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Babenhausen

21.04.2019

Unvergessene Eindrücke aus dem "Heiligen Land"

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3 Bilder
Eine unvergessene Pilgerreise: 47 Menschen aus der Region haben im Jahr 1999 eine Pilgerreisenach Israel unternommen. 20 Jahre später trafen sie sich, um das Erlebte noch einmal zu teilen.

Vor 20 Jahren unternahmen 47 Menschen aus der Region mit dem Kirchhaslacher Pfarrer eine besondere Fahrt nach Israel. Von den Eindrücken zehren sie bis heute.

Es war ein Erlebnis, das Roswitha Lutzenberger noch heute gegenwärtig ist. Frühmorgens um sechs Uhr ist sie im März 1999 mit ihrer Pilgergruppe durch die Gassen der Via Dolorosa, den nach dem Leidensweg Jesu benannten Prozessionsweg in Jerusalem, gegangen. In Gebete und Gedanken vertieft, ist die Gruppe anschließend mit brennenden Kerzen in die Grabeskirche eingezogen. „Das helle, strahlende Licht, das uns dort entgegen flutete, war einfach unbeschreiblich“, sagt die Kirchhaslacherin: „Es hat uns erfüllt mit überbordender österlicher Freude und Dankbarkeit.“

Obwohl ihre gemeinsame Pilgerreise mittlerweile 20 Jahre zurückliegt, haben Roswitha Lutzenberger und die weiteren 47 Teilnehmer diese Tage noch heute fest in Erinnerung. „Wer Glück hatte, konnte damals sogar das von einem Aufseher bewachte Heilige Grab für ein paar Minuten betreten, erinnert sich Lutzenberger. Vor allem zu Ostern habe sie diese Bilder noch so deutlich im Kopf, als wäre die Reise erst gestern gewesen.

Die Grabeskirche in Jerusalem war damals eines der Ziele.
Bild: Foto: S. Järkel/dpa

Bei Hanne Linder hat sich vor allem der Sonnenaufgang auf dem Berg Sinai im Gedächtnis eingeprägt. „Als wir nachts um 3.30 Uhr von unserer Herberge aufgebrochen sind, war es noch dunkel. Am Katharinen-Kloster haben wir uns zu Fuß oder auf Kamelrücken an den Aufstieg gemacht, bei dem wir 750 Höhenmeter bewältigen mussten“, berichtet die Kettershauserin. „Der Vollmond strahlte in seiner ganzen Pracht vom Himmel, sodass wir keine Taschenlampen benötigten.“ Trotz des eisigen Windes und des Gedränges um einen Gipfelplatz sei ihre Freude über die aufgehende Sonne, die kurz nach 6 Uhr in Sekundenschnelle die Bergspitzen rot färbte, riesig gewesen. „Als wir anschließend an einem Hang unter dem Leitgedanken „der brennende Dornbusch“ einen Gottesdienst feierten, schien uns der Himmel über der unendlichen Weite der Sinai-Wüste ganz nah“, schwärmt Linder noch heute.

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So wie den beiden Frauen geht es auch den anderen Wallfahrern, die Anfang März 1999 gemeinsam mit dem ehemaligen Kirchhaslacher Pfarrer Johann Wagner eine Pilgerfahrt ins Heilige Land angetreten sind. 15 Tage lang sind die teilweise aus dem Unterallgäu, etwa aus Babenhausen und Ottobeuren, sowie aus Augsburg, Unterrieden, Vöhringen und Bellenberg stammenden Teilnehmer auf den Spuren gepilgert, die vor rund 2000 Jahren Jesus Christus gegangen ist.

Auch der Berg Sinai wurde von den Pilgern im Jahr 1999 besucht – 20 Jahre danach sind die Eindrücke noch präsent.

Da Pfarrer Wagner das Heilige Land aus vielen Reisen fast wie seine Westentasche kannte, hat er seine Begleitern an viele Orte geführt, deren Namen ihnen zuvor nur aus der Kirche oder der Bibel bekannt waren: den See Genezareth, die Städte Bethlehem, Kafarnaum, Kana, Nazareth, Caesarea und den Petrihafen. Ein Erlebnis für die Pilgern war außerdem die Besichtigung der Geburtsgrotte Jesu und auch ein Bad im Toten Meer.

Im Gedenken an das Leben und Leiden Jesu haben sie mit dem Geistlichen an vielen Orten Gottesdienste gefeiert. „Obwohl bei unserer Schifffahrt über den See Genezareth das Wasser ganz ruhig war, haben wir in Gedanken den starken Sturm erlebt, der die Jünger Jesu einst in Angst und Schrecken versetzt hat“, erinnert sich Linder.

Aus der Gruppe wurde eine große Familie

Die zweiwöchige Reise hat nicht nur zahlreiche Freundschaften geknüpft, sondern die Pilgergruppe wie eine großen Familie zusammengeschweißt. „Wir haben sowohl einmalige Erlebnisse als auch manche Strapazen miteinander geteilt und sind uns bei Problemen gegenseitig beigestanden“, berichtet Hanne Linder: „Als sich eine Teilnehmerin das Fersenbein gebrochen hat, haben wir sie ins Krankenhaus begleitet und nach der Operation umsorgt, sodass sie die Reise mit unserer Unterstützung fortsetzen konnte.“

Bereits wenige Wochen nach ihrer Rückkehr hat sich die Israel-Pilgergruppe wieder getroffen. Beim geselligen Beisammensein haben die Frauen und Männer ihre Fotos und Erinnerungen ausgetauscht. Gleichzeitig wurden schon die nächsten Zusammenkünfte vereinbart. Mittlerweile treffen sich die „Israelis 99“ acht bis zehnmal im Jahr. Meistens ist ihr damaliger Reiseleiter, Pfarrer Johann Wagner dabei, der heute sei nen Ruhestand in Ursberg verbringt.

Längst gibt es ein festes Programm

„Wir haben im Laufe der 20 Jahre ein festes Programm entwickelt, das ich unserer Gruppe bereits mit der Weihnachtspost zuschicke“, verrät Roswitha Lutzenberger. Im Januar werden Krippenausstellungen besucht, in der Fastenzeit gemeinsam Kreuzwege gebetet und im Mai Marienandachten in Grotten gefeiert. Als Pilgergruppe mit Pfarrer Wagner öffnen sich ihnen viele Türen zu Kirchen und Kleinoden, die für Privatleute nicht oder nur sehr schwer zugänglich sind.

Auch die runden Geburtstage von Pfarrer Wagner oder Mitgliedern ist Anlass für regelmäßige Treffen. „Nach zwei Jahrzehnten kennen wir uns mittlerweile wie gute Freunde und tauschen uns über unser Leben sowie Freud und Leid aus“, sagen Lutzenberger und Linder. Die Frauen sind sich einig – es sei eine unvergessliche Reise gewesen: „Bei jedem unserer Treffen stehen Erinnerungen und Dankbarkeit für die gemeinsam erlebte Pilgerreise im Mittelpunkt.“

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