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Jettingen-Scheppach

10.11.2019

Nach Absagen: In Jettingen wird doch wieder Fasching gefeiert

In Jettingen gibt es wieder einen Fasching mit vollem Programm. Dafür sorgt der Fasnachtsverein Burkhardia. Im Bild von links: Präsident Max Behrendt, Georg Mayer (Beisitzer und Ausschussmitglied), Schriftführerin Heike Reitsam, Kassierer André Behrendt und Vizepräsident Kurt Goldstein.
Bild: Peter Wieser

Plus Um die Burkhardia war es eine Zeit lang ruhig geworden. Mancher fürchtete schon das endgültige Aus für das bunte Treiben im Ort. Doch nun startet der Verein wieder durch.

Der Präsident des Jettinger Fasnachtsvereins Burkhardia, Max Behrendt, hat ein Versprechen: „Wir haben das volle Programm vor.“ Die Aktivitäten der Burkhardia lagen auf Eis und in Jettingen gab es in diesem Jahr sozusagen keinen Fasching (wir berichteten). Mancher hatte sogar befürchtet, einen solchen könnte es möglicherweise gar nicht mehr im Ort geben. In der kommenden Saison soll aber wieder alles anders sein, es wird wieder einen Fasching geben.

Was war der Grund für die Pause? „Es waren immer genügend Besucher da und wir hatten immer eine gute Saison“, sagt Georg Mayer, Beisitzer und Mitglied im Ausschuss. Knackpunkt sei das Organisieren gewesen. Immer wieder habe man angepriesen, dass man Leute brauche. Kassierer André Behrendt fährt fort: Wenn es nur einige wenige seien, dann sei das personell nicht mehr zu stemmen. Helfer habe es zwar schon gegeben, aber kaum welche, die Verantwortung übernommen hätten.

Keine Bälle und schon gar keinen offiziellen Umzug

Somit gab es in diesem Jahr keinen Kinderball, keinen Fähnrichsball und schon gar nicht einen offiziellen Faschingsumzug. Vielleicht habe das dem einen oder anderen einen Denkanstoß gegeben und die Leute aufgerüttelt. „In vielen steckt das Faschingsblut drin“, sagt Vizepräsident Kurt Goldstein. Zureden, die Kommunikation mit den vier Jettinger Wagenbauern, die unter der Flagge der Burkhardia fahren, und ein verfeinertes Konzept seien die Grundlage gewesen. Vieles sei umgekrempelt worden, auch die Internetseite habe man neu gestaltet. In drei Jahren feiert die auf Grundlage der aus dem Jahr 1822 stammende 1952 aufbereitete Fahne übrigens ihr 200-jähriges Jubiläum.

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Was bedeutet nun „das volle Programm?“ Am Sonntag, 9. Februar, wird es den Kinderball geben, am Faschingssonntag wird Bürgermeister Hans Reichhart beim Rathaus dem Oberfähnrich die Fahne übergeben, während das Komitee sozusagen das Jettinger Rathaus übernehmen wird. Am Abend findet in der Turn- und Festhalle der Fähnrichsball statt. Startschuss ist die Versammlung am 15. November mit der Wahl der drei Fähnriche. Zu dieser sind übrigens alle Jettinger eingeladen, die auch wählen dürfen.

Für das Auftreten der Fähnriche gibt es genaue Regeln

Laut Satzung müssen die Fähnriche ledige, unbescholtene Jettinger sein. Ihre Fähnrichsbraut bestimmen sie selbst, in jedem Fall aber müssen sie den Fähnrichswalzer tanzen können. Wenn nicht, dann wird das eben gelernt. Denn: Der letzte Tanz beim Kehraus am Faschingsdienstag gehört den Fähnrichen und ihren Bräuten. Für ihr Auftreten gibt es ganz genaue Regeln. „Dass se schea sind und auch g’scheit dastehen,“ sagt Kurt Goldstein lachend. Ein Fahnenband gibt es ebenfalls. Auf dieses werden Bärbel Grau und Brigitte Mozet wieder per Hand mit Goldfäden die Namen der Fähnriche und der Fähnrichsbräute aufsticken. Dann wird gepfändert: Die Fähnriche gehen, begleitet vom Trommler und dem Hanswurst, in Jettingen und den Ortsteilen von Haus zu Haus und laden die Bürger zum Fasching ein.

Sie erinnern übrigens an die drei Burkhard-Brüder, die Jettingen nach dem 30-jährigen Krieg wiederaufgebaut haben sollen. Mit einem Schimmel, den sie der Nachhut der abziehenden Franzosen gestohlen hatten, sollen sie anschließend das Land wieder urbar gemacht haben. Daher auch der Name „Rumäckra“ am Faschingsdienstag: Ein Bauer führt den Schimmel, der Zweite den Pflug und der Dritte sät. Dahinter auf der „Schloif“ (Ackerschleife) liegt der „Küraßbuckel“, der von der Hexe mit „Saublaudra“ (Schweineblasen) verdroschen wird. Natürlich gibt es auch Faschingsorden. 350 bis 400 von diesen werden wieder in mühseliger Handarbeit von Luzia und Franz Wengenmayer einzeln bemalt und beklebt.

Die Burkhardia hat viele Pläne in Jettingen

Was hat die Burkhardia sonst noch vor? „Grundgedanke ist, das Brauchtum zu erhalten und das Wissen weiterzugeben“, erklärt André Behrendt. Dazu sei man regelmäßig in den Kindergärten und in den Schulen unterwegs. Auch unterm Jahr wolle man präsent sein. Im Oktober habe man im Isabella-Braun-Heim einen Tanztee organisiert und dazu Kuchen und Musik mitgebracht. Mit den Senioren habe es sogar eine Polonaise durch den Speisesaal gegeben.

Beim Jettinger Adventsmarkt wird die Burkhardia ebenfalls vertreten sein. „Wir haben auch wieder vor, Tanzgruppen aufzubauen“, verrät Schriftführerin Heike Reitsam. Dies werde sicherlich nicht in einem Jahr geschehen, wichtig sei, dass man sich stets nach außen und auch außerhalb der Faschingssaison präsentiere. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Zusammenarbeit und der Kontakt zu den anderen Faschingsvereinen, vor allem aber auch die Unterstützung von Jettinger Firmen und der Umgebung sowie durch die Gemeinde.

Die ist in jedem Fall vorhanden. Bei der Bürgerversammlung hatte Jettingens Bürgermeister Hans Reichhart betont: „2020 wird es wieder einen Fasching geben. Wir haben wieder ein Fasnachtskomitee, das sich der Sache annimmt, und eine Tradition wird fortgeführt.“

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