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Landkreis Günzburg

26.08.2020

Warum es heuer im Kreis Günzburg so viele Störche gibt

Einen „Storchenhoigata auf der Deisenhauser Kirche“ hat Reinhilde Scherer aus Deisenhausen entdeckt.
Bild: Alois Thoma

Plus Viele staunen über die außerordentlich große Zahl der prächtigen Vögel. Der Landkreis Günzburg hat da schon ganz andere Zeiten erlebt. Wie sich für die Störche die Dinge zum Guten gewendet haben.

Der Mensch mag den Storch. Er ist der größte Vogel, der dem Menschen ins Dorf und in die Stadt gefolgt ist. Der Nestbau und die Aufzucht der Jungen können so hautnah verfolgt werden. Wohl auch wegen dieser emotionalen Bindung taucht er in Fabeln und Märchen auf, ist oftmals Werbeträger, in der Region auch Namensgeber für ein Bier. Lange Zeit gab es wenige Storchenpaare im Landkreis Günzburg. Doch das hat sich geändert:

Störche zwischen Deisenhausen und dem Oberegger Weiher.
Bild: Alois Thoma

34 brütende Storchenpaare und 88 Jungvögel im Landkreis: In diesem Sommer hat alles gestimmt, freut sich Ottmar Frimmel von der Unteren Naturschutzbehörde. Doch dass die Landkreisbewohner und Besucher über eine solche Fülle an Storchenvögeln staunen können, kommt nicht von ungefähr. „Das ist das Resultat einer langen Strategie“, erklärt Frimmel. Auf überpflegten Wiesen, die bis zu acht Mal gemäht und gedüngt werden, fänden Störche nicht ausreichend Futter, entsprechend geringer sei die Fruchtbarkeit der Tiere.

Mit gezielten Programmen sei es im Landkreis gelungen, dem entgegenzuwirken. „Durch die Ausweisung von extensiv genutzten Flächen konnte das Futterangebot kontinuierlich verbessert werden. Denn die Vielfalt der Pflanzen kommt auch den Störchen zugute. Je artenreicher die Natur, desto mehr Futter für die Störche. Dem Mindeltal kommt eine herausragende Bedeutung für die naturnahe Pflege der Wiesen zu“, erklärt Frimmel.

Durch das größere Futterangebot verstärkt sich die Fruchtbarkeit der Vögel. „In diesem Jahr haben wir 2,5 Jungtiere pro Paar. Das ist ein schöner Beweis, dass die staatlichen Naturschutzprogramme greifen. Solche Projekte brauchen Zeit. Jetzt können wir den Lohn empfangen für diese Bemühungen und den langen Atem, den es gebraucht hat, um die einst in der Region verbreiteten, dann fast gänzlich verschwundenen, Störche wieder anzusiedeln“, sagt Frimmel. und freut sich.

Störche bei Thannhausen.
Bild: Alois Thoma

Vor einer Generation habe es gerade noch ein oder zwei Brutpaare im Landkreis gegeben. 30 Jahre Storchenprogramm mit extensiver Landwirtschaft würden sich jetzt jedoch auszahlen. Störche könnten von ihrer luftigen Höhe aus ein kilometerweites Gebiet beobachten und erkennen, welche Arbeiten auf Wiesen und Feldern vorgenommen werden. Wenn diese die Nahrungsfindung begünstigen, folge der Storch dem Bauern. Und das Schönste an der Storchenschar: „Die Bevölkerung steht voll dahinter“, sagt er.

Genug Nahrung für die Störche

Für ein Boomjahr wie 2020 mussten aber auch Faktoren stimmen, die kein staatliches Programm und kein menschliches Goodwill beeinflussen können. „Wir hatten einen milden Winter, sodass es in diesem Jahr viele Mäuse und Insekten gibt, also Futter für die Störche. Und während der Brutzeit hat auch das Wetter gestimmt“, erläutert er weiter. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu regelrechten Dramen, weil Jungtiere im Nest erfroren oder gar ertrunken sind.

Heuer jedoch waren die Bedingungen perfekt und die Störche konnten ihre Brut aufziehen. 88 Jungtiere bereiten sich nun auf ihren ersten Flug in den Süden vor. Auf den Wiesen sammeln sie sich und fressen sich Kraft an für die Reise. „Unsere Störche sind Westzieher, das heißt, sie fliegen über Spanien, früher nach Nordafrika, heute bleiben sie meist in Europa. Dort ist es warm genug und die spanischen Reisfelder bieten gute Nahrung.“ Aber auch in den Randgebieten der Zivilisation, auf Müllkippen beispielsweise oder an Baggerseen, finden sie ausreichend Nahrung. Sie haben einen ungefährlichen Weg, anders als die Ostzieher. „Die Störche in unseren östlichen Bundesländern müssen sehr viel weiter fliegen, über den Bosporus nach Afrika, das ist gefährlich. Deshalb vermehren sich dort die Störche nicht.“

Störche kehren zum Geburtsort zurück

Dass die Region den Lohn für die Bemühungen selbst ernten kann, liegt an der Gewohnheit der Störche, immer wieder an ihren Geburtsort zurückzukehren. Mit drei bis vier Jahren sind sie erwachsen, dann haben die Störche rote Beine und Schnabel bekommen, während sie in der Jugend dunkelgrau sind. Dann suchen sie sich einen Partner, mit dem sie meist ihr Leben lang zusammen bleiben und jedes Jahr brüten. Immer öfter kann man beobachten, dass Störche den Winter in ihrem Horst verbringen, den Flug nach Süden nicht mehr antreten. „Wenn es dann im Winter kurzzeitig zu kalt wird und Bäche zufrieren, fliegt der schwäbische Storch schon einmal ins Rheintal, wo es viel wärmer ist. Hundert bis 150 Kilometer in einer Nacht schafft er mit Leichtigkeit. Störche sind Segler, die die Thermik ausnutzen“, weiß Frimmel. Neben den Weißstörchen, die wegen ihres Schnabelklapperns auch Klapperstorch genannt werden, hat Ottmar Frimmel nun auch den sehr seltenen Schwarzstorch in unserer Region ausfindig gemacht. „Der menschenscheue Schwarzstorch lebt im Wald“, erläutert er. Gesichtet wurde er im südlichen Landkreis, zwischen Mindel- und Haseltal, weiß Storchenfachmann Frimmel. Aber ob dem Boom des Klapperstorchs auch ein Babyboom folgen wird, das weiß der Storchenfachmann dann doch nicht.


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