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Thannhausen
14.05.2022

Was Thannhauser Grundschüler von Realschülern lernen können

Sie lernen den Umgang mit dem Internet: Die Thannhauser Schüler und Schülerinnen der Klasse 4a mit ihren Tutoren aus der 10. Klasse im Hintergrund.
Foto: Christine Kämpfle

An der Anton-Höfer Grundschule lernen Viertklässler den Umgang im Internet - von Thannhauser Zehntklässlern. Warum das Projekt bei den Kindern so gut ankommt.

„Neulich hat mich beim Spielen einer gehackt. Zuerst hat er mich mit schlimmen Ausdrücken beleidigt, dann war mein Handy blockiert.“ Aufgeregt erzählt der Elfjährige aus der 4b den Gästen an der Anton-Höfer-Grundschule von seinen Erfahrungen in der digitalen Welt. Die Gäste, das sind Zehntklässler der Christoph-von-Schmid-Schule. Sie finden sich in einer ungewohnten Rolle wieder: der des Lehrers. Für zwei Tage hat die Klasse 10C die Seiten gewechselt. In dieser Zeit wollen sie den vierten Klassen an der Grundschule wichtige Grundlagen für einen sicheren Umgang mit Internet und digitalen Geräten vermitteln.

Grundschüler lernen in Thannhausen den sicheren Umgang im Internet

Die Idee stammt von Seyhan Wutz, der zuständigen Sozialpädagogin an der Anton-Höfer-Schule. „Als ich von den „Netzgängern“ an der Realschule Thannhausen gehört habe, war ich sofort begeistert. Vor allem das Peer-Konzept hat mich überzeugt. Ich habe dann einfach die zuständige Lehrerin Frau Kämpfle angerufen und sie sagte spontan zu, ein Programm für unsere vierten Klassen zu erstellen.“

Bei den „Netzgängern“ handelt sich um ein Präventionsprojekt. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler ab zehn Jahren für eine bewusste, zeitgemäße und möglichst sichere Nutzung von Internet, sozialen Netzwerken und Online-Spielen zu sensibilisieren. Dafür werden ältere Mitschüler zu Medientutoren, sogenannten Peers, ausgebildet, die wiederum die Jüngeren in den genannten Bereichen schulen.„Das Programm ist eigentlich für Fünftklässler konzipiert. Die Klasse 10 C, in der gut die Hälfte der Schüler ausgebildete Netzgänger-Tutoren sind, hat es überwiegend in Eigenregie für die Grundschüler angepasst“, sagt Christine Kämpfle. „Meine Spuren im Netz“ und „Sicher im Netz“ lauteten schließlich die beiden Module, die jede Klasse einmal zusammen mit den Tutoren durchlaufen hat. Aufgeteilt in Zweiergruppen waren die Realschüler in den Klassen unterwegs. Aber ist das alles dringend notwendig?

Ja, sagt Kämpfle: „Manche Elfjährige richten im Handumdrehen ein neues Smartphone ein und erreichen bei komplexen Online-Spielen die höchsten Levels, aber was mit ihren persönlichen Daten geschieht, wo Mobbing und oft genug auch sexuelle Belästigung drohen oder aufgrund von Haftungsregeln hohe Geldstrafen auf die Eltern zukommen können, davon haben sie keine Ahnung.“ Rektorin Tanja Müller pflichtet ihr bei. Sie hat ein pragmatisches Verhältnis zur Digitalisierung: „Es gilt, die Balance zu finden. Nicht alles, was analog ist, muss veraltet oder schlecht sein. Dennoch: Digitale Medien sind weder aus der Schule und schon gar nicht aus dem Privatleben der Schüler wieder wegzudenken. Und da hat die Schule den Auftrag, unterstützend einzugreifen. Die Gefahren im Netz sind vielfältig, gerade für die Kleinsten. Deshalb habe ich den Vorschlag von Frau Wutz sofort unterstützt.“

Die Thannhauser Zehntklässler kommen als Lehrer gut an

Das Tutorenkonzept funktioniert. Die Kinder gehen mit den Zehntklässlern völlig unbefangen um. Es ist eine Mischung aus Bewunderung und Stolz darauf, dass „die Großen“ eigens zu ihnen kommen. Man merkt, die 16-17-Jährigen sind ihnen näher als eine Lehrerin. Die Atmosphäre ist locker, aber alle sind hoch konzentriert. Jeder möchte einmal zu Wort kommen.

„Ich habe schon ein paar Mal erlebt, dass Fotos von Mitschülern gemacht und gepostet wurden. Die haben das gar nicht gewusst“, platzt es aus einer Schülerin der 4a heraus. Tutorin Selina bleibt ruhig und hört sich alle Wortmeldungen geduldig an. „Was macht man denn, wenn man selbst gemobbt wird oder das bei anderen mitbekommt?“, fragt sie schließlich in die Runde. Schritt für Schritt erarbeitet sie mit den Kindern einen Verhaltenskatalog, an dem sie sich künftig orientieren können. Dazu gehört zum Beispiel das sofortige Blockieren des Absenders und der Rat, sich stets und sofort jemandem anzuvertrauen, sei es die Lehrerin oder die Eltern. Man merkt, wie groß schon in diesem Alter die Bedeutung der digitalen Welt für die Kinder ist.

Eine große Feedbackrunde mit allen beteiligten Klassen und den Tutoren in der Aula stand am Ende der Aktion. „Ihr solltet da bleiben und Lehrer werden“, das war ein häufig geäußerter Wunsch der Kinder. Aber auch die Zehntklässler zeigten sich begeistert von ihrer neuen Rolle. Rektorin Tanja Müller und Seyhan Wutz waren des Lobes voll und nahmen Christine Kämpfle die feste Zusage ab, diese ganz besondere Fortbildungseinheit für die Viertklässler zu einer Dauereinrichtung zu machen. (AZ)

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