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Lauben/Babenhausen

27.03.2019

Zum Abschied von Pfarrer Scheuerl werden Gräben zugeschaufelt

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2 Bilder
Dieses Bild bedeutet Stefan Scheuerl, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Lauben-Babenhausen, viel. Er hat sich entschieden, nach Tansania zu gehen.
Bild: Sabrina Schatz

Nach 15 Jahren verlässt Pfarrer Stefan Scheuerl das Unterallgäu und geht nach Tansania. Zu seinen größten Herausforderungen gehörte die Versöhnung zwischen der Kirchengemeinde Lauben-Babenhausen und dem Gebetshof.

Nach 15-jähriger seelsorgerischer Arbeit verlässt Pfarrer Stefan Scheuerl die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Lauben-Babenhausen. Unter den Klängen der Laubener Blasmusik zogen Vertreter der Kirche, der Politik und zahlreiche Bürger in die Pfarrkirche ein, um Abschied zu nehmen. Rund 350 Besucher waren beim Gottesdienst in der Kirche, etwa 150 verfolgten ihn in der „Oase“, wo er übertragen wurde. Wie berichtet, geht Scheuerl nach Tansania (mehr dazu lesen Sie hier: Pfarrer folgt seinem Traum von Tansania ). „Heute ist ein ganz besonders festlicher Gottesdienst“, sagte Kirchenvorstand Olaf Steding. Scheuerls Ziel sei es, Leben in die Kirche zu bringen. Das sei ihm mit seiner humorvollen Art gelungen.

Als Abschiedsgedanken wählte Pfarrer Scheuerl „Gnade“ und „Frieden“. „Die Gemeinde ging mit mir und meiner Familie durch dick und dünn“, sagte er. Eines der schwerwiegendsten Kapitel in Lauben sei die Versöhnung zwischen der Kirchengemeinde und dem Gebetshof gewesen. Diese Auseinandersetzung hatte viele Jahre gedauert. Anlass war der Wunsch einiger Kirchgänger, freiere Formen des Gottesdienstes zu finden, der jedoch nur auf wenig Gegenliebe stieß. Auch gab es unterschiedliche Meinungen, wie der persönliche Glaube auf biblischem Fundament gelebt werden könne. Scheuerl gelang es, den Konflikt zu den Akten zu legen. Symbolisch wurde nun auf dem Dorfplatz der viele Jahre offene Graben zugeschaufelt.

Projekt Mewaiki wäre ohne Scheuerl nicht, was es heute ist

„Es ist nicht nur ein Abschied, sondern auch ein Aufbruch zu etwas Neuem“, sagte Dekan Christoph Schieder. Aufbruch wagen bedeute, ein neues Leben suchen. Die vielen Erinnerungen an die Kirchengemeinde werden laut Schieder in keinen Umzugskarton passen. „Sie haben sich jeder noch so schwierigen Sache angenommen und gerade ihre bodenständige Art hat die Gemeinde geschätzt.“ Auch das Projekt „Mewaiki“ (Memmingen und das Unterallgäu helfen Waisenkindern am Kilimandscharo) wäre ohne Scheuerl nicht das, was es heute ist. Der Dekan erteilte der Familie Scheuerl den Segen für ihren Weg.

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Anschließend nahmen die Kirchenvorstandsmitglieder Marianne Westhauser und Michael Häring Abschied. „Du hast kein Blatt vor den Mund genommen und uns immer wieder einen Spiegel vorgehalten, nicht von oben herab, sondern in Liebe.“ Zudem nahmen sie Bezug auf das afrikanische Sprichwort „Ein Pfarrer gilt nur was, wenn er ein neues Gebäude hinterlässt“. Viel Kraft und Energie habe der Umbau des Gemeindehauses „Oase“ gekostet. Ein barrierefreier Zugang zur Kirche wurde erstellt und die ersten Arbeiten am Bräuhaus in Angriff genommen. „Gott hat mich hierher geschickt“ seien seine Worte beim Empfang vor 15 Jahren gewesen. „Heute können wir dafür einfach nur Danke sagen.“

Auf dem Laubener Dorfplatz vor der Oase haben die Mitglieder der Kirchengemeinde und des Gebetshofs ihre jahrelange Auseinandersetzung beigelegt. Symbolisch wurde der offene Graben zugeschaufelt. Pfarrer Stefan Scheuerl (Zweiter von links) erteilte dazu seinen Segen.
Bild: Elly Heckelsmüller

Abschied klinge immer traurig, aber heute solle nicht der Tag sein, Trübsal zu blasen, betonte Bürgermeister Reiner Rößle. Scheuerls Arbeit habe Früchte getragen. Er habe die Begabung, sich mit allen gleichermaßen auseinanderzusetzen, auch mit den Asylbewerbern.

Viele seien über den Weggang Scheuerls traurig, weil sie ihn ins Herz geschlossen hätten – das sagte die stellvertretende Landrätin Marlene Preißinger. „Abschiede sind Tore in neue Welten, wobei sie ihre Welt ja schon kennen, aber viel Neues noch erleben werden“, gab sie in Anlehnung an ein Zitat von Albert Einstein dem scheidenden Pfarrer mit auf den Weg.

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