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Musik

21.02.2015

Mit ruhiger Hand und guten Noten

Die Handschrift von Hans Gutter bei den Produktionen des Liederkranzes ist unverkennbar. Er arrangiert zum Teil die Kompositionen so um, dass sie auf den Chor exakt zugeschnitten sind.
Bild: Ursula K. Balken

Wie Liederkranz-Dirigent Hans Gutter einst von der Straße weg für den Chor engagiert wurde, warum seit geraumer Zeit große Produktionen möglich sind und wie er es mit der Perfektion hält

Wenn Hans Gutter im Stadtrat etwas gegen den Strich geht und er sich dementsprechend äußert, dann wechselt er die Tonlage, und sein Beitrag entbehrt nicht einer gewissen Schärfe. Es kommt allerdings selten vor, und von dieser Seite kennen ihn seine Sänger aus dem Vöhringer Liederkranz auch nicht. Er ist in seinem Streben nach Perfektion in seiner Chorarbeit äußerst akribisch, dabei ein Meister der Geduld, behält die Ruhe, auch wenn die Probe musikalisch mal nicht so ausfällt, wie sich Dirigent Gutter das gedacht hat. 33 Jahre steht er nun am Pult der Chorgemeinschaft und hat sie in den vergangenen Jahrzehnten zu Erfolgen geführt, die bis über die Grenzen der Stadt Vöhringen hinaus für Gesprächsstoff sorgten.

Musikalität wurde Hans Gutter, 63, buchstäblich in die Wiege gelegt. Mit fünf Jahren erhielt er Klavierunterricht. Der Papa leitete den Männerchor Illerberg/Thal, da lag es nahe, dass sich Sohn Hans auch mit Musik beschäftigte. Und das tat er gründlich. Er legte 1977 sein Staatsexamen für Musik ab, besuchte Chorleiterkurse des Schwäbisch-Bayerischen Sängerbundes – heute Chorverband Bayerisch-Schwaben – und absolvierte mit Erfolg das Chorleiterexamen. „Dazu gehört ein Jahr Vorbereitung, jeden Samstag an den Lehrgängen teilzunehmen, dann eine Prüfung abzulegen in Harmonielehre, Klavierspielen, Stilkunde, Kompositionslehre und vom Blatt singen können.“ Beruflich trat Gutter in die Fußstapfen seiner Vorfahren, die Großeltern und der Vater waren Lehrer, die Geschwister ebenfalls. Heute ist er Direktor an der Johannes-von-La Salle-Realschule in Illertissen. Auf die Frage, ob Lehrer zu sein heute schwieriger sei als früher, antwortet Gutter: „Die Zeiten haben sich geändert.“ Aber er lässt sich von dem Leitgedanken Adolph Kolpings leiten, der gesagt hat: „Wenn ihr sie (die Kinder) nicht liebt, werdet ihr sie nicht verstehen.“

Zum Liederkranz kam er als Sänger. „Ich bin auf der Straße vom einstmaligen Vorstand German Rapp, Kurt Konle und Hans Kuhn angesprochen worden. Sie waren auf Sängersuche. Hans Gutter ging „zum Schnuppern“ hin, wie er sagt. Aus dem Schnuppern wurden 33 Jahre. Denn als der damalige Dirigent Heinrich Tittus plötzlich starb, stand es für den Männerchor Liederkranz fest: Hans Gutter wird Nachfolger. Das nötige Rüstzeug hatte er ja.

1981 gründete Gutter einen Frauenchor, „das war eine echte Marktlücke.“ Mancher Mann, auch wenn er sich das heute nicht mehr eingestehen mag, hatte wohl ein Problem damit, dass nun auch die holde Weiblichkeit mit dabei war. Aber das ist längst Geschichte, über die sich allerdings hübsch plaudern ließe. Ein gemischter Chor lässt musikalisch wesentlich mehr zu, das Liedgut wird farbiger. Und – das war wohl das Entscheidende – es wurden große Produktionen wie „Die Zehn Gebote“ möglich.

Das erste Musical, welches der Liederkranz auf die Bühne brachte, war „Cats – Vöhringer Katzen“, ganz auf örtliche Verhältnisse zugeschnitten. Mit dabei auch ehemalige Schülerinnen, die heute beruflich in der Musik zu Hause sind. Gutter nutzte bei weiteren Produktionen seine Beziehungen, die dann die Aufführungen anreicherten. Unvergessen sind die Skateboarder in „Ein Schuss aus Klang, ein Fluss aus Licht“, die mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die Reihen im Saal des Kulturzentrums fegten. Er verbringt viel Zeit mit der Ausarbeitung der Regie daheim in seinem privaten Studio. Aber dieses Engagement für eine Sache wäre nicht möglich, wenn nicht Ehefrau Caroline hinter ihm stünde, „die hält mir den Rücken frei.“

Die Produktionen sind aufwendig. Aber wenn Chorleiter Gutter sieht und hört, wie die Sängerinnen und Sänger mit ihren Aufgaben wachsen, auswendig singen, dann ist das eine bewundernswerte Leistung. Woher bekommt Gutter seine Ideen zu den großen Produktionen? Eine Frage, für deren Beantwortung er sich etwas Zeit lässt. „Bewusst, hören, sehen und riechen. Man muss diese Impulse aufnehmen. So entstehen Ideen, die zu Gedanken werden und dann zu einem Stoff umgewandelt werden.“ Und was kommt als Nächstes? Da lächelt Hans Gutter nur vielsagend.

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