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Krumbach

17.01.2012

Die Entdeckung des scheinbar Unscheinbaren

Marianne Riß hat klein- und großformatige Werke in den unterschiedlichsten Techniken geschaffen.
Bild: Claudia Bader

Die Kunst von Marianne Riß ist auch so etwas wie die Suche nach den tieferen Schichten im Menschen.

Marianne Riß ist eine bescheidene, stille Frau. Doch als Künstlerin ist sie beredt. Sie versteht es, Unscheinbares zu entdecken und mit vielfältigen Ausdruckstechniken ins rechte Licht zu rücken. „Eine verkommene Hauswand ist faszinierend. Ein alter Fensterladen mit abgeblätterter Farbe hat wunderbare Strukturen, Farben und Formen“, hat sie entdeckt. Leidenschaftlich gern gestaltet die Malerin und Druckgrafikerin auch Felsen oder Zerklüftungen. Dabei lebt sie ihre Kunst und wächst mit Herausforderungen.

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Bereits beim Betreten der Wohnung von Marianne Riß offenbart sich die impulsiv-intuitiv schaffende Künstlerin. Klein- und großformatige Werke in den unterschiedlichsten Techniken laden ein, näher heranzutreten, sich mit Augen und Sinnen vereinnahmen zu lassen sowie Raum und Zeit zu vergessen. Die Bezeichnung Hobby-Künstlerin wird der gelernten Laborantin längst nicht mehr gerecht. Selbst ein Laie kann erkennen, wie viel Begabung und Können in ihren Werken stecken.

„Kunst spricht die tieferen Schichten im Menschen an.“ Dieses Zitat der deutschen Schriftstellerin Margarete Bruns bewahrheitet sich für Marianne Riß immer wieder. „Auch Menschen, die keinen Zugang zur Kunst haben, fühlen sich angesprochen. Selbst jemand, der sagt, er verstehe nichts von Kunst, beschäftigt sich damit, schaut immer wieder hin.“ Um den Betrachter nicht zu beeinflussen, gibt die 72-Jährige ihren Werken keine Namen. „Jeder sieht und entdeckt etwas anderes darin.“

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Ihr Vater war Bildhauer

Das Interesse an Kunst ist Marianne Riß in die Wiege gelegt worden. Ihr Vater Andreas Altstetter war Bildhauer. Schon als Kind hat sie gerne gezeichnet und Kleider entworfen. Im Gymnasium Wettenhausen war Kunst ihr Hauptfach. Aber erst ab 1985 war sie aktiv künstlerisch tätig. Sie nahm an Kursen und Fortbildungen teil und schloss sich einer kleinen Gruppe von Malern an, die sich im Frühjahr, Sommer und Herbst im Kloster Wettenhausen treffen. Nebenbei hat die vielseitige Künstlerin hat für die ökumenische Musikgruppe „Maybe“ Konzertplakate erstellt sowie für deren Aufführung „Elia“ 40 ausdrucksstarke Masken gestaltet.

Seit rund zehn Jahren radiert Marianne Riß. Diese Technik hat sie nie mehr losgelassen. Die Radierung ist ein Tiefdruckverfahren, bei dem tiefer liegende Bereiche einer Platte gedruckt werden. Diese werden mit einer Nadel oder einem Stichel in die Platte gekratzt, geschnitten oder auch mithilfe von Säure hinein geätzt. Nachdem ein befreundeter Maler sie im Jahr 2010 auf den Wettbewerb des amerikanischen Center for Contemporary Printmaking aufmerksam gemacht hat, bewarb sie sich mit zwei Grafik-Radierungen im vorgegebenen Format 30 x 33 Zentimeter. Unter mehr als 400 Einsendungen von Künstlern aus 23 Ländern wählte die Jury die Druckgrafik „Ancient City“ aus und zeichnete Marianne Riß mit dem „Footprint-Kunstpreis“ aus.

Auf einmal wurde die Krumbacherin wahrgenommen, als gefragte Künstlerin auf Symposien eingeladen. Trotz dieses großen Erfolgs ist sie bescheiden geblieben. Ihre liebsten Motive sind Altes, Abgenütztes, Zerfallendes, Unbeachtetes, das sich laufend verändert. Diesen Wandel setzt sie geschickt in ihren Werken um. In den unterschiedlichsten Techniken und Materialien gestaltet sie Lage für Lage, Schicht für Schicht. Geschickt lässt sie Stimmungen und äußere Einflüsse, zum Beispiel Musik, Gedichte oder einen Text, der sie gerade beschäftigt, einfließen.

Die intensive Beschäftigung mit ihren Werken hält Marianne Riß jung. „Schöpferische Tätigkeit ist Anstrengung, aber eine befriedigende, erklärt sie. „Es gibt nichts Schöneres als Gespräche über Kunst.“

In diesem Geständnis offenbaren sich große Zufriedenheit und Erfüllung.

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