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Tarantino
22.07.2021

Es war einmal in Hollywood: Was kann Quentin Tarantinos erster Roman?

Unabhängig davon, wie einem sein erster Roman gefällt, er fühlt sich an, wie ein echter Tarantino.
Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa

Quentin Tarantino wechselt in die Literatur. Seinem Erstlingswerk „Es war einmal in Hollywood“ sollen weitere Romane folgen. Ist das eine Drohung oder ein Versprechen?

Es gibt Künstlerinnen und Künstler, die einen so eigenen Stil haben, dass man ihn sofort erkennt. So auch Quentin Tarantino. Hochstilisierte Schießereien, ballernde Actionszenen, lange Einstellungen und ausgefeilter Dialog. Unabhängig davon, wie einem sein erster Roman gefällt, er fühlt sich an, wie ein echter Tarantino.

Nur noch ein Tarantino-Film: Sind seine Bücher ein angemessener Ersatz?

Davon wird es in Zukunft nicht mehr all zu viele geben. Aus dem Filmgeschäft will Tarantino sich nach seinem zehnten Film zurückziehen und stattdessen Romane schreiben. Eine Adaption seines jüngsten und neunten Films „Once upon a time in Hollywood“ ist da ein nahe liegender Schritt, um das neue Medium auszuprobieren. Anders als der Filmtitel wurde der Name des Romans zu „Es war einmal in Hollywood“ übersetzt. Das Buch zum Film ist meist kein großes Lesevergnügen. Anders bei Tarantino: Herausgekommen ist ein kurzweiliger Groschenroman, oder Pulp Fiction, wie man auf Englisch sagen würde.

Die Handlung spielt Ende der sechziger in Hollywood als Filme noch nicht im Computer gedreht wurden. Der verwaschene Westernstar Rick Dalton bekommt keine Filmrollen mehr und muss sich herablassen Schurken in italienischen Western zu spielen. Selbst denen ist er aber nach jahrelanger Verschwabbelung und Alkoholismus nicht gewachsen. Ebenfalls darunter leidet sein Stuntdouble und Chauffeur Cliff Booth. Die beiden müssen Ricks Karriere retten, und sich in einer Filmindustrie bewähren, die eigentlich keine Verwendung mehr für sie hat.

Aus "Once upon a time in Hollywood" wird "Es war einmal in Hollywood"

Erzählt wird diese Geschichte mit nüchterner Prosa und schnellem Dialog, während der Plot sehr stark mit Rückblenden und Zeitsprüngen arbeitet. Die Charaktere fluchen wie die Kesselflicker, lassen keine Gelegenheit aus zu trinken oder zu rauchen und haben eine Leidenschaft für Messerstechereien: Tarantino-Style quasi. Der Autor selbst hat sein Buch als „die unhandliche Version des Films“ beschrieben. Die Geschichte wird um einige Szenen erweitert, die laut Tarantino teilweise aus Zeit- und Strukturgründen im Film gestrichen wurden und teilweise komplett neu geschrieben wurden. Diese Szenen haben dem Film aber nicht besonders gefehlt und machen die sowieso schon lange Geschichte schwerfälliger. Wer sich genauer für die Hintergrundgeschichte von Dalton und Booth interessiert kommt allerdings auf seine Kosten.

Tarantinos Beschreibungen lesen sich wie Regieanweisungen und die Dialoge folgen ohne Unterbrechung direkt aufeinander, was zur Folge hat, dass sich der Roman wie ein Drehbuch liest. Nun ist das bei Tarantino kein Zeichen von mangelnder Qualität. Zwar liest sich das Buch leicht und unterhaltsam, aber das Erzählen mit Film und Musik geht Tarantino sichtbar leichter von der Hand: Im Film lässt Tarantino zum Beispiel die Zeitgeschichte lebendig werden, indem er Produkte, Filme und Musik aus der Periode vorkommen lässt. Wenn diese, wie im Buch, nur aufgezählt werden, liest sich das ganze aber etwas dröge.

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Tarantino ist offensichtlich anderer Meinung: Ganze Kapitel bestehen nur aus Aufzählungen von Filmen aus den sechziger Jahren. Cineasten und Cineastinnen werden daran ihre helle Freude haben. Den meisten Lesern und Leserinnen wird aber nicht unter den Nägeln brennen, was Cliff Booths Lieblingsfilm von Akira Kurosawa ist. Auch die grandiosen Einspieler von B-Movies aus den sechzigern finden nicht ihren Weg ins Buch. Die Auftritte von Hollywood-Stars aus der Periode sind ebenfalls eindrucksvoller wenn man sie sieht, als nur ihren Namen zu schreiben.

Der Roman ist besser als der Film

Wenn Cliff Booth sich mit einem Bruce-Lee-Double prügelt ist das deutlich unterhaltsamer, als nur den Namen Bruce Lee auf der Seite zu sehen. Häufig wird ziemlich unvermittelt die Erzählperspektive gewechselt, so dass Leserinnen und Leser ab und zu den Überblick verlieren. Wer sich tarantino-typische stilisierte Actionszenen erhofft wird übrigens enttäuscht. Die meisten davon werden ersatzlos gestrichen, aber auch nicht wirklich vermisst. Das ist für manche vielleicht enttäuschend, aber eine der besseren Entscheidungen von Tarantino. Schießereien und Hippies die den Flammenwerfer zu spüren bekommen, funktionieren im Film besser. Allerdings kommt das Ende ohne große Schießerei ein wenig unvermittelt.

Alles in allem ist „Es war einmal in Hollywood“ keine große Literatur, aber das muss es auch nicht sein. Wer vom Film nicht genug hatte, wird seinen Spaß haben. Er wird einen spannenden Roman bekommen, der sich leicht liest. Im Vergleich zum Film ist das Buch aber nur ein Abklatsch.
 

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