Historisches

02.02.2015

Lichtmess, bei Tag ess!

Zeichner Kranl nimmt schon 1949 den zunehmenden Verkehr aufs Korn

Welche Bedeutung das Datum vor vielen Jahren hatte

„Lichtmess, bei Tag ess!“, besagt eine alte Bauernregel. Die Sonne steigt höher, und die Sonnenstunden werden seit der Wintersonnenwende um eine Stunde länger. Dies freute schon vor 140 Jahren, also um 1875, die Bewohner der Babenhauser Wintergasse, wie die jetzige Fürst-Fugger- Straße damals hieß. An Lichtmess, dem 2. Februar, kamen erstmals wieder die Sonnenstrahlen über den First des Zehntstadels, des Bräuhauses und die damals noch viel höhere Kirchenmauer.

Die einst viel niedrigeren Häuser am nördlichen Rand der Straße lagen lange Zeit des Jahres im Schatten der Schlossgebäude, und daher wurde die Straße schon in alten Ortsplänen als „Wintergasse“ bezeichnet, nicht zuletzt auch deswegen, weil durch sie aus dem Osten der „Bayer-Wind“ pfiff, was er auch heute noch tut.

Von Lichtmess 1875 ist ein Brief von Babenhauser Bürgern aus der Stadtgasse erhalten, den sie „zum ersten Sonnenstrahl des Jahres 1875“ ihren Freunden in der Wintergasse mit folgendem Gedicht sandten: „Willkommen schöne Sonne! / Willkommen, vivat hoch! / Nach vielen trüben Tagen / Zeigst Du Dich wieder doch / Die lang entbehrte Freundin / Viel Küsse ohne Zahl! / Gelobet und gepriesen / Sei Deiner Anmuth Strahl! / Zur Wintergasse wieder / Schickst Du nun deinen Schein / Erwärmst und lachest wieder / Uns Gäßler, Groß und Klein!“

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Der Postexpeditor Andreas Knoll, der Kaufmann Kasimir Schild, der Uhrmacher Andreas Zettler, der Sonnenwirt Gustav Rüdiger, der Kaufmann Heinrich Engel und der Apotheker Kühn freuten sich über den ersten Sonnenstrahl, und diese Freude teilen auch heute, im Jahr 2015, die Babenhauser mit den „Gäßlern“ in der früheren Wintergasse, der heutigen Fürst-Fugger-Straße.

In diesem Zusammenhang ist eine Karikatur aus der Illertisser Zeitung vom 24. Juni 1949 interessant, mit der der Zeichner Kranl mit der Unterschrift „Die Technik beherrscht die Welt – Und die Menschen räumen das Feld“ ein Horrorszenario auf der Babenhauser Fürst-Fugger-Straße darstellte.

Der Zeichner zeigt die Verkehrssituation von Osten her gesehen an der Engstelle des Schneckenturms und dem damals noch stehenden alten Pfarrhof. Die Fußgänger flüchten vor dem Verkehr auf der Straße (Bundesstraße 300) an die Kirchenmauer, auf die Treppe des Pfarrhofs und hinter die Stützmauer des „Schnauzelgrabens“.

Die Engstelle wurde mittlerweile durch die Versetzung des Pfarrhofes etwas entschärft. Interessant wäre es zu wissen, wie der Zeichner die heutige Verkehrssituation darstellen würde.

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