1. Startseite
  2. Lokales (Illertissen)
  3. Perfekt inszeniertes Spiel

Konzert

24.02.2016

Perfekt inszeniertes Spiel

Cassandra Wyss aus Liechtenstein hat als Pianistin im Barocksaal in Illertissen überrascht und fasziniert. Bei aller Perfektion auf der Bühne zeigte sich die junge Künstlerin im direkten Gespräch natürlich und spontan.
Bild: Regina Langhans

Die Pianistin Cassandra Wyss verblüfft und fasziniert am Flügel

Eine junge Pianistin hatte der Freundeskreis für „Kultur im Schloss“ mit Cassandra Wyss angekündigt – aber dann sah sich das Publikum von ihrem perfekt inszenierten Spiel überrascht. Der Barocksaal war ausverkauft, zuletzt sparten die Zuhörer nicht mit Applaus.

Davor herrschte gespannte Erwartung, welche die 1993 in Lugano geborene Pianistin und Sängerin in Ballkleid mit Noten-Dessin schon beim Betreten des Podiums aufbaute. Auf dem Programm standen Chopin und Sibelius.

Nach Augenblicken der Konzentration eröffnete Cassandra Wyss den Abend mit dem „Grande Valse brillante“ in As-Dur, einem der populärsten Werke, die Frédéric Chopin 1833 komponiert hatte. Spritzig-frech und mit hoher Präzision wurde Wyss den technischen Herausforderungen gerecht. Das Publikum hing noch dem Verklingen der Töne nach, statt sofort zu applaudieren, als die Künstlerin den Moment unterbrach, sich dem Publikum zuwandte und über ihre Liebe zur Musik sprach. Als Dreijährige sei sie fasziniert gewesen von der Oper „Carmen“ und durch ihren Gesangunterricht auf das Klavierspiel gekommen. Ihr nächstes Stück war die Nocturne in Des-Dur von Chopin und später dessen Nocturne in c-Moll. „Nachtstücke“, wie sie sagte, welche auf die zwei Seiten des Komponisten hinweisen. Vielleicht auch auf die eigene Vorliebe, Kontraste und Akzente zu setzen. Cassandra Wyss intonierte sehr melodisch, tastete sich an die Tonfolgen heran und ließ den Klang langsam in den Raum entweichen. Mit der Haltung ihres ganzen Körpers schien sie das Verhallen zu begleiten, bis Stille eintrat und das Publikum zu klatschen begann.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Zwischen den Nocturnes spielte die Künstlerin zehn Préludes aus einem 24-teiligen Kompositionszyklus von Chopin um 1839 und bewies dabei große technische wie stimmungsmäßige Flexibilität. Auf den Romantiker Chopin ließ Wyss den Spätromantiker Jean Sibelius folgen. „Seine Klavierstücke verraten ihren Ursprung im Orchester“, so Wyss, „der Komponist denkt orchestral, wie ein Dirigent.“ Der finnische Tondichter hat es der Pianistin angetan, die ihr Spiel auch aus der Perspektive der Sängerin begreift und mit ähnlich umfassendem musikalischen Ansatz heranging.

Wyss bot die Romanze in Des-Dur in überaus dynamischen, farbigen Tonfolgen. Dem schloss sich der berühmte „Valse triste“ von 1903 an mit verschlungenen Tonrepetitionen, schweren Akkorden und viel Tremolo für die linke Hand. Die Pianistin schien sich systematisch durch die herbe Melodik zu arbeiten. Längst hat sie die anfangs gebotene musikalische Gefälligkeit gegen eine schwerblütige Farbgebung des an der Schwelle zur Moderne stehenden Tondichters eingetauscht. Diese fand mit der, wiederum von Sibelius selbst für Klavier arrangierten sinfonischen National-Dichtung „Finlandia“ von 1899 einen mitreißenden, kraftvollen Höhepunkt.

Wyss – demnächst als Sängerin in der „Rosenkönigin“ im Romantik-Theater im Weinviertel – bedankte sich für anhaltenden Applaus mit Franz Liszts dritter „Consolation“.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_2126.tif
Illertissen

Am Illertisser Ortseingang steht eine neue Ampel

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen