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17.12.2008

Der Anteil Emilie Schindlers

Schondorf (jner) - Sie war Freundin und Wegbegleiterin der letzten Jahre von Emilie Schindler, der Witwe von Oskar Schindler. Das Ehepaar hatte während des Nazi-Regimes 1200 Juden vor dem sicheren Tod gerettet. Zum 100. Geburtstag von Oskar Schindler reiste die Historikerin, Pädagogin und Journalistin Erika Rosenberg auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung durch mehrere europäische Länder und hielt in fünf Monaten mehr als 200 Vorträge und Lesungen. So auch hier im Schondorfer Landheim.

Erika Rosenberg erzählte eher, als dass sie aus ihrem Buch "Ich, Emilie Schindler" vorlas. Das machte sie authentisch, und das kam bei den Schülerinnen und Schülern an. Betroffenheit und Fassungslosigkeit spiegelten ihre Gesichter wider.

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Die Eltern von Erika Rosenberg waren deutsche Juden, Vater Jurist, Mutter Ärztin. Sie flüchteten 1936 vor den Nazis nach Südamerika und ließen sich in Argentinien nieder. Hier wurde Erika geboren, hier ist sie zweisprachig aufgewachsen.

Verarmt gestorben

Der Anteil Emilie Schindlers

1990 lernte Erika Rosenberg im Rahmen von Recherchearbeiten Emilie Schindler kennen, die verarmt auf einer kleinen Farm in der Nähe von Buenos Aires lebte. Oskar Schindler war bereits 1957 nach Deutschland gereist und nie mehr zurückgekommen. 1974 starb er in Hildesheim, ebenfalls total verarmt.

Erika und Emilie wurden sehr schnell Freundinnen und enge Vertraute. "70 Stunden MP3-Aufzeichnungen hatte ich schließlich über die Geschichte der Schindlers - jetzt aus der Sicht der Ehefrau."

In Erika Rosenbergs Buch wird die Geschichte von Schindlers Liste erzählt, der Liste mit den Namen von 1200 Juden, die er in seiner Emaille-Fabrik als Arbeiter brauchte und die deshalb nicht in die Gaskammern geschickt wurden. Das Buch würdigt den Anteil von Emilie Schindler, den sie am "Erfolg" der Aktionen hatte. Denn sie besorgte die Medikamente und betreute die Kranken, damit sie nicht zurück ins KZ mussten - was ihren Tod bedeutet hätte; sie kaufte Lebensmittel, um die tägliche 300-Kalorien-Kost für die Juden aufzubessern. Ständig war sie unter Beobachtung der Gestapo. Schließlich nahm sie, wie ihr Mann, Spitzelaufträge an, um - scheinbar unverdächtig - weiter helfen zu können.

1951 an Fritz Lang geschrieben

Erika Rosenberg schildert in ihrem Buch auch die lange Vorgeschichte der Verfilmung von "Schindlers Liste". Schon 1951 hatte Oskar Schindler an den Regisseur Fritz Lang einen Brief nach Hollywood geschrieben und ihm den "Stoff" angeboten. Er erhielt keine Antwort. 1964 wurde ein Vertrag mit MGM geschlossen - Oskar Schindler schrieb ein Drehbuch. Es sollte mit Romy Schneider und Richard Burton verfilmt werden. Aber es geschah nichts. Erst 1993 nahm sich Steven Spielberg des inzwischen als Roman erschienenen Stoffs an. Emilie Schindler spielte hier eine untergeordnete Rolle. "Niemand von der Filmproduktion fragte auch nach ihr", sagt Erika Rosenberg. "Man dachte wohl, sie sei tot."

Als Spielberg erfuhr, dass Emilie Schindler lebte, lud er sie zu einer Galaveranstaltung in Israel ein, platzierte sie ganz hinten im Saal und begrüßte sie nur von fern. Vom Einspielergebnis des Films (330 Millionen Dollar) sah sie nie einen Cent. Spielberg hatte es in eine jüdische Stiftung eingebracht. Im Jahr 2001 besuchte Emilie Schindler mit Erika Rosenberg Deutschland. Sie starb hier im selben Jahr und wurde auf ihren Wunsch hin in Waldkraiburg beigesetzt. Die Landheimer waren ergriffen von Erika Rosenbergs Vortrag. Sie wollten jetzt mehr wissen und kauften das Buch. Nach der Motivation für ihr Engagement gefragt, antwortete sie: "Im Zweiten Weltkrieg sind 55 Millionen Menschen umgekommen, nicht nur Juden. Nie wieder Krieg!"

Buchtipp Erika Rosenberg (Herausgeberin): Ich, Emilie Schindler. Erinnerungen einer Unbeugsamen. Mit 91 Fotos und faksimilierten Dokumenten. Herbig Verlag, München, 19,90 Euro.

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