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Interview
30.04.2022

Thomas Anders: "Ich bin ein Genussmensch"

Thomas Anders unterstützt als Gastjuror die Jury um Schlagerstar Florian Silbereisen bei "Deutschland sucht den Superstar".
Foto: Britta Pedersen, dpa

Der Musiker Thomas Anders spricht über Wein, Gesang, musikalische Partner und ob er wohl noch einmal in seinem Leben vor den Fans in Russland auftreten wird.

Herr Anders, Sie haben vor kurzem Ihren eigenen Wein auf den Markt gebracht. Wollten Sie sich damit einen Lebenstraum erfüllen, bevor Sie 60 werden?

Thomas Anders: Ich liebe guten Wein, und es hat sich wunderbar gefügt, als ich den Winzer Dirk Würtz vom Weingut „St. Antony“ in Nierstein am Rhein kennenlernte. Er lud mich zu seinem Podcast ein und irgendwann in weingeselliger Runde sagte er: „Du, wenn du Lust hast, dann lass uns zusammen einen Thomas-Anders-Wein machen.“ Ich habe die Entwicklung unseres Weins dann ein Jahr lang begleitet und dabei wirklich sehr viel über Wein gelernt.

Was denn so?

Anders: Zum Beispiel, dass ein alter Rebstock metertiefe Wurzeln hat, die mitentscheidend sind für den Geschmack. Wie und wann man die Stöcke und die Blätter beschneidet, damit der Sonneneinfall genau richtig ist. Dass in diesem Weingut alles per Hand gelesen wird, weil Maschinen den Boden verfestigen und das Einsickern des Regenwassers erschweren würden. Wann der perfekte Zeitpunkt zum Ernten ist, welches Fass man zum Lagern nimmt und wie man den Wein so cuvertiert, dass am Ende der „Anders Grauburgunder“ dabei herauskommt.

Sie hatten schon eine Kochsendung im TV und haben ein Kochbuch veröffentlicht. Setzt der Wein Ihrem kulinarischen Wirken jetzt die Krone auf?

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Anders: Ja, das kann man sagen (lacht). Ich bin ein Genussmensch durch und durch. Neben der Musik ist der Genuss an sich meine große Leidenschaft. Viele, gerade auch in Deutschland, haben Angst zu zeigen, dass sie Genießer sind. Aber ich finde es in keiner Weise verwerflich, wenn man es sich gut gehen lässt und den Genuss auch auslebt. Ich jedenfalls bin dankbar für die wundervollen Momente des Lebens, für Freude, Genusskultur und Spaß.

Ist das quasi die Botschaft Ihres gesamten Schaffens?

Anders: Das wäre mir ein bisschen zu oberflächlich, aber der tiefere Sinn unseres Menschseins liegt für mich tatsächlich darin, dass wir glücklich sein möchten. Und die Entscheidung für das Glück halten wir in großen Teilen selbst in der Hand. Wenn ich dem Glück im Wege stehe, es nicht sehe, wie soll es dann zu mir kommen? Ein Glas Wein, leckeres Essen, tolle Gespräche, das alles kann Glücksgefühle auslösen. Oder kurz gesagt: „Gebt dem Glück eine Chance“.

Sie hatten mit sechs Jahren Ihre ersten Auftritte als „Bernie von der Mosel“, haben als Teenager schon beruflich gesungen, später ein bisschen studiert, dann kamen Modern Talking und eine erfolgreiche Solokarriere. War Ihnen das Glück im Leben immer treu?

Anders: Es wäre Blödsinn zu behaupten, dass ich nur glückliche Zeiten hatte. Das Leben ist eine Achterbahnfahrt. Ich versuche allerdings, auch in nicht so schönen Phasen meine positive Lebenseinstellung nicht zu verlieren. Aus dieser Zuversicht schöpfe ich Kraft. Und alles in allem bin ich wohl wirklich ein Glücksmensch. Ich habe ein erfülltes und positives, ja ein wirklich tolles Leben.

