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26.03.2019

Mainstream und Avantgarde

Scott Walker 1967, zur Zeit seiner künstlerischen Neuorientierung.
Bild: Getty Images

Pop-Musiker Scott Walker ist tot

Er hätte noch lange so weitermachen können mit den 1964 gegründeten, bald sehr erfolgreichen Walker Brothers. Schmachtfetzen wie „Make It Easy On Yourself“ oder „The Sun Ain’t Gonna Shine (Anymore)“ waren sogar für die Beatles eine ernsthafte Konkurrenz. Doch Scott Walker strebte nach neuen Ufern, nach Höherem. So beendete er 1967 die emsige Hit-Produktion der Brüder, die gar keine waren, und schuf vier Soloalben mit Songs wie Kathedralen.

Der Einfluss des Anfang 1943 als Noel Scott Engel im US-Bundesstaat Ohio geborenen, nun mit 76 Jahren gestorbenen amerikanisch-britischen Sängers und Komponisten ist kaum hoch genug einzuschätzen. Seine konsequente Haltung als Künstler mit Mut zur Avantgarde – und damit zum Risiko – schlug zahllose Musiker und Fans in Bann. Die Wandlung vom geschmeidigen Bombast-Pop der Walker Brothers über die orchestralen Solo-Alben der späten 60er bis zu den sperrigen Sound-Experimenten seit dem Comeback „Tilt“ (1995) gehört zu den faszinierendsten Metamorphosen im Pop.

Als der junge Sänger mit seinen „Brüdern“ John Maus und Gary Leeds vor 55 Jahren zum Teenie-Idol wurde, schien der Weg zu dauerhaftem Ruhm vorgezeichnet. Doch Walker warf das Ruder herum. Die Alben „Scott“ bis „Scott 4“ (1967 bis 1969) dürften heute noch jeden ergreifen, der ein Gespür für ambitionierte Popmusik hat. Walker zollte Vorbildern wie dem Chansonnier Jacques Brel, aber auch Burt Bacharach und Tim Hardin Tribut. Vor allem aber präsentierte er sich zu dieser Zeit selbst als Songwriter der Extraklasse.

Walkers Musik war allerdings auch oft nicht gerade leicht verdaulich. Gewöhnungsbedürftig etwa der schroffe Sound von „The Drift“ (2006), den seine Band teilweise mit Hieben auf Schweinehälften erzeugte. So blieb Scott Walker während seiner späten Karrierejahre ein Künstler für Kenner und ein Kritikerliebling. Werner Herpell, dpa

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