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Verliebt, verlobt, verloren
23.06.2015

Papa ist in Nordkorea

Renate Hong in einer Szene des Kinofilms "Verliebt, verlobt, verloren".
Foto: Kundschafter Filmproduktion/dpa

Episoden aus dem Kalten Krieg: Durch sozialistischen Austausch gelangten viele Nordkoreaner in die DDR - und hinterließen oft Frau und Kind, als sie in ihre Heimat zurückkehrten.

Der Kalte Krieg trieb seltsame Blüten. 1952 schickte Nordkorea Studenten zur Ausbildung in sozialistische Bruderländer wie die DDR. Des Deutschen nicht mächtig waren sie auf die Hilfe der Genossen angewiesen. Vor allem die sozialistischen Schwestern hatten es ihnen angetan. Als die Studenten Anfang der 60er zurückbeordert wurden, ließen viele nicht nur einen westlichen Lebensstil mit Jeans und Dauerwelle, sondern auch Frauen und Kinder in Ostdeutschland zurück.

„Verliebt, verlobt, verloren“ erzählt die Geschichte der Zurückgebliebenen. Den Müttern fällt es selbst mit dem Abstand von vierzig Jahren sichtlich schwer, über die Vergangenheit zu sprechen. Bei ihren erwachsenen Kindern überwiegt hingegen die Neugier, mehr über ihre Väter zu erfahren. Die Kamera begleitet sie, wie sie alte Universitätsakten wälzen oder versuchen, Kontakte nach Nordkorea zu knüpfen.

„Schlitzauge“ oder „Pappchinese“: Kinder fühlen sich fremd im eigenen Land

Liana Kang-Schmitz hat sogar zum Thema promoviert und dient dem Dokumentarfilm als Stichwortgeberin. Allen Kindern gemein ist das Gefühl der Andersartigkeit. Hänseleien wie „Schlitzauge“ oder „Pappchinese“ standen auf der Tagesordnung. Und so erzählt „Verliebt, verlobt, verloren“ auch davon, wie es sich anfühlt, fremd im eigenen Land zu sein.

Regisseurin Sung-Hyung Cho inszeniert ruhig mit einem feinen Sinn für Ironie und die Absurditäten des Alltags. Ihr ist ein berührendes Porträt über Heimat, Heimatlose und Heimatsuchende gelungen, das ihre eigenwillige Heimattrilogie abschließt. Im Gegensatz zu „Full Metal Village“ (2006) und „Endstation der Sehnsüchte“ (2009) geht „Verliebt, verlobt, verloren“ aber die erzählerische Geschlossenheit ab. Der Film präsentiert zu viele Protagonisten, lässt Fakten zu lange offen. Das stiftet unnötig Verwirrung und erschwert es, dem ansonsten gelungenen Film jederzeit zu folgen. AZ/goro

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