Worauf kommt es an in so einer langen Karriere?

Anders: Glücklich zu sein. Übrigens vollkommen egal, in welchem Beruf. Es gibt doch nichts Schlimmeres, als irgendwann die Augen zuzumachen und sich zu fragen „War ich in meinem Leben wirklich glücklich?“.

Hatten Sie je Momente, als Sie dachten „Macht euer Zeug doch alleine?“

Anders: Immer, wenn ein Album gefloppt ist, habe ich mich gefragt, warum ich mir diesen Mist überhaupt antue (lacht). Doch je älter ich werde, desto entspannter werde ich auch. Die härteste Zeit war nach dem ersten Mal Modern Talking, Anfang der neunziger Jahre. Ich lebte in Los Angeles und machte englischsprachigen Pop, der top produziert war, aber der einfach nicht ankam. Das war frustrierend, aber das war halt nicht meine Zeit. Also nahm ich mir eine Auszeit und kam mit der zweiten Runde von Modern Talking zurück.

Eine dritte Runde Modern Talking muss es aber nicht geben, oder?

Anders: Nein. Die Geschichte von Modern Talking ist auserzählt, da gibt es keine Diskussion. Dann doch lieber noch ein Gläschen Wein.

Dafür hatten Sie mit Florian Silbereisen vor kurzem wieder ein Nummer-Eins-Album.

Anders: Genau, und das heißt: Mit dem Anders muss man immer rechnen, und wer ihn abschreibt, der ist selber schuld (lacht). Ich arbeite extrem viel, aber es ist immer auch ein Quäntchen Glück dabei. Dass es mit Florian so gut funktionierte, konnte man nicht vorhersehen. Die Menschen haben es einfach so gewollt.

Silbereisen ist ja Dieter Bohlens Nachfolger bei „DSDS“, und auch Sie saßen neulich gastweise in einer der Shows. Bahnt sich da mehr an?

Anders: Florian und seine Jury-Kollegen haben einen anderen Ton in dieses Format gebracht, eine andere Sprache. Mich reizt die Arbeit mit Talenten, und mir liegt die Sendung jetzt tausendmal näher als früher, als es eher ein Musik-Comedy-Format war. Ich bin mal selbst gespannt, wie es weitergeht.

Jetzt gehen Sie mit Florian Silbereisen erst mal im Rahmen des „Schlagerfest XXL“ auf große Tournee. Wissen Sie nach der ewig langen Corona-Pause noch, wie das geht?

Anders: Das will ich doch hoffen! Man kann mich nachts um 2 Uhr wecken, und ich könnte sofort auftreten. Gar kein Problem.

Sie sind Ehrenprofessor an der Uni in Kiew, haben viele Fans und auch Freunde sowohl in der Ukraine als auch in Russland. Sie kennen beide Länder dank vieler Konzertreisen recht gut. Wie soll das alles weitergehen?

Anders: Dieser Krieg wird die Welt sehr verändern. Ich glaube, wir haben sehr lange im Elfenbeinturm gelebt, haben den Frieden für selbstverständlich genommen. Das wird in Zukunft nicht mehr so sein. Ich leide mit den Menschen in der Ukraine und zugleich fürchte ich, dass sich ein Putin nicht wird vertreiben lassen. Ich glaube, zu Friedensverhandlungen kann es erst kommen, wenn ein Landzugang zur Krim geschaffen wurde.

Und danach?

Anders: Ich bin weder Politologe noch Kriegsexperte. Für mich sieht es momentan so aus, dass der Osten und Süden der Ukraine abgespalten werden, und der Rest des Landes wird neutral. Unsere politische Strategie von „Wandel durch Handel“ ist jedenfalls voll vor die Wand gefahren. Wir hätten seit Jahren wahrscheinlich viel mehr militärische Stärke gegenüber Putin zeigen müssen.

Werden Sie noch einmal in Russland auftreten?

Anders: So, wie es momentan aussieht, sicher nicht in den nächsten Jahren.

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