sichtbar war, wurde diese mit der Kohle vom Weihrauchfass eingeschwärzt.

Die Weihe der Holzscheite für das Osterfeuer fand am Karsamstag in der Früh statt. Anschließend brachten die Bauern diese zu den Palmzweigen und den Kräuterbüscheln als Segenszeichen in den Stall.

Die Familie Bader bedauert, dass nur noch die Karfreitagsliturgie im Dorf verblieben ist. Pastoralreferent Albert Müller feiert sie mit den Mindelaltheimern um 15 Uhr, zur Zeit der 9. Stunde, in der Jesus nach Überlieferung der Evangelien verstorben ist. Das Heilige Grab wurde heuer nicht aufgebaut.

Für nächstes Jahr sucht das Ehepaar Bader nach Helfern, die diese Aufgabe dann langfristig übernehmen könnten.

„Ich habe mich in das Amt der Mesnerin hineingelebt, fühle mich für meine Kirche verantwortlich und mache meinen Dienst gerne“, gesteht Lore Bader. Eine möglichst große Zahl an Gottesdienstbesuchern, nicht nur an hohen Feiertagen, wäre für sie der schönste Lohn.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
DSC_0170(1).JPG
Günzburg

Kita-Gebühren steigen, Eltern zahlen weniger

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen