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Krumbach

18.04.2015

Die Maschine entsteht im Kopf

Bernd Scheitter entwickelt Dampfmaschinen in Miniaturform.
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Bernd Scheitter entwickelt Dampfmaschinen in Miniaturform.
Bild: Gertrud Adlassnig

Was Bernd Scheitter in Miniaturform entwickelt. Über Dampfmaschinen und Heißluftmotoren.

Was sich in den Vitrinen seines Wohnzimmers, auf Fensterbänken und in seiner Werkstatt findet, sind keine gängigen Modelle, sondern Stück für Stück Unikate. „Ich baue keine real existierenden Maschinen nach. Mein Ansatz ist ein anderer. Mich fasziniert es, Teile so zusammenzufügen, dass sie sich sinnvoll bewegen und selbstständig laufen.“ Die Teile, die Bernd Scheitter zusammensetzt, werden zuvor in seiner perfekt ausgestatteten Werkstatt hergestellt. Fast immer sind die Maschinen aus Messing: Feinste filigran gebogene Rohre, durch die Pressluft geschickt werden kann, verbindet Scheitter mit anderen selbst konstruierten und gebauten Maschinenteilen in absoluter Perfektion.

Seine Dampfmaschinen halten zwar einen durchaus höheren Druck aus, sind aber so fein gearbeitet, dass sie schon auf den leisesten Luftzug reagieren und sich in Bewegung setzen. Besonders am Herzen liegen ihm Doppeldampfmaschinen, bei denen ein Kolben immer so steht, dass der zugeführte Luftdruck die Maschine anlaufen lässt. „Wenn nur ein Kolben vorhanden ist, könnte der in einer Stellung stehen, die den Luftdruck vorbeiströmen lässt“, erklärt Scheitter, „dann müsste die Bewegung von außen angestoßen werden.“ Für den Perfektionisten ein absolutes Unding.

Keine der Dampfmaschinen – 18 hat er inzwischen gebaut, dazu noch sieben Heißluftmotoren – sieht aus wie die andere. Stets ersinnt Bernd Scheitter neue Konstruktionen. Auf die Frage, ob er diese Konstruktionspläne herzeigen könnte, muss er passen. „Ich informiere mich in Fachbüchern über die verschiedenen technischen Möglichkeiten, aber ich nehme weder eine darin vorhandene Bauanleitung als Vorbild noch zeichne ich einen Konstruktionsplan. Die Maschine entsteht nur in groben Zügen in meinem Kopf und alles andere ergibt sich während der Entstehung. Nach jedem Arbeitsschritt entscheide ich, was noch angebaut und eingebaut werden soll: Lampen und Antriebsräder etwa oder bewegliche Teile.“

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Derzeit arbeitet Scheitter erstmals an einer mobilen Dampfmaschine. „Meine Objekte waren bisher immer statisch. Alles, was angetrieben werden soll, muss zur Maschine kommen. Jetzt will ich Mobilität hineinbringen. Gerade baue ich an einer Art Dampfwalze. Dazu muss ich auch Edelstahl verarbeiten, was wegen der enormen Härte des Materials sehr viel aufwendiger ist als Messing“, verrät Bernd Scheitter und zeigt sein Werkstück, das nicht mehr allzu viele Arbeitswochen bis zur Vollendung brauchen wird.

Bis zu vier Monaten sitzt Scheitter an einem Objekt, sechs Stunden täglich. „Meine Maschinen sind realistisch gesehen unbezahlbar, obwohl sich der Materialwert in Grenzen hält. Die Arbeitszeit könnte bei einem Verkauf niemals angemessen bezahlt werden“, schätzt Bernd Scheitter den Marktwert seiner Leistung ein.

Aber der Verkauf ist auch nicht sein Ziel. Bisher hat er erst zwei Mal seine Konstruktionen öffentlich gezeigt. Beim Kunstherbst im Heimatmuseum und einmal bei einem Markt in Krumbach. „Das war ein Reinfall, es hat auch noch angefangen zu regnen. Wir hatten zwar ein Zelt, aber auf dem Markt war nicht das richtige Publikum.“ Dagegen fanden die Objekte von Bernd Scheitter in der Ausstellung während der Kunstnacht in Krumbach zahlreiche Bewunderer und Interessenten.

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