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Stadttheater

01.10.2013

Amüsantes Spiel mit den Klischees

Stefan Wilkening im Landsberger Stadttheater – in einer kreativen Inszenierung von Johannes Schmid.
Bild: Julian Leitenstorfer

„Der Kontrabass“ – Lebendige Inszenierung des Erfolgsstücks

Ziemlich zu Beginn der Saison durfte das Publikum im Landsberger Stadttheater sich auf einen „Straßenfeger“ des Theaters freuen, eines der meistgespielten deutschsprachigen Stücke: „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind in einer Inszenierung von Johannes Schmid.

Der ausverkaufte Saal bewies nicht nur die ungebrochene Popularität des Ein-Personen-Dramas, sondern auch den Stellenwert, den das Stadttheater mit seinen hochwertigen Gastspielen im Kulturleben der Stadt einnimmt.

Die meisten kannten ihn schon, hatten ihn schon mehrfach gesehen - den „Kontrabass“, und waren gespannt auf Darsteller Stefan Wilkening und die Inszenierung von Johannes Schmid. Ein Stück mit nur einer einzigen Rolle lebt in erster Linie vom Darsteller. Stefan Wilkening beherrschte mit starker Bühnenpräsenz mühelos den Saal von dem Moment an, da er, in schlabberigem Bademantel und Schlappen, darunter ausgebeulte Jogginghose und Feinripp-Unterhemd, auf die Bühne schlurfte. Ein amüsantes Spiel mit den Klischees spielte die Regie da, indem der Kontrabassist sich immer neue Bügelbierflaschen aus der Bodenklappe angelte und im passenden Outfit die Weisheiten und Erkenntnisse eines Menschen von sich gab, der sein Leben mit dem sperrigsten aller Instrumente teilt.

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Diese Einsichten waren freilich kabarettistisch-hintergründig und erklärten dem Zuschauer die Welt aus dem Blickwinkel der dritten und hintersten Ebene im Orchestergraben. Wilkening erfüllt die Bühne mit passionierten und lebendigen Gesten und Bewegungen, er steht oder sitzt keine Minute still, turnt schließlich um das sperrige Instrument herum, paart sich förmlich mit ihm, schlägt es, verhätschelt es. Mit der Unmittelbarkeit und Distanzlosigkeit eines Genossen am Stammtisch hält er den Spannungsbogen in seinem Monolog, gebannt folgt ihm das Publikum bis zum letzten Satz.

Dabei gibt es ständig etwas zu schmunzeln oder zu lachen: Wenn der Kontrabassist etwa das Vorspiel zur Walküre mit der Filmmusik zu „Der weiße Hai“ vergleicht und minutenlang gebückt, mit den Händen eine Flosse auf dem Kopf andeutend, sich schlängelnd wiegt, zu den drohenden Walküre-Bassklängen. Wenn er beklagt, wie ihn das aufdringliche Instrument im Leben behindert – „gesellschaftlich, menschlich, verkehrstechnisch, sexuell“, und dazu seine Anekdoten erzählt.

Eine unbedeutende Nebenrolle

Marcel Reich-Ranicki nannte den „Kontrabass“ ein „kabarettistisches Stück mit Pfiff und Charme und mit leiser, gleichsam lächelnder Melancholie“. Es zeige Süskinds Humor ebenso wie seine „keineswegs larmoyante und eher an Tschechow erinnernde Schwäche für die Benachteiligten und Zukurzgekommenen“. Stefan Wilkening verstand es meisterhaft, das Psychogramm dieser unscheinbaren Hintergrundexistenz zu zeichnen. Er argumentiert, gestikuliert, verzweifelt, tobt und grollt ob seiner Rolle im Orchester wie im Leben: ganz im Hintergrund, von niemandem wahrgenommen, eine unbedeutende Nebenrolle. Und das Trägerunterhemd, die Jogginghose und die Bierflaschen beweisen: Es steckt kein glänzender Solist in ihm, er ist genau da, wo er hingehört, im Mittelmaß.

Dieser „Kontrabass“ mit dem großartigen Darsteller Stefan Wilkening und in der lebendigen, kreativen Inszenierung von Johannes Schmid gefiel allen Zuschauern, und so blieb man lange noch sitzen und spendete den verdienten Applaus.

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