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Trailer und Kritik

05.09.2018

"Das schönste Mädchen der Welt": Große Nase, hippe Liebesverse

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2 Bilder
Cyril mit der langen Nase (Aaron Hilmer) hat sich in Roxy (Luna Wedler) verguckt.
Bild: Nadja Klier/Tobis

Aron Lehmann macht aus dem Klassiker "Cyrano de Bergerac" einen frechen Jugendfilm, in dem der Held ein Rapper ist. Die Kritik zu "Das schönste Mädchen der Welt".

Cyril (Aaron Hilmer) ist Kummer gewohnt. Seit den ersten Schultagen wird er wegen seiner riesigen Nase geärgert. Das Leben auf dem Schulhof ist für ihn ein fortwährendes Spießrutenlaufen. Trotzdem hat Cyril sein Selbstwertgefühl nicht verloren. Er hat ein Ventil gefunden, durch das er seine Wut und seine Sehnsüchte hinaus lassen kann: Mit einer Maske über dem Gesicht liefert er sich in Hip-Hop-Battles erbitterte Reimgefechte. Er ist schnell, er ist schlagfertig und seine Worte fliegen direkt aus seinem schmerzenden Herzen hinaus. Der geheimnisvolle Maskenmann wird in der Szene gefeiert und am Morgen danach von seinen Mitschülern verachtet. Und jetzt geht es auch noch auf Klassenfahrt. Nach Berlin. Krank stellen hilft nicht. Die ebenfalls recht großnäsige Mutter (Anke Engelke) ist unerbittlich.

Der Konkurrent ist superhübsch und superhohl

Aber dann, kurz bevor der Bus seine Türen schließt, fährt Roxy (Luna Wedler) vor. Die neue Mitschülerin, die gerade von einem englischen Internat geflogen ist, hat genauso wenig Lust auf Klassenfahrt. Die beiden verstehen sich prächtig. Aber trotz tosendem Herzen rechnet sich Cyril keine Chancen bei diesem Mädchen aus, das bald von allen umschwärmt wird. Oberaufreißer Benno (Jonas Ems) hat schon eine Wette abgeschlossen, dass er die Neue samt Beweisvideo ins Bett kriegt.

Roxy hingegen interessiert sich eher für den superhübschen, aber leider auch superhohlen Rick (Damian Hardung), der sich malerisch mit Gitarre auf dem Mäuerchen drappiert, jedoch im direkten zwischenmenschlichen Umgang kein Wort herausbekommt. Um Bennos Pläne zu durchkreuzen hilft Cyril dem unbedarften Nick, denn die Worte, die dem Schönling fehlen, hat er im Übermaß. Herzerweichende Liebesgedichte fliegen Roxy über den WhatsApp-Account des tumben Strohmannes entgegen. Dramatische amouröse Verwicklungen nehmen ihre Fahrt auf.

Große Nase, eine unerreichbare Frau und fein geschmiedete Liebesverse – die Plotzutaten, die Aron Lehmann in „Das schönste Mädchen der Welt“ auf der Leinwand ausbreitet, kommen einem irgendwie bekannt vor. Kein Wunder, denn Lehmann hat den Literatur- und Kinoklassiker „Cyrano de Bergerac“ dreist ins hippe Jugendfilmformat übersetzt. Der Erzählrahmen einer Klassenfahrt und die coolen Sprüche docken am Publikumsliebling „Fack ju Göhte“ an. Aber tief drin schlägt das Herz eines klassischen Verwechslungsdramas.

Zwischen Komödie und Herzblut-Drama

Kann das gut gehen? Eigentlich nicht, tut es aber trotzdem. Weil die Drehbuchautoren Lars Kraume („Das schweigende Klassenzimmer“) und Judy Horney sich dem jungen Zielpublikum nicht durch Pennälerhumor anbiedern. Vielmehr bringen sie ihre Geschichte genau in jene Balance zwischen leichter Komödie und Herzblut-Drama, die ja auch dem Wesen pubertärer Liebesfindung stets innewohnt. Mit dem Wechselverhältnis zwischen äußerer und innerer Schönheit wird hier zudem ein ewiges Thema der Adoleszenz glaubwürdig und ohne fadenscheiniges Moralisieren ins Zentrum gerückt.

Aaron Hilmer und Luna Wedler geben ein herzallerliebstes, verhindertes Liebespaar ab, gerade weil hier die klassischen Geschlechterzuschreibungen gut aufgemischt werden. Mit „Das schönste Mädchen der Welt“ zeigt Aron Lehmann, dass man eine jugendliche Zielgruppe bestens unterhalten und sie trotzdem ernst nehmen kann. Damit setzt der Film ein selbstbewusstes Zeichen gegen die Verblödungsstrategien, die immer noch viel zu viele amerikanische und deutsche Teenie-Komödien antreiben.

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