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Auszeichnung

29.11.2019

Hilfe für erkrankte Jugendliche

Nicolas Rüsch

Innovationspreis geht an BKH

Der Klaus-Koeppen-Preis für soziale Innovation 2019 geht an Prof. Dr. Nicolas Rüsch und seine Forschungsgruppe an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm/Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg. Der Preis ist nach Angaben der Bezirkskliniken mit 15000 Euro dotiert und wurde von der Gips-Schüle-Stiftung in Stuttgart verliehen. Ausgezeichnet wurde das Gruppenprogramm „In Würde zu sich stehen“ (IWS), das Jugendliche mit psychischen Erkrankungen effektiv bei der Bewältigung von Stigmatisierung unterstützt. Die Forschungsgruppe belegte die Wirksamkeit von IWS bei Jugendlichen im Rahmen einer weltweit neuartigen Studie.

Die Studie dreht sich um ein Problem, das die Jugendlichen neben den Symptomen ihrer Erkrankung oft zu bewältigen haben: Sie kämpfen oft mit Stigmatisierung und ihren Folgen wie Scham und sozialem Rückzug. Daraus resultiert in vielen Fällen eine Verschlimmerung des Krankheitsverlaufs. Die Jugendlichen stehen dabei vor der schwierigen Entscheidung, ob und wie sie anderen von ihrer Erkrankung erzählen sollen.

Das IWS-Programm unterstützt junge Menschen bei dieser Entscheidung. Die Jugendlichen beschäftigen sich in Gruppen unter anderem mit ihrem Selbstbild, den Vor- und Nachteilen einer Offenlegung beziehungsweise Geheimhaltung sowie dem geeigneten Rahmen dafür. Geleitet werden die Gruppen dabei nicht nur von Psychologen, sondern auch von jungen Erwachsenen, die selbst eine psychische Erkrankung überwunden haben. IWS basiert auf dem Gruppenprogramm „Honest, Open, Proud“, des US-Amerikaners Patrick W. Corrigan und Kollegen. Prof. Dr. Nicolas Rüsch und seine Forschungsgruppe übertrugen das Konzept ins Deutsche und passten das Programm zudem an den deutschen Kulturraum an. In einer Studie mit 98 psychisch erkrankten Jugendlichen evaluierten Nadine Mulfinger, Nicolas Rüsch und ein interdisziplinäres Team die Durchführbarkeit und Wirksamkeit von IWS. Bis dato existierten weltweit keine Daten zu IWS in dieser Altersgruppe. Das Ergebnis: „In Würde zu sich stehen“ kann die Voraussetzungen für soziale Integration und die Bewältigung des Alltags psychisch erkrankter Jugendlicher verbessern. Im Vergleich zur Kontrollgruppe sank die Belastung durch Stigma-Stress bei Programmteilnehmern. Außerdem verbesserten sich unter anderem Lebensqualität, depressive Symptome und die Bereitschaft, bei Bedarf Hilfe in Anspruch zu nehmen, signifikant.

Ministerpräsident a. D. Prof. Erwin Teufel und Wissenschaftsminister a. D. Prof. Peter Frankenberg haben den Preis in Stuttgart überreicht. „Mit dem Preisgeld wollen wir IWS weiterentwickeln, Betroffenen zur Verfügung stellen und seine Wirksamkeit weiter untersuchen – unter anderem in Bezug auf die Nachhaltigkeit der Effekte und Auswirkungen auf die Bewältigung von Schule und Ausbildung“, so Nicolas Rüsch. Das Projekt entstand in enger Kooperation interdisziplinärer Forscher und Praktiker wie Sozialpsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Sozialwissenschaften, Statistik und Gesundheitsökonomie aus Deutschland, Großbritannien und den USA. Beteiligte Kooperationspartner waren unter anderem die Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Ulm, Augsburg und Ravensburg-Weissenau. (zg)

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