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  3. Jubiläum: Charles Mingus war ein Choleriker und ein Genie am Bass

Jubiläum
22.04.2022

Charles Mingus war ein Choleriker und ein Genie am Bass

Der Jazzbassist Charles Mingus im Jahr 1976 bei einem Auftritt in New York.
Foto: Tom Marcello Webster

Plus Der Jazz-Bassist Charles Mingus wäre am 22. April 100 Jahre alt geworden. Was von ihm bleibt, sind seine Genialität und seine legendären Wutanfälle.

Schade eigentlich. Wenn das Vermächtnis eines großen Künstlers mit dessen schlechter Seite beginnt, verzerrt dies die Gesamtperspektive. Aber Menschen sind nun mal so; sie picken sich gerne die spektakulären Dinge heraus, die Verfehlungen und Sünden, die Flecken auf der weißen Weste. Deshalb bleibt von Charles Mingus vor allem das Bild des Cholerikers haften, eines bulligen, tyrannischen Zuchtmeisters, der immer wieder seine Musiker schlug – 1962 traf es mitten während eines Konzertes den bedauernswerten Posaunisten Jimmy Knepper, dem hinterher ein Zahn fehlte. Mingus legte sich auch mit dem Publikum an, beschimpfte es nicht selten wüst, sodass seine Auftrittsmöglichkeiten immer weniger wurden.

Dabei besaß der am 22. April 1922 in Nogales/Arizona geborene Bassist, Komponist und Orchesterleiter die seltene Gabe, Musik weiterzudenken, sie in eine rare Form der Kommunikation mit seinen Mitmusikern zu überführen. Wenn man sich eine Band als menschlichen Körper vorstellt, ist der Bassist das Zwerchfell. Er reguliert die Atmung, sorgt für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Organen, also von Rhythmus- und Melodieinstrumenten, und ist Motor für ihre Stimmbildung. Mingus war solch ein Regulativ. Und mehr.

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