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Kulturgeschichte
17.10.2018

Muslima und Maria mit Kopftuch

Ein meist rechteckiges Stück Stoff gehört zum Islam wie zum Christentum

Wenn übers Kopftuch gesprochen wird, wird es oft laut und hitzig. Vom Kopftuchverbot ist dann die Rede, von der Unterdrückung der Frau, gar von der Minderwertigkeit einer Verhüllten. „Wenn das Wort fällt, befindet man sich sofort in einer Art Kampfzone, weil es sofort mit dem Islam assoziiert wird“, sagt Axel Steinmann, Kurator im Weltmuseum Wien.

Dabei hat das Kopftuch kulturhistorisch sehr viel mehr erlebt – und ist in vielen Kulturkreisen zu Hause. Genau das will das Weltmuseum in Wien mit einer neuen Ausstellung zur Geschichte und Verbreitung des Kopftuchs verdeutlichen. „Bei uns in Europa blickt das Kopftuch auf 2000 Jahre Geschichte zurück und ist eng mit dem Christentum verknüpft“, erklärt Steinmann. In der Ausstellung, die bis 26. Februar zu sehen ist, wird das vor allem an Gemälden deutlich. Marien-Darstellungen kommen so gut wie nie ohne einen Schleier aus.

Dazu kommen Darstellungen von Nonnen, Trachten und aktuellen Entwürfen von Modeschöpfern, bei denen das Kopftuch wie selbstverständlich dazugehört. Die ausgestellten Kopftücher selbst sind schlicht aufgehängt. Aus dem oft mit Bedeutung aufgeladenen Tuch wird ein simples, meist rechteckiges Stück Stoff. Es ist der Versuch, ein vorbelastetes Symbol kultureller Debatten neutral zu präsentieren. In einer Zeit, in der in zahlreichen europäischen Ländern diverse Formen der Verschleierung verboten werden, in Österreich sogar über ein Kopftuchverbot für Kindergartenkinder nachgedacht wird, stürzt sich das Weltmuseum also in eine politische Debatte.

Das ist den Machern der Schau auch bewusst. „Das Kopftuch muss im 21. Jahrhundert in einigen Ländern der Europäischen Gemeinschaft wieder herhalten, um Wahlen zu führen – und erschreckenderweise auch noch Wahlen zu gewinnen“, sagt Christian Schicklgruber, Direktor des Weltmuseums.

Die Schau soll nun den Blick auf das Thema erweitern. Gleichzeitig versucht sie, der Debatte über Islam und Migration aus dem Weg zu gehen. Die Muslima mit Kopftuch steht nicht im Mittelpunkt der Schau, sie ist sogar kaum zu finden. Auslöser für das Projekt war das viel diskutierte Verhältnis zwischen Islam und Kopftuch aber sehr wohl.

„In allen Gesellschaften wird die Entscheidung, dieses Stück Stoff am Kopf zu tragen oder nicht, von vielen Faktoren bestimmt“, sagt Schicklgruber. „Von religiöser Überzeugung, kulturellen Traditionen, aber vor allem vom Ausdruck der eigenen Individualität.“ Auch Männer mit Kopftuch bekommen ihren Platz in der Schau. (dpa)

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