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Illertissen

07.09.2019

Was vom Sommertheater in Illertissen übrig bleibt

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2 Bilder
Auch Scheinwerferscheiben bestehen aus Glas, das geputzt werden will.

Die Mitglieder der Schwabenbühne räumen am Vöhlinschloss auf. Die vorläufige Bilanz ist zufriedenstellend. Unklare Wetteraussichten haben wohl Gäste abgeschreckt.

Das Spiel ist aus, die Schweinwerfer werden abgenommen und der Kulissenvorhang eingerollt. Die Freilichtsaison am Illertisser Schloss ist mit der Derniere, also letzten Aufführung der Gruselkomödie „Dracula“ Ende August ausgeklungen. Dirk Tiefenbach, Vorsitzender der Schwabenbühne, ist zufrieden. „Angesichts der Gesamtauslastung von rund 60 Prozent – insgesamt 6661 Zuschauer – hätten es aber etwas mehr sein können“, sagt er. Das Wetter war wohl oft unsicher. An heißen Tagen hätten die Gäste an der Abendkasse Schlange gestanden. Das Spiel der Erwachsenen war zu 59 Prozent ausgebucht, das der Jugend ohne ausverkaufte Schulvorstellungen zu 58 Prozent.

Für die Mimen der Schwabenbühne hat aber jede Spielzeit ein Nachspiel: Erst stehen sie gefeiert im Rampenlicht – dann sind sie ihre eigenen Bühnenarbeiter und bauen die schöne Scheinwelt wieder eigenhändig ab. Im Winter geht es mit der Wanderbühne auf Tournee und im Sommer dann wieder auf die Freilichtbühne.

Vom Bühnenstar zum Bühnenarbeiter

So öffnet sich noch ein anderer Blick hinter den Kulissen, wenn Josef Hutzler, vormals Graf Dracula, nun mit seinen, ebenfalls in die wirkliche Welt zurückgekehrten Ex-Vampiren die Scheinwerfer am Tribünendach abmontiert. Oder Dracula-Gattin Andrea Träger die Scheiben der Scheinwerfer poliert. „Auch ihre Kostüme waschen die Schauspieler – bis auf Sonderfälle für die Reinigung – selbst“, sagt Ulrike Tiefenbach. Sie hat sich heuer um die Gewänder gekümmert. Dem großen Aufräumen auf der Freilichtbühne – wobei sich der Fundus außerhalb des Geländes befindet – folgen der Kassensturz und schließlich die Bilanz zur Freilichtsaison 2019. Wie fast jeden Sommer hat die 1981 gegründete Bühne mit dem Jugendensemble ein märchenhaftes Stück und den Erwachsenen eine Komödie inszeniert.

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Lesen Sie zum Stück Dracula auch: Schwabenbühne: Wie der Mensch zum Vampir wird

Der Vorsitzende sagt: „Um Theater in der Form und Qualität zu bieten, wie es seit Jahren geschieht, bedarf es neben Freizeit, Fleiß und Geschick auch finanzieller Mittel.“ Alle Vereinsmitglieder engagierten sich ehrenamtlich ohne Aufwandsentschädigung. Der Verein erwirtschafte – außer der Unterstützung von Sponsoren bei Projekten wie dem Bühnenneubau – die benötigten Gelder selbst, so der Vorsitzende. „Dank populärer Stücke und meist guten Wetters habe dies letztes Jahr gut funktioniert.“ Doch in den Jahren mit weniger gängigen Titeln wie etwa „Der Sturm“ von William Shakespeare in Kombination mit schlechtem Wetter würden sie „definitiv drauflegen“. Tiefenbach: „Ein gewisses finanzielles Polster ist aber vonnöten, um nicht beim ersten gravierenden Problem den Verein schließen zu müssen.“

So finanziert sich die Schwabenbühne

Denn allein an Fixkosten etwa für Pacht, Versicherung, Energie, Investitionen in Gelände, Technik und die Sicherheit fallen – ohne Großprojekte – bis zu 45000 Euro im Jahr an. Die künstlerischen Ausgaben in etwa gleicher Höhe betreffen Regisseure, Bühnenmaler, Bühnenbild, Maske, Kostüme, Requisiten, Werbung. „Und wenn wir dann spielen, verschlingen Ticketverkauf, Gema, Verlag, Verpflegshäusleangebote oder Saalmieten im Winter 40 Prozent der Eintrittsgelder.“Auf der Einnahmenseite stellt der Kartenverkauf mit 78 Prozent den Löwenanteil. Dazu kommen Erlöse aus Verpflegshäusle, Programmheftwerbung, Mitgliedsbeiträge und die von der Stadt allen Vereinen gewährte Förderung.

Die Schwabenbühne hat im Laufe der rund vier Jahrzehnte, seit sie das Gelände vom Staat pachtet, Infrastrukturen geschaffen und Finanzverhältnisse eines kleinen Unternehmens erreicht. Dieses Frühjahr wurde das Verpflegshäusle saniert und um einen Vorrats-Container ergänzt. Eine Kühlzelle soll hinzukommen. Die Spielfläche erhielt neue Sichtschutzwände und die WC-Anlage frische Farbe. Und in der Technik wurde die geplante Verlegung der Hauptstromzufuhr in die Erde vorbereitet – das nächste Großprojekt, das der Verein wieder mit viel Eigenleistung stemmen will.

Lesen Sie zu den Stücken der diesjährigen Schwabenbühne-Spielzeit:

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