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Wissenschaft
14.09.2021

Weibchen oder Männchen? Geschlechter-Wirrwarr bei den Kolibris

Ein Exemplar der beobachteten Weißnackenkolibris, hier in Ecuador.
Foto: Duest, Adobe.Stock

Signale bei der Partnerwahl oder Schutz vor Belästigung? Forscher haben untersucht, warum sich Weibchen bei den Vögel als Männchen tarnen.

Wohl zum Schutz vor Belästigungen beim Fressen tarnen sich einige weibliche Kolibris als Männchen. Sie behalten dazu auch als ausgewachsene Tiere die typisch strahlende Gefieder-Färbung von Männchen bei, berichten US-Forscher im Fachmagazin "Current Biology". Beim Gerangel um die besten Futterplätze entgehen die vermeintlichen Männchen so eher den zahlreichen Attacken von Artgenossen und anderen Vögeln.

Nicht nur bei Vögeln, sondern auch bei vielen anderen Tiergruppen unterscheiden sich weibliche und männliche Artgenossen im Erwachsenenalter erheblich im Aussehen, so auch die in Süd- und Mittelamerika lebenden Weißnackenkolibris (Florisuga mellivora). Die Männchen besitzen ein leuchtendes Gefieder mit einem blau schimmernden Kopf und strahlend weißem Bauch und Schwanz. Das Gefieder der Weibchen ist im Erwachsenenleben weniger auffällig gefärbt, mit gedämpften grünen, grauen und schwarzen Farbtönen. Das erleichtert ihnen die Tarnung in der Umgebung.

20 Prozent der Kolibri-Weibchen behalten männliche Gefieder-Färbung

Doch nicht alle Weibchen verändern beim Heranwachsen ihr Aussehen: Etwa 20 Prozent behalten die männliche Gefieder-Färbung bei, fanden Forscher um Jay Falk von der Cornell University (Ithaca/USA) bei der Untersuchung einer Population von Weißnackenkolibris in Panama heraus. Auf der Suche nach den Gründen erdachten sie ein Experiment mit ausgestopften Exemplaren der Vögel. Sie montierten diese auf eine Halterung am Futterplatz, jeweils verschiedene Paarungen von typisch gefärbten Weibchen und Männchen sowie männlich gefärbten Weibchen.

Wohl zum Schutz vor Belästigungen beim Fressen tarnen sich einige weibliche Kolibris als Männchen.
Foto: Philipp Schulze, dpa

Zunächst wollten die Wissenschaftler prüfen, ob sexuelle Selektion etwas mit der Aufrechterhaltung der Färbung zu tun hat. Wenn dies der Fall wäre, würden die Männchen von den Weibchen mit dem männerähnlichen Gefieder stärker angezogen, erläutert Falk. „Das ist nicht passiert. Die männlichen Weißnackenkolibris zeigten immer noch eine klare Präferenz für die typisch gefiederten erwachsenen Weibchen.“

Eigentlich ist das Kolibri-Weibchen deutliche unauffälliger gefiedert

Weißnackenkolibris (Florisuga mellivora). Die Männchen besitzen ein leuchtendes Gefieder mit einem blau schimmerndem Kopf und strahlend weißem Bauch und Schwanz. Das Gefieder der Weibchen ist im Erwachsenenleben weniger auffällig gefärbt, mit gedämpften grünen, grauen und schwarzen Farbtönen. Das erleichtert ihnen die Tarnung in der Umgebung.

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Warum trotzdem nicht alle oder zumindest mehr Weibchen ein männliches Gefieder tragen, wissen die Forscher nicht. Womöglich schütze das unauffälligere Gefieder die Tiere beim Brüten vor Angriffen – und dieser Vorteil überwiege. Es sei auch schwer zu sagen, ob die Vorteile sich als nachteilig erwiesen, wenn es um die Paarung gehe, sagt Falk. Weibliche Kolibris mit männlichem Gefieder könnten schließlich weniger attraktiv auf ihre männlichen Artgenossen wirken.

Man habe aber derart gemischte Paare beobachtet, sagt Falk. „Es ist möglich, dass diese Weibchen über Verhaltensweisen verfügen, um Männchen anzuziehen, die nichts mit ihrer Färbung zu tun haben, oder dass es für ihren Fortpflanzungserfolg keinen Unterschied macht, weniger Partner anzuziehen.“

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