1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Schmidbauer, Pollina und Kälberer im Forum: Purer Genuss im Süden

Günzburg

23.03.2019

Schmidbauer, Pollina und Kälberer im Forum: Purer Genuss im Süden

Mit ihrer aktuellen Konzertreihe „Süden II“ gastierten Martin Kälberer, Werner Schmidbauer und Pippo Pollina (von links) im ausverkauften Forum am Hofgarten in Günzburg. Es war ein Auftritt der in mehrfacher Hinsicht herausragenden Art.
Bild: Greta Kaiser

Werner Schmidbauer, Pippo Pollina und Martin Kälberer versetzen das Publikum im ausverkauften Günzburger Forum nicht nur in Urlaubsstimmung.

Klar, ein bisschen Klischee muss ein. Sonne, Strand und Meer sind die Zutaten eines Urlaubs in südlichen Gefilden. Auch die Lebensfreude und die Leichtigkeit des Seins, die etwa den Italienern eigen ist. Doch nicht nur davon singen und reden Werner Schmidbauer, Pippo Pollina und Martin Kälberer. Bei ihrer Konzert-Tournee „Süden II“ geht es auch um „die dunkle Seite des Südens“ – die Toten im Mittelmeer oder die auf der Flucht Gestrandeten. Und sie wenden sich gegen Hass und Hetze. Das alles verpackt in Musik, die der pure Genuss ist.

Süden II im restlos ausverkauften Forum am Hofgarten

Das Forum am Hofgarten ist am Donnerstagabend restlos ausverkauft. Die Autokennzeichen in der Tiefgarage deuten an: Viele Fans des Trios sind von weither angereist. Und sie kennen sich aus. Sie singen und klatschen mit, der Funke springt von Beginn an auf das Publikum über, am Ende des gut zweistündigen Konzerts gibt es stehende Ovationen. Fünf Jahre ist es her, dass „Süden I“ beendet wurde (Lesen Sie dazu auch: Auf Abschiedstour). Im Sommer vergangenen Jahres setzten sich der gebürtige Münchner Werner Schmidbauer, der gebürtige Ulmer Martin Kälberer und der Sizilianer Pippo Pollina zusammen, um mit neuen Liedern und einer neuen CD erneut auf Tour zu gehen. „Süden II“ ist den Besuch wert.

Instrumental und stimmlich ist das Trio ein Gesamtkunstwerk. Sollte einer hervorgehoben werden, dann wäre das Martin Kälberer. Keyboard, Akkordeon, Hang und Percussion – er beherrscht die Instrumente in virtuoser Weise. Werner Schmidbauer (Gitarre) und Pippo Pollina (Gitarre und Keyboard) stehen ihm freilich nur wenig nach.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Schmidbauer, Kälberer und Pollina singen gegen Hass und Hetze

Etliche der Lieder, wechselweise gesungen auf Italienisch und Bayerisch, beschreiben auf poetische Weise das Lebensgefühl des Südens – die Feste, die Tänze, die feinen Speisen und die Freundschaften, die sich bei alldem anbahnen. „Süden II“ ist aber auch eine politische Standortbestimmung. „Wo wir her sind, liegt nicht in unserer Hand“, heißt es in einer Textzeile gegen Hass und Hetze, gegen einen Nationalstolz, der jeglicher Grundlage entbehrt. Das Lied „Die ganz große Kunst“ hat Werner Schmidbauer komponiert, nachdem im Mittelmeer wieder einmal zahlreiche Flüchtlinge ertrunken waren. „Wir haben uns geschworen, dieses Lied so lange zu spielen, wie es das Flüchtlingsdrama gibt“, erklärt Schmidbauer dem Publikum. Das Stichwort lautet Solidarität.

Der Tourneekalender des Trios ist voll

Musiker haben es scheinbar gut. Alle fünf Minuten erhalten sie bei ihren Auftritten Applaus. Dem Klempner widerfährt solche Wertschätzung selten. Auf der anderen Seite – und davon handelt ein selbstkritisches Lied von Pippo Pollina – sind tourende Musiker oft fern der Heimat und abseits ihrer Familie, ihrer Kinder. Es reicht ein Blick in den Tourneekalender des Trios, um zu erkennen, was gemeint ist. Auch ansonsten schrecken Schmidbauer, Pollina und Kälberer vor schwierigen Themen nicht zurück. Ein Lied handelt vom allzu frühen Tod eines Verwandten und der Frage, was folgen könnte. Man weiß es nicht.

Hommage an Nelson Mandela und "Bella Ciao"

Mit einer Hommage an den ebenso großen wie friedfertigen Widerstandskämpfer Nelson Mandela und dem italienischen Partisanenlied „Bella Ciao“ neigt sich der Abend dem Ende entgegen. Fazit: „Süden II“ ist eine höchst gelungene Mischung aus brillanter musikalischer Unterhaltung, der Freude am Leben und den Schattenseiten, die nicht selten diese Erde verdunkeln. Wer das Konzert in Günzburg verpasst hat: Am Freitag, 12. Juli, ist „Süden II“ beim Open Air im Stadtpark in Weißenhorn zu hören. (Lesen Sie dazu auch: Open-Air-Festival 2019: Weißenhorn wird zur Kulturstadt)

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren