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Kirchengeschichte

05.01.2012

Goethe machte die Heiligen Drei Könige modern

Goethe als Gartenzwerg: Im Stockerhof reihte sich das Antlitz des Dichterfürsten bei einer Sonderausstellung 2006 in der Außenstelle des Schwäbischen Volkskundemuseums Oberschönenfeld in die „Familie der Zwerge“.
Bild: Foto: Bezirk Schwaben

Der Dichterfürst entdeckte 1819 eine mittelalterliche Handschrift, in der es um die Legende ging

Mindelzell Goethe hatte zu den Heiligen Drei Königen eine besondere Beziehung. Im Jahre 1819 entdeckte er eine mittelalterliche Handschrift, die von einem Karmeliten zur 200-Jahr-Feier der Übertragung der Gebeine der Könige durch Reinald von Dassel 1164 anno 1364 geschrieben wurde. Obwohl der lateinische Text ohne Titel und Verfasser in die Hände Goethes gelangt war, erkannte er doch sofort die Bedeutung des Manuskriptes.

An den ihm befreundeten Kölner Kunstkenner und Sammler Sulpiz Boisserée schrieb er voller Begeisterung: „Ich meine nicht, dass irgendetwas Anmutigeres dieser Art mir in die Hände gekommen wäre. Ich wüsste kein Volksbuch neben dem dies Büchlein nicht stehen könnte.“ Goethe vermutet, dass dieses Büchlein maßgeblich für die Darstellungen der Heiligen Drei Könige war. Seine Freude über den Fund hat der Dichter auch sofort in seiner Zeitschrift „Über Kunst und Altertum“ veröffentlicht. Freund Boisserée machte sich auf die Suche und wurde fündig. 1820 konnte er Goethe mitteilen, dass es sich bei der Dreikönigslegende um das Werk des Karmeliten Johannes von Hildesheim mit dem Titel „Historia Trium Regum“ handelt, die 1476 in deutscher Übersetzung erschien und 1477 in Latein, der Originalfassung, gedruckt wurde.

Boisserée regte Goethe an, seine „Meisterhand zu einer Übertragung anzuwenden“. Der mit vielfältiger Arbeit überlastete Dichter bat den Kölner Freund, Umschau nach einem geeigneten Übersetzer und Bearbeiter zu halten. Er schlug daraufhin Gustav Schwab vor. Dieser machte sich an die Arbeit und schickte das Manuskript an Goethe, der im Juni 1821 mit „Lob und Dank“ darauf reagierte und weiter schrieb: „Die Übersetzung liest sich gut, altertümlich und natürlich, welches immer viel heißen will.“ 1822 erschien die Veröffentlichung bei Johann Friedrich Cotta, dem Verleger Goethes. Sie trug den Titel: „Johann von Hildesheim. Die Legende von den Heiligen Drei Königen. Aus einer von Goethe mitgeteilten lateinischen Handschrift bearbeitet und in 12 Romanzen begleitet von Gustav Schwab.“

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Ein Apfel befindet sich unter den Kostbarkeiten

In der Legende, die Johannes von Hildesheim erzählt, wird berichtet, dass sich die Drei Könige, ohne voneinander zu wissen, auf den Weg gemacht haben. Es handelt sich um König Melchior von Nubien, König Baltasar von Saba und König Kaspar von Tarsis. Vor Jerusalem treffen sie nach 13 Tagen aufeinander. Sie gehen zum König Herodes und ziehen weiter nach Bethlehem. Dort bringen sie dem Kind ihre Gaben. Es sind Schätze, die einst die Königin von Saba im Tempel Salomos niedergelegt hat und die später von Alexander dem Großen geraubt wurden. Unter den Kostbarkeiten befindet sich ein goldener Apfel, den Melchior dem Kind reicht. Das Jesuskind haucht ihn an und er löst sich in Luft auf. Das ist eine Anspielung auf die Befreiung von der Erbschuld durch den Erlöser. Als die altgewordenen Könige hören, dass Jesus den Apostel Thomas nach Indien gesandt hat, suchen sie ihn auf, lassen sich von Jesus erzählen und erbitten die Taufe. Der Apostel Thomas weiht sie dann zu Bischöfen. Kaiserin Helena hat die Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Konstantinopel gebracht. Später kamen sie nach Mailand und Reichskanzler von Dassel ließ sie 1164 nach Köln bringen.

Die von Goethe wieder entdeckte Drei-Königs-Legende hat auch den Brauch des Sternsingens angestoßen, denn dort heißt es: „In der Ostkirche besteht der Brauch, am Vorabend des Festes der Erscheinung des Herrn „festlich und fröhlich von Haus zu Haus zu ziehen und den Gruß zu sprechen – alles zur Erinnerung an den Stern, der die drei Könige nach Bethlehem führte“. Die erste Nachricht über das Sternsingen stammt aus dem Jahr 1541. Das Kloster St. Peter in Salzburg berichtet darüber. Das ist eine Antwort auf Luthers Vorstoß zu tun, der den Dreikönigstag zum Fest der Taufe des Herrn machen wollte. Die frühe Kirche hat an Epiphanie drei Feste auf einmal gefeiert: die Huldigung der Weisen, das Fest der Taufe des Herrn und die Hochzeit zu Kana. Als ausgesprochener Gegner der Heiligenverehrung war Luther daran gelegen, dem Dreikönigstag einen anderen Schwerpunkt zu geben. Die Volksfrömmigkeit hat sich aber durchgesetzt. Mit der Weihe von Salz, Wasser, Weihrauch und Kreide werden die Grundthemen von Epiphanie in die Sprache der Gläubigen übersetzt.

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