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Kellmünz

10.10.2020

Die vergessene Burg von Kellmünz

Das Bild in dem 1980 erschienen Buch „Kellmünz - eine Marktgemeinde in Illertal“ zeigt das im Jahr 1632 von den Schweden verbrannte Kellmünzer Schloss nach einer Kopie eines Details der Renlin´schen Illertalkarte von 1593 im Schloss Oberbalzheim.

Plus Die römischen Spuren in Kellmünz sind greifbar – doch nach den Resten der mittelalterlichen Geschichte des Ortes muss man genauer suchen. Es waren vor allem Frauen, die das Geschehen prägten

Die einstige Kellmünzer Burg scheint im Dunkel der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten zu sein. Während im Archäologischen Park die bekannte römische Geschichte des Ortes dargestellt wird, erinnert an die Burggeschichte, die mit bedeutenden Frauen des Mittelalters in Verbindung gebracht werden kann, heute nur noch wenig.

Einen Hinweis auf die Burg gibt es im Bayerischen Denkmal-Atlas. In dieser herunterladbaren Online-Version der Bayerischen Denkmalliste ist bei der heutigen Straße Johannesberg ein „Burgstall des Mittelalters“ verzeichnet. Der Hügel mit dem von der Iller in früheren Jahrhunderten ausgewaschenen Steilhang hatte es nicht nur den Römern angetan, als sie dort oben um etwa 300 nach Christus das Kastell Caelius Mons errichteten. Unweit der römischen Festungsanlage stand später auch eine Burg, die im Laufe ihrer bewegten Herrschaftsgeschichte sogar eine Kaiser-Gemahlin hervorbrachte.

Als die Alaholfinger über Kellmünz herrschten

Nicht umsonst beginnt der Text in dem 1980 erschienenen Buch „ Kellmünz – Eine Marktgemeinde im Illertal“ mit diesen Worten: „Große Erinnerungen knüpfen sich an den Burghügel von Kellmünz“. So eben zum einen die im Jahr 1900 beim Wasserleitungsbau zufällig entdeckte und später archäologisch erforschte römische Vergangenheit.

Als etwa in der Mitte des fünften Jahrhunderts die römischen Truppen abziehen, scheint sich zunächst Dunkelheit über die Kellmünzer Geschichte zu legen. Erst mit den Alaholfinger, genauer den Nachfahren dieses altalemannischen Herzogsgeschlechts, rückt der Ort wieder ins Licht.

Die Güter des letzten Alaholfingers und damit auch die Herrschaft Kellmünz kommt um 980/990 über Gerberga, Herzogin und Tochter von Konrad, des Königs von Burgund, an ihren Gemahl Herzog Hermann II. von Schwaben. Als deren Sohn Hermann III. im Jahre 1012 kinderlos stirbt, gelangt der Hauptteil des alaholfingischen Erbes (und damit wiederum Kellmünz) an seine Schwester Gisela. Die zweifache Witwe heiratete dann in dritter Ehe den Salier Konrad, der im Jahre 1027 als erster Salier zum Kaiser gewählt wurde. Die Erbin und Herrin von Kellmünz, die als „hochstrebende und hochgemute Frau“´ beschrieben wird, war zur Kaiserin aufgestiegen.

In dem Buch über Kellmünz steht dazu: „Gewiss das bedeutendste Ereignis, das auf der ruhmreichen Kellmünzer Burg je gefeiert werden konnte“. Ob Gisela in Kellmünz geboren wurde oder hier öfters residiert hat, ist nicht überliefert. Doch Kellmünz soll in dieser Zeit noch Mittelpunkt eines ehemals großen alaholfingischen Herrschaftsbezirkes gewesen sein. Im Jahre 1043 stirbt Gisela in Goslar. Ihr Grab befindet sich im Dom zu Speyer, neben ihrem Gatten Kaiser Konrad II.

Gräfin Bertha von Kellmünz: Heißblütig, tüchtig und wohltätig

Ein paar Jahrzehnte später tritt eine weitere bedeutende Frau ins Licht der Geschichte, nämlich Bertha. Denn im Jahr 1056 gelangt nach dem Tod von Giselas Sohn, Heinrichs III., die Herrschaft Kellmünz über dessen Tochter Mechthild an Rudolf von Rheinfelden, Herzog von Schwaben. Er gibt sie im Jahr 1080 an seine Tochter, Gräfin Bertha weiter.

Heutiger Blick von der Illerbrücke auf den einstigen Burghügel. Oben am Berg ist die Kellmünzer Martinskirche zu sehen. Links davon stand die Kellmünzer Burg (heute Straße Johannesberg)

Sie heiratet Graf Ulrich X. von Bregenz. Bertha, die als wohltätig und zudem als „heißblütig und tüchtig“ beschrieben wird, soll im Jahr 1108 selbst in der Schlacht bei Jedesheim gegen den Grafen von Kirchberg mitgekämpft haben. Bertha hat demnach offenbar oft in ihrem Stammsitz in Kellmünz gewohnt. Ihr Todesjahr wird in der Kellmünzer Chronik mit 1133 angegeben.

Durch ereignisreiche und auch kriegerische Jahrhunderte nimmt die Burggeschichte ihren Lauf. Wieder durch weibliche Erbfolge gelangt Kellmünz später an die Pfalzgrafen von Tübingen. 1165 wurde die Kellmünzer Burg völlig zerstört. Anlass war eine Fehde des Pfalzgrafen mit dem Welfen Welf VII. Im 14. Jahrhundert beginnt die lange Herrschaftsgeschichte derer von Rechberg. 1632 wird das Kellmünzer Schloss während des Dreißigjährigen Krieges von den Schweden in Brand gesetzt. Erst 1809 wurde die Burgruine dann im Auftrag von Fürst Schwarzenberg – dieser kaufte die Herrschaft Kellmünz Ende des 18. Jahrhunderts für 700 000 Gulden – endgültig abgerissen.

Heute erinnert zumindest das Kellmünzer Gemeindewappen noch an die einstigen Herrschaften: Die Sturmfahne stammt aus dem Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen. Und der Löwe ist das geminderte Wappen der Herren von Rechberg.

Das Wappen der Gemeinde Kellmünz erinnert an frühere Herrschaften.
Bild: Zita Schmid

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