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Kellmünz

07.12.2020

Wohngebiet am See in Kellmünz: Noch hakt die Planung

Das Gelände des ehemaligen Kieswerks in Kellmünz wird im Kellmünzer Marktrat als Schandfleck gesehen. Andererseits tun sich die Markträte mit den Rahmenbedingungen einer möglichen Bebauung schwer.
Bild: Armin Schmid

Plus In Kellmünz soll am Seefeld ein großes Wohnareal entstehen, doch die Marktgemeinderäte kommen mit der Planung nicht voran.

Ob Wohnen und Leben im umstrittenen Kellmünzer Baugebiet Seefeld in naher Zukunft möglich sein wird, ist nach wie vor unsicher. Denn die Bauleitplanung wirft immer größere Probleme auf. Kritische Stimmen kamen aus dem Marktrat zum Planungsentwurf.

Das sieht der Plan für das Wohnareal in Kellmünz vor

Der von Planerin Daniela Saloustros (Planungsbüro Kling Consult) vorgestellte Entwurf gliedert das geplante Wohngebiet in drei Teile. Im Zentrum des Bauareals wäre eine offene Bebauung mit zweigeschossigen Einzel- und Doppelhäusern möglich. Im westlichen Bereich in Richtung der rund 450 Meter entfernten Autobahn ist eine Bebauung mit zwei- bis dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern eingeplant. Entlang der Bahnlinie Kempten-Ulm soll es eine geschlossene Bebauung geben.

Die Riegelbebauung soll dem Lärmschutz gegenüber dem Zugverkehr dienen, genauso wie eine ebenfalls eingeplante Lärmschutzwand. Diese müsste entlang der Bahnlinie auf einer Länge von 120 Metern und mit einer Höhe von fünf bis sechs Metern errichtet werden. Salustros sprach davon, dass das Seefeld heute schon stark durch Lärmeinwirkungen belastet ist. Auch zur Autobahn hin wären passive Lärmschutzmaßnahmen erforderlich. Die erforderlichen Grenzwerte könnten nur schwer eingehalten werden. Die Planerin meinte, dass man eher in Richtung der Ausweisung von Mischgebieten tendieren müsste.

Die Parkplätze für Seebesucher könnten eingeschränkt werden

Die verkehrstechnische Erschließung würde über den Steinweg erfolgen, außerdem sind Stichstraßen im Osten und Westen des Seefelds vorgesehen. Um einen Nutzungskonflikt zwischen den künftigen Anwohnern und Seebesuchern und Badegästen zu vermeiden, wären nur noch zwölf Parkplätze für die Besucher des Badesees und des Naherholungsgebiets eingeplant. Allerdings kann auch die Stellplatzverordnung des Marktes nicht eingehalten werden – eine Abweichung sei nötig. Zwar sei das Seefeld laut Salustros kein festgesetztes Überschwemmungsgebiet.

Sie empfiehlt jedoch trotzdem, hochwasserangepasstes Bauen in die Satzung mit aufzunehmen. Der Baugrund selbst sei nicht versickerungsfähig. Oberflächenwasser müsse abgeleitet werden. Weil das Baugebiet direkt an das Landschaftsschutzgebiet „Illerauwald von Neu-Ulm bis Kellmünz“ anschließt, sind auch artenschutzrechtliche Maßnahmen erforderlich. Darunter falle die Schaffung künstlicher Nisthilfen für Brutvögel sowie Ersatzquartiere für Fledermäuse und Amphibien und der Schutz des Baumbestands.

Das Areal in Kellmünz soll in Einzelgrundstücken verkauft werden

Da der vorgestellte Planungsentwurf nicht den Vorstellungen des Ratsgremiums entsprach, wurden mehrere Varianten diskutiert. Als Option sahen die Ratsmitglieder eine innen liegende Erschließung auch über eine Art Ringstraße. Zudem soll es sich um Einzelgrundstücke handeln. Ein Ankauf der Gesamtfläche durch einen einzigen Investor wäre nicht gewünscht.

Teresa Bürzle meinte, dass zu wenig Parkplätze für Badegäste vorhanden sind. Die Markträtin bemängelte auch, dass der Focus bislang zu sehr auf der baulichen Entwicklung gelegen habe und zu wenig auf der Gestaltung des Naherholungsgebiets. „Die ganze Planung ist wahnsinnig unausgegoren.“ Thomas Obermüller lehnte eine Bebauung bis fast an den See eindeutig ab. Das Ratsgremium diskutierte Abstände zwischen Wohnbebauung und Badesee von 65 bis 75 Metern.

Wohnareal am Seefeld: Das sind die nächsten Schritte

Bürgermeister Michael Obst sprach sich dafür aus, die Bauleitplanung weiter voranzutreiben und auch den Grundstücksbesitzer mit ins Boot zu nehmen. „Wir können nur gemeinsam was erreichen.“ Obst erinnerte daran, dass der Gemeinderat für die Planungsgestaltung eine Bürgerbeteiligung beschlossen habe. Monika Kling fragte, ob man die Bauleitplanung auch stoppen könnte. Sie könne mit dem derzeitigen Zustand des Geländes besser leben. Dominik Papst stellte in Zweifel, ob eine Erschließung, angesichts der Kosten, überhaupt Sinn macht.

Schließlich müsse man den Abbruch des ehemaligen Kieswerks bewerkstelligen und auch die Lärmschutzwand bauen. Christian Anders sprach sich für eine moderate Bebauung aus. Christian Saueressig betonte, dass sich ein Großteil des Ratsgremiums einen großen Abstand der Bebauung zum See hin wünscht und dass man noch an der Planung dranbleiben sollte. Die Planerin soll nun neue Entwürfe ausarbeiten und dem Ratsgremium vorstellen.

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