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Babenhausen

28.03.2020

Der „Stadtgärtner“ gibt sein Amt ab

Mehr als sein halbes Leben hat sich Alfons Müller als Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Babenhausen engagiert. Hier steht er in seinem Garten.
Bild: Settele

Plus 37 Jahre lang war Alfons Müller Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Babenhausen. Den Trend zum pflegeleichten Garten sieht der 72-Jährige kritisch.

„Sollte ich noch einmal auf die Welt kommen, dann werde ich wieder Gärtner!“ Mit diesem Zitat aus einem Interview in der Illertisser Zeitung anlässlich des 70. Geburtstags von Alfons Müller lässt sich am besten das Engagement des inzwischen 72-Jährigen für Natur und Umwelt beschreiben. Doch nach mehr als 40 Jahren im Obst- und Gartenbauverein, davon allein 37 Jahre als Vorsitzender, endet nun die Ära Müller. Bei den turnusgemäßen Neuwahlen tritt er nicht mehr für dieses Amt an.

Als Alfons Müller in den Verein eintrat, suchten der damalige Vorsitzende Hans Stölzle und seine Stellvertreterin Maria Stadelbauer Nachfolger. Auch wenn Müller nach eigenen Worten lieber „als Arbeiter des Vereins in der zweiten Reihe wirkt“, ließ er sich damals überreden, als Vize-Vorsitzender zu kandidieren.

Plötzlich Vorsitzender: Alfons Müller ist es 37 Jahre lang geblieben

Doch bei der Versammlung am 1. März 1983 lief alles ganz anders. Und ehe er sich versah, war er Erster Vorsitzender – und das bis heute. Viele Babenhauser verbinden deshalb den Obst- und Gartenbau aufs Engste mit dem „Stadtgärtner“, wie Müller gerne bezeichnet wird. Bekannt ist er auch einfach unter dem Namen „Fonse“. Dies dokumentiert gleichzeitig seine Verbundenheit mit den Bürgern, die dies in der Vergangenheit mit Spitzenergebnissen bei den Marktratswahlen honorierten.

Der „Stadtgärtner“ gibt sein Amt ab

Ein Zitat Müllers bei seinem Abschied als Leiter des Bauhofs und dessen Grünabteilung charakterisiert seine Einstellung zur Natur bestens: „Gärtnern ist einfach mein Leben und während andere zum Frühschoppen gingen, sprach ich mit meinen Pflanzen.“ Hintergrund dafür war die Schließung des kommunalen Gewächshauses („Meine zweite Heimat“) beim Wertstoffhof, in dem Müller Jahr für Jahr bis zu 20000 Pflanzen zog, die anschließend das Marktbild verschönerten.

Kaum ein Garten in Babenhausen, den er nicht selbst inspiziert hat

Untrennbar verbunden war sein Engagement für die heimische Natur mit seinem Referentenposten im Marktrat und als Vorsitzender des Obst- und Gartenvereins. Es gibt kaum einen Garten im Fuggermarkt, den er nicht schon persönlich inspiziert hat.

Doch auch die Ferienprogrammaktionen, in denen die Kinder ihre Liebe zu heimischen Pflanzen entdeckten, oder gartenbezogene Wettbewerbe entstanden unter seiner Regie. Die Aktion „Sauberes Babenhausen“ war praktisch auf seinem Mist gewachsen, jahrelang organisierte er diese.

In den Partnergemeinden in der Mayenne hinterließ Müller ebenfalls seine Fußabdrücke, etwa bei der Ausschmückung des Babenhauser Stands bei der Expo Foire oder beim Maibaumfest in Argentré. Einer der Vereinshöhepunkte war auch die Lokomotive, die zur 750-Jahr-Feier des Fuggermarkts entstand.

Warum der Gärtner keine pflegeleichten Gärten mag

Am deutlichsten war aus Müllers Sicht in den vergangenen Jahrzehnten der Wandel hin zum „pflegeleichten Garten“. Doch zugepflasterte Hofbereiche und unansehnliche Steingärten, abschirmende Gabionen oder an Verbarrikadierungen erinnernde Trennelemente verhindern Müller zufolge nachbarschaftliche Kontakte.

Auch fehle weitgehend das Bänkle unter einem Obstbaum im Garten, unter dem mit Nachbarn ein Feierabendbier genossen werden könne, sagt er. Angesichts der Grundstückspreise finde man kaum noch einen Obstbaum auf einem Privatgrundstück.

Für Alfons Müller ist die Gartenarbeit „ein Ausgleich zum Berufsstress und gleichzeitig eine kostenlose Krankheitsvorbeugung“. Der Mensch wäre sicherlich zufriedener, wenn er sich nach den Mäharbeiten zurücklehnen könne, anstatt diese Arbeit dem Mähroboter zu überlassen.

Aus der Gartenkultur wird der Babenhauser nicht verschwinden

Auch treten Gemüsegärten und Beerensträucher seiner Ansicht nach immer mehr in den Hintergrund. So kaufe man Bio-Kost und vergesse oftmals, dass diese am besten im heimischen Garten gedeihe.

Auch wenn er sein Amt beim Obst- und Gartenbauverein nun abgibt – der „Stadtgärtner“ wird sicherlich nicht aus der Babenhauser Gartenkultur verschwinden. Und man wird ihn sicherlich beim Baumschneiden oder beim Anlegen umweltgerechter Gärten antreffen, vor allem aber auch in seinem eigenen Garten.

Dass sich die Suche nach seinem Nachfolger im Verein über Monate hinzog, bereitete Müller schlaflose Nächte. Unter anderem dank eines Artikels in unserer Zeitung fand sich inzwischen aber jemand, der bereit ist, das Amt zu übernehmen. Müller bietet an, „stets mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“.

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