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Kabarett

26.05.2015

Von Alkoholika, Ökofallen und fairen Kondomen

Philipp Weber mit einem Trommelfeuer an Wortspielen.
Bild: Fritz Settele

Vom Trinkverhalten bis zur Ökokatastrophe: Philipp Weber hält der Gesellschaft den Spiegel vor. Dabei hat er eine Marktlücke entdeckt

Ein Trommelfeuer an Wortspielen prasselte auf die Besucher von „Durst – Warten auf Merlot“ mit dem Kabarettisten Philipp Weber im Theater am Espach ein. Dabei strapazierte er fast drei Stunden lang nicht nur die Lachmuskeln, sondern auch die Hirnwindungen der Besucher, die sich mit ökologischen Themen auseinandersetzen mussten. Zentraler Punkt war dabei die Trinkkultur der Deutschen.

Für Weber ist Trinken das wichtigste Thema überhaupt, schließlich ist dies des Babys erste Tätigkeit, wobei die Verpackung meist den Inhalt übertreffe. Noch schlimmer sei aber das Billigbier. Das könne nach seiner Meinung höchstens als lauwarmer Einlauf genutzt werden. Zudem befürchtet Philipp Weber, dass angesichts der Dominanz von Dr. Oetker in der Bierbranche der Gerstensaft bald in Pulverform ausgeliefert werde.

Besonders kritisch ging der Kabarettist auch mit dem Gütesiegel „fair“ um, mit dem heutzutage alles besiegelt wird, sogar Kondome und die Ökobewegung in Form seiner Freundin. So erinnert der Sauerkrautsaft seiner Liebsten schon eher an „Ohrenschmalzbrot“. Da lobe er sich schon die Heilkraft seines Bieres. Allerdings führe das bei mancher Wallfahrt, bei einer Überdosierung, zu mehrfachen Marienerscheinungen. Dazu passt auch der „Adventsballermann“, sprich der Nürnberger Christkindlesmarkt, oder die Oma, die zur Ü-80-Party zum betreuten Trinken wankt. Skeptisch sieht er den Trend zu alkoholfreiem Bier. Nach seiner Anschauung ist Bier ohne Alkohol wie ein BH auf der Wäscheleine.

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Äußerst kritisch geht er mit „Red Bull“ ins Gericht, das wie der „Morgenurin eines zuckerkranken Gummibärchens“ schmeckt und man von innen kandiert. Genauso wenig gehört Wasser zu Webers Lieblingsgetränken, denn „hätte Gott gewollt, dass der Mensch Wasser trinkt, dann hätte er nicht so viel davon versalzen“. Und wenn eine Werbung von lebendigem Wasser spricht, so wäre das früher ein Fall für das Gesundheitsamt gewesen. Apropos Wasser – hier hatte Weber eine Marktlücke entdeckt, nämlich aus der Günz abgefülltes „Babenhauser naturtrüb“.

Den überzogenen Erdölverbrauch kritisierte er im Theater als die Katastrophe der heutigen Zeit. Und da für Kleidung sehr viel Energie und Wasser verbraucht werde, stellte er im Umkehrschluss fest, dass Stringtangas viel umweltfreundlicher seien als Kittelschürzen. Und schon einmal bei der Ökobilanz forderte er das Verbot von Nespresso-Kapseln, auch wenn er selbst die Kaffeevollautomaten nicht versteht.

In seinem Stück „Durst – Warten auf Merlot“ prangerte Weber zudem die weltweite Trinkwasserverschmutzung an, welches die häufigste Todesursache sei. Zudem belasten Medikamente das Wasser über Gebühr. Diesbezüglich bezeichnete er Ärzte und Apotheker als größte „Dealer“. Außerdem langen die sogenannten Leistungsträger der Gesellschaft auch beim Alkohol kräftig zu.

So gebe es Krankenhäuser, in denen die Chefarztvisite als Polonaise durch das Krankenhaus schwanke und in manchen Flugzeugen wisse man als Passagier nicht immer, wer mehr tankt – der Pilot oder das Flugzeug.

Genau hinhören hieß es bei Webers maschinengewehrartigem sprachlichen Beschuss des Publikums, um die zahlreichen – mehr oder weniger versteckten – Nadelstiche zu verstehen. Und dies galt auch für die Zugabe, nämlich einem kurzen Querschnitt durch sein Vorgängerprogramm „Futter – streng verdaulich“. Unverhohlen äußerte er dabei Kritik an der Internationalisierung der Gastronomie.

Auch wenn der mahnende Zeigefinger in zahlreichen Pointen versteckt war, so ließen sich seine Forderungen bei allem Lachen nicht überhören – eine gut gemachte und bestens verpackte Sozialkritik.

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