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Meisterpianist

14.06.2011

Überragende Spielkultur

Bild: Foto: ch

Benjamin Moser spielt Beethoven, Brahms und Liszt

In der Reihe „Junge Künstler musizieren“ von „Kultur im Schloss“ bewies der von seinen Eltern gleich zweifach musikalisch vorbelastete Pianist Benjamin Moser beachtliche technische und gestalterische Reife. Vor Jahren war er bereits hier. Beim neuerlichen Auftreten bot er ein anspruchsvolles Programm, das die Hörer zutiefst bewegte.

Zweimal Beethoven zu Beginn. Der Komponist war nur wenig älter als sein Interpret, da schrieb er an den Verleger, mit seinen Variationen op. 34 „etwas ganz Neues“ geschaffen zu haben. Das Thema wird in unterschiedlichster Weise abgewandelt, immer wieder aus anderer Sicht beleuchtet. Welch kühnes Unterfangen, das Ganze in sechs verschiedenen Tonarten und mehrfach wechselnden Taktarten zu konzipieren. Moser verwies in kurzen Worten auf Besonderheiten und differenzierte die Sätze klanglich mit klarer Artikulation.

Äußerstes Maß an Klangintensität

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Welcher Gegensatz danach: Auch in seiner letzten Sonate, Nr. 32 op. 111, in der Beethoven nach gewaltigen Klangballungen und aufwühlendem Laufwerk zu einer in ihrer Schlichtheit bezaubernden Melodie findet, wird die Variation Ausdruckmittel, hier jedoch bis ins Letzte verfeinert. Das Thema verästelt sich zu immer kleineren, die ganze Tonskala beanspruchenden Notenwerten, ehe es, Abschied nehmend, verebbt.

In Mosers Vortrag beeindruckte vor allem, dass er dem Flügel ein äußerstes Maß an Klangintensität abfordert, ohne ihn je überbeanspruchen zu müssen. Das zeigte sich vor allem in dem mit donnerndem Bassrollen und heroischen Fanfaren ausgestattetem Trauergesang, Liszts „Funerailles“, einer Art symphonischer Dichtung für Klavier. Durch beispielhafte Anschlagskultur und feinsinnig überlegten Pedaleinsatz wurden selbst kleinste Härten vermieden. Und sogar bei gewaltigen Fortissimo-Ausbrüchen war die führende Stimme deutlich herausgehoben. Derartiges Ausbalancieren kam auch den drei Intermezzi aus op.118 von Johannes Brahms zugute, mit denen Moser die verschiedenen Wesensarten des Komponisten, Enthusiasmus, Innigkeit und Traurigkeit einfühlsam herausstellte.

Anlässlich des 200. Geburts- und 125. Todestags von Franz Liszt bildete die prächtige Transkription von „Isoldens Liebestod“ aus Richard Wagners Tristan und Isolde den großartig ausgeleuchteten Abschluss des Programms. Das wurde noch durch ein ebenso virtuoses wie klanggesättigtes Präludium von Sergej Rachmaninoff ergänzt und endete mit Bachs erhebendem „Jesus bleibet meine Freude“.

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