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Soziales

26.05.2015

Ein Abend voller Emotionen

Vertreter des Landratsamtes diskutierten am Freitag in Altenstadt mit Bürgern über das Thema Asyl.
Bild: Schuster

Altenstadter fühlen sich in Asylfragen schlecht informiert. Nun will der Markt reagieren

Ihr Kopf ist rot und die Stimme zittert, als es die Anwohnerin der Altenstadter Kaulastraße nicht mehr auf ihrem Sitz hält. Man habe ja nichts gegen die Unterbringung von Asylbewerbern in der Nachbarschaft, sagt sie. „Aber warum hat uns niemand früher informiert?“ Um sie herum zustimmendes Kopfnicken.

Ängste, Sorgen, Vorwürfe, Wut. Nur wenige Tage ist es her, dass 138 Bürger ihre Unterschrift gegen die Unterbringung von bis zu 29 Asylbewerbern in einem Wohnhaus im Südwesten der Gemeinde abgegeben haben (wir berichteten). Weil sie sich vom Landratsamt nicht nur überrumpelt und schlecht informiert fühlten, sondern weil sie auch der Meinung sind, dass die Unterbringung von so vielen Menschen in einem Wohnhaus mit rund 200 Quadratmetern Wohnfläche zu viel ist.

Nun sitzt ein Teil davon in der Altenstadter Winkle Kantine und macht seinem Ärger Luft. Gemeinsam mit rund 140 anderen Bürgern der Gemeinde. Sie alle diskutierten am Freitag während einer Infoveranstaltung mit Vertretern des Landratsamtes, dem Helferkreis der Arbeiterwohlfahrt ( Awo) und Bürgermeister Wolfgang Höß über das Thema Asyl. Es wurden Erfahrungen, Sorgen und Ängste ausgetauscht und viele Fragen gestellt. Vor allem aber kamen diejenigen zu Wort, um die sich der gesamte Abend eigentlich drehte: die Asylbewerber, die seit einiger Zeit in der Marktgemeinde leben. Sie schilderten ihre Geschichten und ihre Erfahrungen, die sie bislang in Deutschland gesammelt haben. Auch wenn die Stimmung am Ende etwas gelöster war – einige Kritikpunkte blieben. Vor allem die Informationspolitik des Landratsamtes wurde scharf kritisiert.

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In einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ habe man die Anwohner vom Einzug der Flüchtlinge im Nachbarhaus informiert, sagte ein Bewohner. Damit kritisierte er nicht nur die Vertreter des Landratsamtes, sondern auch Bürgermeister Wolfgang Höß. Letzterer wiederum bekräftigte, selbst nur wenige Tage zuvor vom Einzug der Asylbewerber erfahren zu haben. „Der Informationsfluss ist wahnsinnig knapp“, erklärte der Bürgermeister und sprach sich selbst für eine bessere Informationspolitik zwischen Landratsamt und Bürgern aus. „Wir wollen alle mehr wissen, was passiert.“

Roland Bürzle, stellvertretender Landrat, konnte das zwar nicht versprechen, denn auch das Landratsamt bekomme die Asylbewerber kurzfristig zugeteilt. Dann gelte es, schnellstmöglich die passende Unterkunft zu finden. Dennoch gab Bürzle zu, dass „der Informationsfluss in diesem Fall hätte besser sein können“. Dem Vorwurf, dass die Belegung des Wohnhauses mit möglicherweise bis zu 29 Asylbewerbern zu dicht sei, entgegnete der stellvertretende Landrat mit dem akuten Mangel an verfügbaren Unterkünften. „Wir sind jetzt schon so weit, dass wir Flüchtlinge in einer Turnhalle unterbringen müssen.“ Auch diesen Schritt hätte man gerne vermieden.

Derzeit leben 55 Asylbewerber in Altenstadt. In besagtem Wohnhaus im Südwesten der Gemeinde sind es nach Angaben des Landratsamtes derzeit 15. Unterstützt werden sie vom Helferkreis der Awo – der mittlerweile an seiner Belastungsgrenze angelangt sei, wie stellvertretender Vorsitzender Tobias Steidle sagte. „Jetzt ist die örtliche Gemeinschaft gefragt“, sagte Bürgermeister Höß. Es sei ein Grundsatz der Menschlichkeit, anderen zu helfen, die auf der Suche nach Asyl sind. Um in Altenstadt Struktur in die Hilfe für Asylbewerber zu bekommen, soll am Donnerstag im Marktrat über die Bildung eines Beirats für Asylfragen beraten werden. "Seite 33

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