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Buch

31.08.2019

Die Wirte geben auf: Im Januar schließen sie das "Lamm" in Buch

Gert und Gabi Schulze sind Gastronomen aus Leidenschaft. Die beiden betrieben zum Beispiel zwei Jahrzehnte den Schwarzen Adler in Vöhringen.
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Gert und Gabi Schulze sind Gastronomen aus Leidenschaft. Die beiden betrieben zum Beispiel zwei Jahrzehnte den Schwarzen Adler in Vöhringen.

Plus Die Pächter Gabi und Gert Schulze ziehen die Reißleine. Strenge Auflagen des Landratsamtes machen die Bewirtung im Dorfstadl für sie unmöglich.

Im Bucher Landgasthof „Lamm“ gehen vorerst die Lichter aus. Die Pächter Gabi und Gert Schulz schließen die Pforten ihres Restaurants und des angegliederten Dorfstadls am 31. Januar kommenden Jahres – und damit früher als ursprünglich geplant. Denn der Vertrag mit der Gemeinde wäre eigentlich erst 2021 ausgelaufen. Genau der Zeitpunkt, an dem das Ehepaar in Rente gehen wollte.

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Die Entscheidung, jetzt aufzuhören, haben die Wirtsleute nicht leichtfertig getroffen. Gabi Schulze sagt, wesentlicher Grund seien die strengen Auflagen, die das Landratsamt für den Betrieb des Dorfstadls angeordnet hatte. Dadurch seien Probleme entstanden. Am Ende blieben die Festgesellschaften im Stadl aus, erklärt die Wirtin.

Warum das bewährte Konzept der erfahrenen Gastronomen in Buch scheiterte

Sie und ihr Mann, beide 58 Jahre alt und gelernte Gastronomen, hatten vor sieben Jahre das Gasthaus in Buch übernommen. Gert Schulze, Chef in der Küche, und Gabi Schulze, zuständig für den Service und Seele des Hauses, setzten auf ihr bewährtes Konzept, das da hieß – regionale gute Küche mit frischen Produkten bieten, deren Herkunft ihnen wohl bekannt war. Mehl, Eier, Fleisch und was sonst noch zu einer schmackhaften Küche gehört, bezog das Paar aus der engeren Umgebung. Das, was auf den Tisch kam, sollte mit Herzlichkeit serviert werden, damit die Gäste heimisch-schwäbische Gastlichkeit genießen konnten, war die Maxime von Gabi Schulze.

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Kaum einer will im Bucher Dorfstadl feiern

Große Gesellschaften fanden im bis zu 170 Personen fassenden Saal das richtige Ambiente für Feste. Aber damit begann auch der Ärger. Wenn ein Gasthof da steht, wo er in einem Dorf hingehört – nämlich in die Dorfmitte, nahe der Kirche – dann gehen solche größeren Treffen nicht geräuschlos vor sich. So hieß eine der Auflagen des Landratsamts, Türen und Fenster des Saales müssen während der Veranstaltung von einem bestimmten Zeitpunkt an geschlossen bleiben, damit kein Laut nach draußen dringen kann. Außerdem mussten zusätzlich schwere Filzvorhänge zugezogen werden.

Bis zum 31. Januar wird der Betrieb im Gasthof Lamm normal weiter laufen.

Bei sommerlichen Temperaturen von mehr als 30 Grad war das für viele Gäste nicht nachzuvollziehen. Da es keine Klimaanlage im Stadl gibt, kletterte die Temperatur im Dorfstadl schnell auf 35 Grad und mehr. Das bremste bei Besuchern die Festesfreude erheblich. Also blieben sie aus. Dabei hatte die Gemeinde Buch mit viel Aufwand den Dorfstadl geschaffen, der ländliche Gediegenheit und Gemütlichkeit ausstrahlt und Gäste anlocken sollte.

Großveranstaltungen sind wichtig fürs Geschäft

Seit 40 Jahren ist das Ehepaar Schulze in der Gastronomie tätig. Sie fingen beide gemeinsam im Ratskeller in Augsburg an, wechselten dann in den Ratskeller in Ulm und übernahmen dann den Schwarzen Adler in Vöhringen. Dort blieben sie nahezu 20 Jahre. Heute ist dort das Restaurant „Colosseum“ zu finden.

Dass Schulzes jetzt aufhören, tut ihnen weh. „Ich bin so gerne Wirtin“, sagt Gabi Schulze. Es fällt ihr schwer, sich daran zu gewöhnen, dass jetzt Schluss sein soll. Aber wenn der Gewinn ständig zurückgeht, dann müsse man daran denken, die Reißleine zu ziehen, ehe man in die roten Zahlen abrutsche. Denn, so ergänzt Gert Schulze, 70 Prozent des Umsatzes kommen von den großen Veranstaltungen, der Rest vom Restaurant.

So wird es ein schmerzlicher Abschied werden, für das Wirtsehepaar und auch für die Gäste, die regelmäßig am Wochenende zum Essen kamen. „Bis Ende Januar wird unser Betrieb aber voll weiterlaufen“, versichert Gert Schulze. Alle bislang geplanten Veranstaltungen werden wie abgesprochen stattfinden.

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