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Premiere

21.07.2019

Wettenhausen wird im Musical zu Notting Hill

Einen riesigen Jubel und Szenenapplaus gab es für den slapstickhaften Auftritt der drei Lehrer Christoph Schmid, Bernd Hihler und Christoph Först in schrägen Abba-Style-Kostümen.
Bild: Gertrud Adlassnig

Schüler und Lehrer des St.-Thomas-Gymnasiums haben ein neues Stück geschaffen. Das war aus der Not entstanden – und ist zu einem Glücksfall geworden.

Manches Mal, so scheint es, ist ein negativer Bescheid der Anstoß zu etwas durch und durch Positivem. Am St.-Thomas-Gymnasium in Wettenhausen wird seit einer Dekade unter der Gesamtleitung von Bernd Hihler im Zwei-Jahres-Rhythmus ein Musical einstudiert und zum Schuljahresende aufgeführt. Dieses Mal steht „Notting Hill“ auf dem Programm. Der interessierte Musicalfan wird in den einschlägigen Medien vergebens nach einer Musikversion der erfolgreichen „Romantic Comedy“ mit Hugh Grant und Julia Roberts suchen. Ein Musical, in dem sich der amerikanische Weltstar Anna Scott in einen Buchladen im Londoner Stadtteil Notting Hill verirrt, wo sie auf den sympathischen, aber ebenso tollpatschigen wie erfolglosen Buchhändler William trifft, sich – wie könnte es anders sein – in ihn verliebt und die beiden nach allerlei retardierenden Momenten zusammenfinden, hat nicht existiert.

Dass die Thomasianer hier eine Weltpremiere auf die Bühne zaubern, war, so ist dem Programmheft zu entnehmen, zunächst der Not geschuldet. Alle Anfragen zu Aufführungslizenzen bekannter Musicals wurden abschlägig beantwortet. Und so können sich Besucher im Zelt auf dem Schulsportplatz über eine originale Inszenierung eines neu verfassten Stückes freuen.

Flotte Texte, allerlei Scherze und fetzige Hits

Die Vorbereitungen begannen bereits 2017 und was die Thomasianer in den beiden Schuljahren auf die Beine gestellt haben, kann sich weit über die heimischen Grenzen hinaus sehen lassen. Flotte Texte, die immer wieder mit kessen Sprüchen und allerlei Scherzen Bezug zur Schule und zur Region nehmen, wurden mit 21 fetzigen Hits kombiniert. Stücke von Tina Turner über Elton John bis Steppenwolf, allesamt Klassiker mit Mitklatsch- und Mitsummfaktor. Die Texte haben die Musicalmacher teils dem Plot angepasst, nicht selten zum großen Vergnügen der Zuschauer: „Sag mir, wo die Rüben sind“ gehörte mit vielen weiteren Gags zu den großen Lacherfolgen des Abends. Und die gab es zahlreich. Immer wieder wurde das Geschehen auf der Bühne von jubelnden Zuschauern, von herzerfrischendem Lachen und tosendem Applaus unterbrochen.

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Die Buchhandlung: Hier darf das Ballett zeigen, was es kann, während William und Mitbewohner Spike (Leopold Brenner und Lukas Grimm) sich über Mode beraten.
Bild: Gertrud Adlassnig

Die jungen Schauspieler und Sänger agierten auf der Bühne im szenisch wechselnden Bühnenbild mit erstaunlicher Souveränität. Immerhin mussten die Hauptdarsteller sich nicht nur stimmlich durchsetzen, sondern auch eine anspruchsvolle schauspielerische Leistung abliefern, zumal die überwiegenden Szenen mit nur wenigen Figuren auf der großen Bühne spielten. Doch das schien die Thomasianer nicht zu beeindrucken. Sie glänzten in Spiellaune und Sangesfreude, begleitet von der perfekt harmonierenden Band, und lieferten ein wunderbares Live-Erlebnis, das ungleich eindrucksvoller ist als Konservenkost. Der Musicalcharakter der Inszenierung wurde vom munteren, gute Laune verbreitenden Ballett verstärkt, das perfekt einstudiert die Bühne rockte. Hier sei lediglich kritisch anzumerken, dass es sich, wie bei den Paparazzi, um eine rein weibliche Gruppe handelte.

Sogar ein echtes Fahrzeug kommt zum Einsatz

Gespielt wurde auf einer mit viel Sorgfalt und Fantasie ausgestatteten Bühne. Eine eigens installierte Drehscheibe ermöglichte den schnellen Szenenwechsel: Neun Bühnenbilder, von der chaotischen Wohnung über den Buchladen bis zur Autofahrt mit einem echten Fahrzeug hatte das Bühnenteam entworfen und umgesetzt und pannenfrei in atemberaubender Geschwindigkeit im Dunkeln auf die Bühne gezaubert. Die wurde durch raffinierte Lichteffekte immer wieder zum lebendigen Raum, der auf einer seitlich platzierten Leinwand mit mal erläuternden, mal scherzhaft kommentierenden Bildern und Filmen ergänzt wurde.

Es wäre müßig, einzelne Akteure hervorzuheben. „Notting Hill“ ist ein Gesamtkunstwerk, entstanden aus der gemeinschaftlichen Projektarbeit der Thomasianer, an der sich Schüler von der zehnten bis zur zwölften Klasse und Lehrer mit unzähligen Arbeitsstunden, Herzblut und Können eingebracht haben. Die Gymnasiasten von Wettenhausen haben bewiesen, dass es nicht vorgefertigter Schablonen bedarf, um etwas Einzigartiges hervorzubringen, sondern vor allem Gemeinsinn, Kreativität und Engagement.

Weitere Aufführungen sind am 22. und 23. Juli.

Eine weitere Szene aus „Notting Hill“: Zur Geburtstagsparty von Honey ist auch Anna (Leslie Harder) eingeladen.
Bild: Gertrud Adlassnig

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