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Naturschutz

20.04.2015

Die Krötenfänger von Buch

Michel Egle und Bennet Spleiß kennen keinen Ekel vor den Amphibien. Stattdessen tragen sie die Tiere über die Straße an ihre Laichplätze. So bleibt der Dorfweiher lebendig

Das kühle Wetter ist vorbei und wer kann, sucht die wärmende Sonne auf. Bei Karl Thoma, Jäger und Naturfreund aus Buch, schrillen dennoch die Alarmglocken: Das bedeutet auch den Beginn der Krötenwanderung. Die Amphibien schlüpfen aus ihren Winterquartieren und sind jetzt in der Natur zu Tausenden unterwegs.

Wer dieser Tage in Buch den Halden- oder Weiherweg hochfährt, sieht sich mit einem ungewöhnlichen Verkehrsschild konfrontiert: „Vorsicht, Kröten“ ist in großen Lettern draufgemalt. Mitten im Siedlungsgebiet Scharen von Erdkröten unterwegs? „Klar, da liegt der kleine Dorfweiher von Buch“, sagt Thoma. Und weil die Amphibien ungeachtet jeglicher Gefahren zum Ablaichen stets an die Stätten ihrer Geburt zurückkehren, wie Michel Egle, 10 Jahre, und Bennet Spleiß, 11, von Thoma wissen, helfen sie den Tieren über die gefährliche Straße zum Wasser. Wegen der Dunkelheit sind sie mit Warnwesten und Taschenlampen ausgestattet.

Karl Thoma hat sich der Pflege des Dorfweihers verschrieben, seit er von Häusern umringt ist und die Verlandung droht. Früher wurde er von einer kleinen Quelle gespeist, doch die ist wegen dem Baugebiet verschwunden. „Jetzt haben wir nur noch einen Himmelsweiher“, sagt Thoma, „es dringt höchstens Druckwasser ein.“ Doch zu einem Teich gehöre, dass Leben in ihm ist, was im Dorfweiher ebenfalls nicht mehr selbstverständlich ist. Der Naturfreund vermutet: „Offenbar haben in den letzten Jahren viele Kröten den Weg zu ihren Laichplätzen nicht mehr geschafft, es ist ruhig geworden.“

„Doch nicht mehr so, wie es schon mal war“, verkünden Michel und Bennet stolz. Tatsächlich, bei beginnender Dämmerung ist ein sonores Unken und Quieken zu vernehmen, unaufdringlicher als bei Fröschen – was für die Buben zugleich „Dienstbeginn“ heißt. Bis zu 60 Kröten täglich fangen sie an den Straßenrändern ab oder retten sie aus Gulli-Schächten, wenn sie hineingefallen sind. Dafür patrouillieren die beiden drei Wochen lang abends zwei bis vier Stunden oberhalb des Weihers, um die vom Schlossberg oder Schießberg her Richtung Wasser strebenden Tiere abzufangen. „Wir machen es gerne, es macht Spaß“, sagen sie.

Michel hält bereitwillig eine Erdkröte in die Höhe, um zu zeigen, wie niedlich sie eigentlich ist. „Manche finden das vielleicht eklig“, sagt er, „dabei handelt es sich um ganz harmlose Wesen.“ Deswegen sind sie auch immer traurig, wenn am nächsten Morgen doch plattgefahrene Tiere auf der Straße liegen.

Unterstützung gibt es von Michels Bruder Robin oder Mutter Antje Egle. Sie erinnert sich noch an früher, als Kröten verabscheut wurden und sie nach der Berührung für Warzen verantwortlich gemacht wurden. „Ist alles Quatsch, die tun niemandem etwas zuleide.“ Wer Bedenken habe, könne Handschuhe anziehen. Die Menschen sollten vielmehr ein Bewusstsein für die Tiere entwickeln und mithelfen, sie zu retten, findet Antje Egle. Nachdenklich sagt sie: „Es wäre doch ein Verlust, wenn alles Leben um den Weiher zugrunde ginge.“

Jahrelang hat Thoma die Kröten selbst eingesammelt und beobachtet: „Sie wandern immer um die Osterzeit herum, sobald es warm ist. Das hängt mit dem Vollmond zusammen.“ Dass Thoma seine Krötenhilfe eingestellt hat, macht sich inzwischen bemerkbar. „Sie sind kaum mehr zu bemerken“, sagen Michel und Bennet, die unweit des Weihers wohnen und schon einen Blick für die Natur haben. Jetzt setzt der Senior Thoma auf sie, indem er seine Naturbegeisterung auf die zwei zu übertragen versucht: „Wäre schade um die Tiere und den alten Dorfweiher, früher hat man daraus das Eis für den Bierkeller geholt.“ Der Krötenlaich sei sogar zu erkennen, da er sich wie Schnüre durchs Wasser ziehe. „Und im Juni, sobald die Krötenbabys vier Beine unter sich spüren“, so der Naturfreund, „drängt es sie ans Land, um auf die Reise zu gehen.“ Da hakt Antje Egle ein: „Das ist erst niedlich, wenn die Krötenbabys unterwegs sind.“ Auch da helfen sie nach Kräften mit und tragen die Jungtiere über die Straße, in die andere Richtung. Gefährlich sei es eigentlich zu jeder Zeit, sagt Thoma, „denn dann sind die Amseln auf der Lauer, um sich die Krötenjungen als Futter für ihren Nachwuchs zu schnappen“.

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