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Musik im Glashaus

28.06.2016

Des Pianisten virtuose Leistung

Pianist Adrian Suciu bot im Glashaus eine virtuose Glanzleistung.
Bild: Zita Schmid

Erinnerung an Louis Moreau Gottschalk führt zu begeisterndem Konzert

Die Bravorufe während des Konzerts und der lange Applaus auch immer wieder dazwischen zeigten ganz deutlich: Das Publikum im Glashaus des Museums der Gartenkultur war begeistert. Die Werke des Louis Moreau Gottschalk, der als „großer unbekannter amerikanischer Freund“ angekündigt war, haben mit diesem herausragenden Musikabend im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kultur im Glashaus“ einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Es war die virtuose Glanzleistung des Pianisten Adrian Suciu und die betörende Stimmgewalt des Bariton Fernando Araujo, die den fast dreistündigen Konzertabend zu einem Hochgenuss aufblühen ließ. Das abenteuerliche Leben des amerikanischen Komponisten und Pianisten, an das Josef Kiermeier-Debré in seiner begleitenden Lesung erinnerte, entpuppte sich für die rund 40 Zuhörer dabei als spannendes Buch. Geboren 1829 in New Orleans/Lousiana, starb Gottschalk mit 40 Jahren einen „romantischen“ Tod. Am Klavier brach der Pianist ohnmächtig zusammen und starb wenig später. Wie das Schicksal es wollte, soll er sein Werk „Morte!“ (She is dead) gerade gespielt haben.

Mit dem Stück, das sein Ende markierte, begann der Abend im Glashaus hochkarätig und vielversprechend. Er werde einmal der „König der Pianisten“ werden, soll ihm viele Jahre zuvor Chopin prophezeit haben. Gottschalk, der als 13-jähriges Wunderkind nach Paris zur Ausbildung geschickt wurde, kannte das europäische Klavierrepertoire. Er wusste aber auch um die Musik der Kreolen. Die nach Amerika verschleppten Schwarzen aus Afrika mit ihren Trommeln, Tamburine oder Banjos beeinflussten die Musik seiner Heimatstadt. Diese verschiedensten Stilrichtungen verband Gottschalk kunstvoll.

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Das was er spielte, klang „sensationell neu“ und „er offenbarte eine andere Welt der Töne, die man bis dahin noch nicht vernommen hatte“, so Kiermeier-Debré. Mit dem Stück „Bamboula“ – ausdrucksstark und mit funkelnden Klavierläufen – und dem exotisch betitelten Werk „La Bananier“ (Bananenbaum) eroberte diese Musik nun auch das Glashaus. Sein Werk „La Banjo“, das ein Vorläufer des Jazz zu sein scheint, setzt das damalige typische Instrument der Sklaven in den Mittelpunkt seiner Komposition.

Denn Gottschalk war nicht nur amerikanischer Musikpionier. Er war auch ein durchaus politischer Mensch und gegen die Sklaverei. Seine eindeutige Parteinahme für die liberalen Nordstaaten brachte er mit dem kämpferisch anmutenden „Union“ zum Ausdruck. Hier hat er gängige Lieder der Nordstaaten, unter anderem die spätere Nationalhymne „The Star – Spangled Banner“ verarbeitet, die auch im Glashaus voller Inbrunst erklang. Insgesamt 300 Kompositionen soll er in seinem Leben geschaffen haben, 100 davon sind noch erhalten. Sein ruheloses Künstlerleben spielte sich zwischen Südamerika, Karibik und den USA ab. Seine Musik ist harmonisch, außergewöhnlich rhythmisch und hochkarätig virtuos. Nun wurde seine geniale Musik im Glashaus mit großem Erfolg wiederentdeckt.

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